Radevormwald: Trägerverein sucht Hilfen für den Haushalt

Radevormwald: Trägerverein sucht Hilfen für den Haushalt

Ältere und pflegebedürftige Menschen brauchen oft Unterstützung, um ihre Wohnung in Ordnung zu halten. Die Pflegeversicherung reicht nicht aus. Der Verein "aktiv 55plus" will hier Abhilfe schaffen.

Mal die Treppe putzen, das Waschbecken wischen, die Bügelwäsche erledigen - Tätigkeiten, die für einen gesunden Menschen problemlos zu schaffen sind. Wer aber pflegebedürftig, krank oder aus finanziellen Gründen nicht dazu in der Lage ist, ist dankbar für die Unterstützung durch eine Haushaltshilfe. Nur ist das Angebot an solchen Hilfen in Radevormwald und im gesamten Oberbergischen Kreis mehr als dürftig.

"Wir bekommen sehr häufig Anfragen mit der Bitte um Unterstützung im Haushalt", bestätigt Kyra Springer vom Trägerverein "aktiv55plus". Diese Anfragen kämen von Bürgern, die diese Hilfen nicht über die Pflegeversicherung finanzieren können, weil der ihnen zustehende Betrag bereits ausgeschöpft ist oder weil sie nicht über einen sogenannten Pflegegrad verfügen - "das heißt, es liegt keine anerkannte Pflegebedürftigkeit vor", sagt Kyra Springer. Leider sei "aktiv55plus" derzeit nicht in der Lage, eine Lösung anzubieten, da schlichtweg keine Personen oder Unternehmen bekannt seien, die diese Arbeiten in Rade übernehmen. "Wir sind keine Arbeitsvermittlung", sagt sie.

Dabei sei die Anmeldung eines Beschäftigungsverhältnisses bei der Minijob-Zentrale völlig unkompliziert. Gleiches gelte für die Anmeldung eines Gewerbes beim Ordnungsamt. Der Trägerverein gebe aber nicht auf, auch in Kooperation mit dem Kreis, Lösungen für die Hilfebedürftigen zu finden. "Denn die demografischen Daten lassen ahnen, dass die Nachfrage steigen wird", sagt Kyra Springer.

Das hat auch Harald Klotz, Abteilungsleiter für den Bereich Pflege und stellvertretender Leiter im Amt für soziale Angelegenheiten, erkannt. "Wir sehen kreisweit einen enormen Bedarf und finanzieren als Kreis auch selber Haushaltshilfen", sagt er. Zurzeit gebe es zwei Varianten - entweder melden Bürger ihren Hilfebedarf bei der Minijob-Zentrale ganz offiziell an, dann zahlt der Kreis zehn Euro pro Stunde für diese Kraft - plus die Sozialversicherungsbeiträge. "Es ist aber zurzeit ungemein schwierig, Menschen zu finden, die in einen fremden Haushalt gehen, um dort zu helfen", sagt Klotz.

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Zum anderen gibt es verschiedene gewerbliche Anbieter, bei denen der Stundensatz bei 18 Euro liegt. Der Kreis hat alle Anbieter auf seiner Internet-Seite aufgelistet, aber gerade für den Nordkreis mit Radevormwald, Hückeswagen und Wipperfürth ist das Angebot sehr dürftig. Von flächendeckend könne da nicht die Rede sein. Deshalb stelle sich immer wieder die Frage, wie die Haushaltshilfen attraktiver gemacht werden können. "Wir versuchen es auf verschiedenen Wegen, zum Beispiel mit einem Kontakt über die Caritas und Personen, die dort an Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen", sagt Klotz. Hier werde nach Menschen gesucht, die vielleicht ein Gewerbe anmelden würden, was aber eben nicht jedermanns Sache sei. "Denn der Stundensatz ist mit zehn Euro halt doch sehr gering", gibt Klotz zu bedenken. Der Kreis müsse stets abwägen zwischen der Verwendung öffentlicher Gelder und einer angemessenen Bezahlung. "Zehn Euro sind halt nicht super attraktiv, und insofern müssen wir uns auch fragen, ob zehn Euro noch zeitgemäß sind", sagt er.

Vor allem vor dem Hintergrund, dass das Interesse an Haushaltshilfen immer weiter sinke. Klotz glaubt aber auch, dass viele Menschen gar nicht wissen, dass sie ein Gewerbe anmelden können, um Haushaltshilfen zu übernehmen. Immerhin liege der gesetzliche Mindestlohn zurzeit bei 8,84 Euro. Und der Kreis garantiere die zehn Euro.

Organisiert werde das Prozedere über die Pflegeberatungen vor Ort, in Rade über "akiv55plus". Signalisiert jemand Bedarf, werde der Trägerverein aktiv und überprüfe den Bedarf vor Ort. Dabei gehe es um ganz klassische Dinge im Haushalt: Einkauf, Putzen, Wäsche- Im Schnitt würden die Haushaltshilfen vier bis sechs Stunden pro Woche zum Einsatz kommen. Maximal seien aber auch acht bis zehn Stunden möglich.

Klotz weiß, dass es nicht nur um Menschen geht, die Sozialhilfe beziehen, sondern auch um einige, die zwar nicht mehr beweglich im Haushalt sind, aber sehr wohl finanziell gut aufgestellt sind. "Auch die müssen wir beachten, aber da gibt es dann auch eine Prüfung vor Ort", sagt Klotz.

(RP)
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