Sportlegende aus Radevormwald hört in Berlin auf

Hochsprung-Legende : Wolfgang Killing schlägt eine neue Seite auf

Die Leichtathletik-Legende aus Radevormwald geht in Berlin in den Ruhestand. Dem Hochsprung will er jedoch weiter treu bleiben.

Die berühmtesten Sportler Radevormwalds? Wer sie finden möchte, muss sich aufs Fahrrad setzen und in die Telegrafenstraße zum Kollenberg fahren. Dort hängen die Olympioniken großformatig an einer Hauswand: Heide Rosendahl, die Leichtathletik-Olympiasiegerin von München 1972, die Kanuten Hartmut und Wolfram Faust, der Radfahrer Wilfried Trott und der Hochspringer Wolfgang Killing.

Nach seiner aktiven Karriere beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) hat Killing eine beachtliche Laufbahn hinter sich gebracht – und wird am kommenden Wochenende in Kienbaum (bei Berlin) auf der Spitzensporttagung des DLV in den Ruhestand verabschiedet. 50 Jahre hat der Radevormwalder in seiner Sportart zugebracht. „Das Engagement hat sich gelohnt“, sagt der inzwischen 65-Jährige, „die Arbeit in der Leichtathletik hat mir viel Freude bereitet“. Killing hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Der promovierte Sport- und Sozialwissenschaftler war in den 1970er Jahren einer der weltbesten Hochspringer. Mit 15 Jahren hatte er beim TSV Schwarz-Weiß Radevormwald angefangen mit Leichtathletik und wechselte ein Jahr später zum Barmer TV Wuppertal, wo er mit einer Sprunghöhe von 1.64 Meter loslegte. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere war er mit 2.28 Meter Hallen-Europarekordler. Bei den Hallen-Europameisterschaften 1978 in Mailand holte er sich in einem legendären Wettkampf die Bronzemedaille. Der Sowjetrusse Wladimir Jatschenko war mit einem sensationellen Weltrekord von 2,35 Meter der Szene „entrückt“. Der DDR-Springer Rolf Beilschmidt (Jena) war mit 2,29 Meter zwischenzeitlich Weltrekord gesprungen. „Ich hatte als erster mit 2,27 Meter die bis dahin größte Höhe in einer Meisterschaft geschafft und auf noch mehr als Bronze gehofft“, erinnert sich Killing an diese Hochsprung-Sternstunde. Zudem verbesserte er fünfmal den deutschen Hallenrekord im Hochsprung. „Wolfgang Killing war ja ein relativ kleiner Athlet, ein im positiven Sinne hochsprungverrückter Springer“, sagt der damalige Rivale Beilschmidt im Rückblick.

Die Begeisterung für den Hochsprung und die Leichtathletik nahm Killing nach seinem Karriereende 1988 in seine berufliche Tätigkeit mit. Er wurde Bundestrainer und begleitete Hochsprung-Generationen. Olympiasieger Dietmar Mögenburg (Bayer Leverkusen), Hallen-Europarekordler Carlo Thränhardt (ASV Köln) und Gerd Nagel (Eintracht Frankfurt). „Das waren Legenden“, hebt Wolfgang Killing dieses Trio noch einmal hervor. Ralf Sonn (Weinheim), Wolfgang Kreissig (Mannheim), Hendrik Beyer (Leverkusen) gehörten dazu, und auch der einzige deutsche Hochsprung-Weltmeister Martin Buss (Berlin). Die 90er Jahre erlebten eine Hoch-Zeit mit einer ganzen Fülle von Hochsprung-Meetings in Deutschland. Killing selber organisierte in Wuppertal ein internationales Hallen-Meeting für Hoch- und Stabhochsprung.

Killing hat als Wissenschaftler immer auch ein tiefer gehendes Interesse an seinem Sport. Schon in den 60er Jahren faszinierte ihn die Umstellung vom Straddle auf den „Fosbury-Flop“, den der Amerikaner Dick Fosbury einführte und damit 1968 die Goldmedaille in Mexiko gewann. Killing experimentierte im heimatlichen Heuschober mit dieser neuen Technik, und hatte später ebenfalls Erfolg damit.

Nach fast 20 Jahren als Bundestrainer mit dem Adler auf der Brust, wechselte Killing nach Mainz und wurde dort als Leiter der DLV-Trainerschule eingestellt und später zum Direktor der DLV-Trainer-Akademie ernannt. Hier ging er in seiner vielseitigen Tätigkeit auf. Killing systematisierte aus dem Nachlass der legendären Toni Nett und Berno Wischmann das deutsche Trainer-Knowhow, organisierte die Trainerausbildung. Allein rund 300 A-Trainer und 20 Diplomtrainer absolvierten bei Killing ihre Ausbildung. Seit 2014 bildete er in Mainz, Köln und Kienbaum auch internationale Trainer aus. „Wolfgang Killing war ein international geschätzter Fachmann im Bereich der Lehrarbeit“, betont Fred Eberle (Schwäbisch Gmünd), der jahrelang das ehrenamtlich Pendant zu Killing war. „Wolfgang Killing war m Bereich der Lehrarbeit eine lebende Legende“, zollt ihm Eberle höchstes Lob. Killings Erfahrung und Kontakte schlugen sich bei Vorträgen in zahlreichen Ländern nieder. Er trug die deutsche Trainer-Lehre in die Welt hinaus.

Zahlreiche Publikationen machten ihn bekannt. Die Rahmen-Trainingspläne, die er geschrieben hat, sind das Kernstück seiner Arbeit gewesen. „Wolfgang Killing war sehr innovativ im Bereich der Lehre, er war ein Glücksfall für die deutsche Leichtathletik“, würdigt Clemens Prokop, DLV-Ehrenpräsident, den scheidenden Akademie-Leiter. Man wird den Radevormwalder aber auch weiterhin an den Hochsprunganlagen sehen.

Ein neues Projekt in seiner Heimatstadt hat Wolfgang Killing bereits im Blick: die Gründung einer Leichtathletik-AG im Ganztag des Theodor-Heuss-Gymnasiums.

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