Traditionsbäckerei in Radevormwald schließt Ende Juni

Bäckerei in Radevormwald : Mit Bremicker geht ein Stück Heimat

Bremickers Backstube schließt am Ende des Monats. Den Radern wird das beste Schwarzbrot der Stadt fehlen.

Wer in Radevormwald aufgewachsen ist, kennt die Innenstadt nur mit Bremickers Backstube. Die Adresse für das beste Schwarzbrot, die saftigsten Rosinenstuten und die frischesten Brötchen war auch immer die Anlaufstelle für einen netten Plausch, denn Bremickers Backstube ist ein echtes Familienunternehmen. Jetzt ist das Ende der Familientradition, die 1870 ihren Anfang in Herbeck hatte, absehbar. Am Samstag, 29. Juni wird Christian Bremicker das letzte Mal mit seinen Mitarbeitern die Filialen öffnen und sich von seinen Kunden verabschieden.

Die vergangenen Wochen waren für ihn anstrengend, denn das Team ist immer kleiner geworden, aber die Arbeit in der Backstube nicht weniger. „Ich arbeite zwölf bis 14 Stunden am Tag und muss sagen, dass ich mich unter diesen Umständen auf das Ende des Monats freue. Allerdings ist die Schließung auch für mich schwer, und das geht meiner ganzen Familie so“, sagt der Bäckermeister. Den Entschluss zu fassen, die Backstube für immer zu schließen, ist ihm nicht leicht gefallen. Die eigene Belastung wurde in den Jahren allerdings immer größer. Obwohl Christian Bremicker selber ausgebildet hat, fehlt ihm das richtige Personal. „Der Fachkräftemangel hat uns hart getroffen. Man findet keine engagierten Bäckermeister mehr. Auch das Verkaufspersonal lässt nach. Wenn meine Backwaren nicht richtig an den Kunden gebracht werden, kann ich noch so gut backen, der Verkauf ist extrem wichtig.“ Die Mitarbeiter, die über Jahre bei der Familie Bremicker gearbeitet haben, gehören zu einem kleinen Kreis von geschultem Personal, für das es allerdings kaum Nachwuchs gibt. Christian Bremicker ist froh, dass alle seine Mitarbeiter vermittelt werden konnten: „Einige gehen in Rente, andere haben bereits andere Stellen.“

Vor einigen Wochen hat er die erste Filiale an der Elberfelder Straße bereits an eine italienische Familie übergeben, auch für die Bäckerei an der Bahnmeisterei gibt es einen Nachfolger. Die Landbäckerei Bauer aus Hückeswagen wird diesen Standort übernehmen. Für die Filiale in der Innenstadt gibt es noch keine Perspektive.

Dennis Schäfer unterstützt Christian Bremicker seit drei Jahren in der Backstube. Mit ihm hat der Bäckermeister nicht nur einen Profi an seiner Seite, sondern auch einen Jugendfreund. Die beiden Bäcker sind aber auch junge Familienväter, die ihre kleinen Kinder kaum zu Gesicht bekommen. „Wir kennen uns seit 32 Jahren und können uns aufeinander verlassen. Wir haben auch überlegt, uns gemeinsam etwas Neues aufzubauen, aber das hat sich erstmal zerschlagen.“ Wie es für Christian Bremicker, der auch Theologie studiert hat, beruflich weitergeht, steht noch nicht fest. Er braucht nach der Schließung erst eine Verschnaufpause. Bis es soweit ist, muss noch viel erledigt werden. „Die Backstube im Industriegebiet muss leer geräumt werden. Das ist nicht nur eine logistische Aufgabe, wir suchen auch Abnehmer für unsere riesigen Geräte.“ Einige Rohstoffe der Bäckerei wird unter anderem die Landbäckerei Fischer aus Radevormwald übernehmen.

Von seinen Kunden gab es seit Bekanntmachung der Schließung zahlreiche Rückmeldungen. „Einige hatten Tränen in den Augen und vermissen unser Brot jetzt schon. Da fühle ich mit. Unsere Rezepte sind ein echtes Kulturgut, das jetzt verloren geht. Das tut schon weh“, sagt der Bäckermeister. Diese Woche hat er das vorletzte Schwarzbrot in seiner Backstube gebacken.