Streit im Rat um neues Baugebiet in Radevormwald

Umstrittenes Baugebiet in Radevormwald : Karthausen nimmt erste Hürde im Rat

Teils kuriose, teils aggressive Szenen gab es am Dienstag im Rat, bevor ein Beschluss zum Baugebiet Karthausen fiel. Die Verwaltung kann nun das Verfahren einleiten. Zuvor hatten Bürger ihren Unmut über das Vorhaben artikuliert.

Eine lange, teils verworrene Diskussion im Rat brauchte es am Dienstag, bis das vorläufige Ergebnis zum geplanten Baugebiet Karthausen vorlag: Die Stadt wird die Einleitung des Bauleitplanverfahrens für die Bauabschnitte 1 und 2 vorbereiten. Langfristig ist auch ein dritter Bauabschnitt angedacht.

Dass Karthausen das große Thema der Sitzung werden würde, merkten Besucher der Sitzung schon am Transparent „Karthausen bleibt Natur“, dass zwei Mitstreiter von Ratsmitglied Fritz Ullmann (Linkes Forum) vor dem Eingang zum Bürgerhaus entrollt hatten. Als sie das Transparent mit ins Gebäude nehmen wollten, kassierte es der Hausmeister ein. Ullmann brachte dies in wütender Weise in der Sitzung zur Sprache und forderte ungewöhnlich aggressiv, das Transparent müsse sofort zurückgegeben werden. Wie sich herausstellte, war das längst geschehen. Es blieb nicht der einzige kuriose Moment der Sitzung.

Unter dem Tagesordnungspunkt Einwohnerfragen kamen mehrere Gegner des Baugebietes zu Wort, darunter auch Ruth Hoffmann von den „Rader Perlen“. Erneut warfen die Kritiker der Verwaltung vor, den Bürgern nicht die Wahrheit über die Pläne gesagt und Alternativen zu Karthausen nicht weiter verfolgt zu haben. „Diese Pläne sind doch Gigantismus“, meinte Anwohner Thomas Schaab. Und Celine Pauly fragte den Bürgermeister, wie er diese Naturzerstörung im großen Stil verantworten könne. Und wo stünden Ausgleichsflächen zur Verfügung?

Ebenfalls angesprochen wurden die Alternativen zu Karthausen, vor allem der Bereich Nadelsiepen. Bürgermeister Johannes Mans versicherte: „Ein Kauf von Nadelsiepen und anderen Flächen war damals nicht spruchreif.“

Mans erklärte, manche Vorwürfe seien schlicht nicht wahr. Auch sei es durchaus nicht das Ziel der Verwaltung, um jeden Preis Landschaft zu zerstören. Im Laufe des Verfahrens würden noch mehrere Behörden die Umweltverträglichkeit der Planung prüfen.

Der Bürgermeister bekräftigte seine Meinung, dass die Bebauung für die Entwicklung von Radevormwald nötig sei: „Wir sehen die Chance, die gesunde Struktur unserer Stadt zu stärken.“ Auch Gerd Uellenberg, Ortsvorsitzender der CDU, unterstützte diesen Standpunkt. Zugleich bezeugte er den Gegnern des Vorhabens Respekt für ihren Einsatz.

Doch wird die neue Siedlung wirklich Gutes für Rade bewirken? Gerade das bezweifeln die Skeptiker, zu denen im Radevormwalder Rat die Fraktionen der Grünen, der Alternativen Liste und der Unabhängigen Wähler-Gemeinschaft zählen. Diese Ratsmitglieder verwiesen erneut darauf, dass Karthausen für den Einzelhandel in Rade nichts bewirken werde – weitaus wahrscheinlicher sei, dass die neuen Bewohner zum Einkaufen nach Lennep fahren würden, wo manche Lebensmittelmärkte bis tief in die Nacht geöffnet haben. Genau in diese Kerbe hatte Ruth Hoffmann gehauen, als sie erklärte, die Siedlung werde wegen ihrer Lage an der westlichen Peripherie Kaufkraft aus der Rader Innenstadt abziehen. Auf Hoffmanns Frage, wie die Neubürger am Rande der Stadt an Rade gebunden werden könnten, antwortete Mans: „Wir haben mehr als 120 Vereine in unserer Stadt. Ich setze darin große Hoffnungen.“

Bis der Beschlussentwurf der Verwaltung eine Mehrheit erhielt, musste zunächst eine Phalanx an Anträgen besprochen und abgestimmt werden, die von der AL, der SPD, der UWG und der Radevormwalder Unabhängigen Alternative (RUA) gestellt worden waren. Das Stimmverfahren (inklusive einer geheimen Abstimmung) erwies sich als so kompliziert, dass am Ende auch manche Ratsmitglieder durcheinander kamen. Für Heiterkeit sorgte Bernd-Eric Hoffmann, Fraktionsvorsitzender der UWG, als er einräumen musste, dass der eigene Antrag mehr oder weniger den gleichen Inhalt wie jener der AL-Fraktion habe – gegen den er selber eben noch votiert hatte. „Jetzt werden Sie unglaubwürdig!“, meinte Petra Ebbinghaus (AL).

Auch wenn die Verwaltung nun ein Votum der Ratsmehrheit erhalten hat, dürfte die Auseinandersetzung um Karthausen noch lange nicht beendet sein. Fritz Ullmann kündigte an, nun werde man „außerparlamentarisch“ gegen das Baugebiet vorgehen.

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