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Sorge um die ärztliche Versorgung in Radevormwald

Ärzteversorgung in Radevormwald : Arzt in den Wupperorten hört auf

Martin Siebert übernahm vor vier Jahren die Praxis seines Vorgängers Wolfgang Lohmann. Nun sucht er einen Nachfolger. Das schürt Sorgen, wie es künftig mit der medizinischen Versorgung aussehen könnte.

Armin Barg macht sich Sorgen: Die Wupperorte könnten in absehbarer ein Problem mit der ärztlichen Versorgung bekommen. „Wir haben zurzeit zwei Allgemeinmediziner hier vor Ort“, berichtet der Sprecher des Bürgervereins für die Wupperorte. Einer der Mediziner habe ihm nun mitgeteilt, er suche für seine Praxis einen Nachfolger. „Und der andere praktische Arzt vor Ort ist inzwischen im vorgerückten Alter“, gibt Armin Barg zu denken.

Dr. Martin Siebert, der seine Praxis an der Keilbecker Straße hat, bestätigt, dass er sich beruflich verändern möchte und einen Nachfolger sucht. „Zum 30. September werde ich die Praxis abgegeben haben“, sagt er. Am 1. April soll dies in der Ärztezeitung veröffentlicht werden. Derzeit führe er viele Gespräche über eine Nachfolgeregelung, auch mit Bürgermeister Johannes Mans habe er sich über dieses Thema  ausgetauscht. Die gute Nachricht: Es gebe Interessenten für die Praxis, allerdings noch keine konkreten Ergebnisse.

Was Einwohner wie Armin Barg umtreibt, ist die Tatsache, dass die Uhr tickt, falls es mit einer Nachfolgeregelung im Falle dieser Arztpraxis nicht klappen sollte. Denn dann würde die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein diesen „Kassensitz“, wie es offiziell heißt, nicht weiter besetzen. Das heißt: Eine Arztstelle in den Wupperorten wäre dauerhaft weg.

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„Radevormwald gilt als überversorgt, was die Ärztedichte angeht“, erläutert Martin Siebert. Dass die Wupperorte ein gutes Stück von der Stadt entfernt liegen, spiele dabei leider keine Rolle. „Die Ortschaften gehören nun einmal zu Rade.“ In diesem Punkt sei man bei der Kassenärztlichen Vereinigung „ziemlich stoisch“, kommentiert der Mediziner.

Die möglichen Folgen liegen auf der Hand. Viele Menschen, vor allem ältere Bürger, müssten dann aus dem Tal der Wupper nach Radevormwald fahren (oder sich fahren lassen), um sich regelmäßig beim Hausarzt versorgen zu lassen. Genau das ist es, was Armin Barg und seinen Mitstreitern vom Bürgerverein Kopfzerbrechen bereitet. „Überversorgt ist höchstens Radevormwald selber“, meint Barg. Für die Wupperorte gelte das nicht.

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein bestätigt man zwar, dass der Kassensitz „theoretisch“ wegfallen könnte. Allerdings breche man so eine Entscheidung nicht übers Knie, versichert KVNO-Sprecher Christoph Schneider. „Wir schauen uns die Auslastung der Praxis an und ob sie aus bestimmten Gründen erhaltenswert ist.“ Die übliche Frist, bis ein Nachfolger für eine Arztpraxis gefunden werden sollte, beträgt sechs Monate. „Es sind aber auch Fristverlängerungen möglich“, sagt Schneider.

Vor vier Jahren hatte Martin Siebert, damals 50 Jahre alt, die Praxis an der Keilbecker Straße übernommen, von seinem Vorgänger Dr. Wolfgang Lohmann. Im Ort war man froh, dass die Praxis weiter existierte. Für den neuen Arzt war es zudem eine Rückkehr zu den Wurzeln – er wurde in Wuppertal geboren, wuchs in Solingen auf und absolvierte zunächst in Remscheid eine Lehre zum Zimmermann. Eigentlich als Lungenfacharzt ausgebildet, ließ er sich in den Wupperorten als Internist nieder. Das Team seines Vorgängers übernahm er und kommentierte in der BM: „Ich hoffe, dass wir jetzt hier gemeinsam alt werden.“ Dazu kommt es nun nicht.