Vernachlässigt die Politik in Radevormwald die Jugend?

Jugendpolitik in Radevormwald : Tut die Politik zu wenig für die Jugend?

Im jüngsten Jugendhilfeausschuss gab es deutliche Kritik an den Ratsfraktionen. Der größte Teil der Politiker ignoriere Veranstaltungen, bei denen es um Jugendpolitik gehe. Auch die Verwaltung musste sich Kritik anhören.

„Ich habe den Eindruck, dass die meisten Fraktionen hier kein Interesse an Jugendpolitik haben.“ Dieses Fazit zog Christian Schoppe, der für die evangelische Kirche Mitglied im Jugendhilfeausschuss ist, bei der jüngsten Sitzung. Vorangegangen war eine lebhafte Debatte über den Offenen Brief, den Reiner Klausing, Vorsitzender des Kinder- und Jugendring, jüngst veröffentlicht hatte. Darin hatte Klausing unter anderem das Desinteresse der meisten Fraktionen an Veranstaltungen im Jugendbereich beklagt.

Helga Kerstin, Vertreterin der Wohlfahrtsverbände im Ausschuss, bestätigte Klausings Aussagen. wenn es um Veranstaltungen der Jugendpolitik gehe, glänzten die meisten Fraktionsmitglieder durch Abwesenheit. „Die Politiker kommen nie, auch wenn sie eingeladen sind“, sagte Kersting. Die Kritik aus dem Kinder- und Jugendring habe auch viel mit solchen Enttäuschungen zu tun. Rolf Schäfer, Ausschussmitglied der CDU-Fraktion, hielt dagegen: „Das ist nicht so. Aber darüber sollten wir offen reden.“

Nicht nur die Ratsfraktionen, auch die Verwaltung war in dem Offenen Brief nicht gut weggekommen. Volker Grossmann, Leiter des Jugendamtes, meinte dazu: „Ich kann die Kritik nicht nachvollziehen, und ich finde es nicht gut, das auf diese Weise öffentlich zu machen.“ Für ein Gespräch sei man im Amt immer bereit gewesen. Von dem Frust in den Reihen des Jugendrings habe man nichts gehört. Bürgermeister Johannes Mans sprang dem Amtsleiter bei. Klausings Kritik könne man „nicht so stehenlassen“.

Dass es in den Reihen des Jugendrings rumorte, war freilich schon Anfang des vergangenen Jahres zu spüren gewesen. Damals hatte Reiner Klausing anlässlich des „Forentags“ auf Probleme der Kommunikation zwischen den Jugendpflegern und der Stadt aufmerksam gemacht. Weil es innerhalb des Jugendamtes strukturelle Änderungen gegeben habe, funktioniere die „Schnittstelle“ zur Verwaltung nicht mehr so gut. Diese kritischen Äußerungen von Klausing hatte damals die Bergischen Mortenpost auch veröffentlicht.

Ein positives Signal hatte es jedoch einige Monate später gegeben: Den freien Trägern war nach eindrücklichen Bitten von der Stadt eine neue Vollzeitstelle für Jugendförderung in Aussicht gestellt worden.

Christian Schoppe hakte nun in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses nach, was eigentlich aus der versprochenen neuen Stelle für die Jugendarbeit geworden sei. Plötzlich sei bei der Verwaltung die Rede von „einer halben Stelle“. Die Vertreter der Stadt mussten im Ausschuss die Antwort schuldig bleiben. „Das wird sich aufklären“, versprach der Bürgermeister.

Ein Thema im Zusammenhang mit der Jugendarbeit war im Ausschuss die geplante Umstrukturierung des Jugendamtes. Vorgesehen ist unter anderem, eine neue Leitung mit pädagogischem Hintergrund. Marie-Christine Schröder (FDP) plädierte dagegen für eine Doppelspitze für die Leitung des Amtes: „Das wäre von Vorteil, denn wer pädagogisch qualifiziert ist, muss auch nicht automatisch verwaltungstechnisch qualifiziert sein.“

Die Verwaltung hatte sich wegen der Planung der Umstrukturierung des Jugendamtes von Ansgar Nowak, dem ehemaligen Leiter der psychologischen Beratungsstelle „Herbstmühle“, beraten lassen. „Es handelt sich allerdings um kein formelles ,Gutachten’“, stellte Bürgermeister Mans klar.

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