Talsperre bei Radevormwald hat sehr niedrigen Stand

Talsperre bei Radevormwald: Wuppersperre mit sehr niedrigem Stand

Auch nach dem Herbstbeginn hat das Wetter wenig Niederschläge gebracht. Die Sperre musste viel Wasser an die Wupper abgeben. Mit einer Knappheit, wie sie schon im Sauerland herrscht, ist nicht zu rechnen.

Wer in diesen Tagen die Wupper-Talsperre besucht, bekommt Dinge zu sehen, die normalerweise unter Wasser liegen. Neben der Kräwinklerbrücke hebt sich inzwischen eine veritable Halbinsel aus dem Wasser, und nicht weit davon ist das Wrack eines Lieferwagens aufgetaucht. Wem das leicht gruselig vorkommt, der kann sich beruhigen. „Dieses Fahrzeug wurde wegen einer Übung in der Sperre deponiert“, erklärt Susanne Fischer, Sprecherin des Wupperverbandes. Taucher hatten mit dem Wrack einen Rettungseinsatz nachgestellt.

Dennoch machen sich viele Radevormwalder über den niedrigen Stand der Talsperre Gedanken. Sie hat ein Fassungsvermögen von rund 27 Kubikmetern, derzeit liegt der Füllstand bei nur noch acht Kubikmetern. Die Hänge des einst überfluteten Tals sind deutlicher zu sehen als sonst. Tauchen gar am Ende wieder Gebäude der versunkenen Ortschaft Kräwinkel aus den Fluten auf? „Ich glaube, so viel Gebäude dürften nicht mehr da sein“, sagt Susanne Fischer.

Dass die Situation ungewöhnlich ist, räumt sie allerdings ein. „Die Sperre musste eine Menge Wasser an die Wupper abgeben“, erläutert sie. Dass das Gewässer komplett trocken fällt, ist allerdings nicht zu erwarten. „Das Einzugsgebiet ist das größte der Talsperren, so dass sie sich nach Einsetzen der Niederschlagsperiode schnell wieder füllen wird.“

Für bergische Verhältnisse waren die vergangenen Monaten ungewöhnlich sonnig. „Viele Tage hintereinander waren regenfrei, so fiel zum Beispiel in der Zeit vom 14. bis 20. September fast kein Regen, ebenso vom 25. bis 30. September. Der nasseste Tag des Monats war der 23. September“, teilt der Wupperverband mit.

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Nun werden sich manche Bürger die Frage stellen, ob bei diesem trockenen Wetter nicht Wassermangel droht. Im Sauerland, also nicht allzu weit entfernt, ist das schon eingetreten. In einigen Dörfern wird das Trinkwasser knapp, denn die Quellen führen nicht mehr genug Wasser. Größere Wasserwerke müssen einspringen. Betroffen sind zurzeit drei Ortschaften bei Schmallenberg, drei im Kreis Olpe und eine in Wittgenstein.

Susanne Fischer kann die Bürger beruhigen. Die Dhünn-Talsperre, aus der unter anderem Radevormwald sein Wasser bezieht, ist so gut gefüllt, wie seit Jahren nicht mehr. Der Füllstand liegt bei 66 Prozent. „Im Winter und Frühjahr hatten wir viele Niederschläge“, berichtet die Sprecherin des Wupperverbandes. So waren die Trinkwassersperren für den warmen Sommer gut gerüstet. Auch die Bever-Talsperre, die freilich kein Trinkwasser liefert, ist mit 75 Prozent zurzeit ausreichend mit Wasser versehen. „Sie bewegt sich nun in dem Füllbereich, der ab November ohnehin für den Hochwasserschutzraum freigehalten werden muss.“

Wer sich die „Halbinsel“ und das Autowrack an der Kräwinklerbrücke anschauen möchte, sollte das am besten an diesem Wochenende tun. Sie könnten bald wieder verschwunden sein. Denn ab der nächsten Woche soll herbstliches Regenwetter einsetzen.

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