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So diszipliniert sind die Radevormwalder

Corona-Krise in der Bergstadt : So diszipliniert sind die Radevormwalder

Der Krisenstab der Stadt zieht eine Bilanz der ersten Woche der Kontaktsperre. Die Einwohner zeigten sich in der neuen Situation vernünftig.

Seit Anfang der Woche gilt eine Kontaktsperre in NRW, mit verschärften Maßnahmen gegen jene, die gegen die Regeln zum Schutz vor dem Coronavirus verstoßen. Der Krisenstab der Radevormwalder Stadtverwaltung hat am Freitag eine erste Bilanz gezogen: Die Einwohner verhalten sich im Großen und Ganzen vernünftig. „Wir mussten bislang keine Bußgelder verhängen“, sagt der Leiter des Ordnungsamtes, Jochen Knorz. Zu Beginn habe man sich bei den Kontrollen auf den gewerblichen Bereich konzentriert, auch hier seien fast alle Akteure verständnisvoll gewesen, was die Sicherheitsmaßnahmen angeht. Nur in einem Fall, berichtet Knorz, sei die Diskussion etwas intensiver verlaufen. Um all diese Aufgaben zu meistern, sei das Ordnungsamt vorübergehend durch acht Mitarbeiter aus anderen Verwaltungsbereichen verstärkt worden.

Bürgermeister Johannes Mans stimmt sich in der aktuellen Lage zwei bis drei Mal pro Woche per Telefonkonferenz mit Landrat Jochen Hagt und den Bürgermeistern der anderen Kommunen im Kreis ab. In Marienheide wurde vom Kreis ein leerstehendes Gebäude angemietet, um Kapazitäten für Notfälle zu haben.

Jochen Knorz ist Leiter des Ordnungsamtes. Foto: Hogekamp, Lena (hoge)

Auch die Radevormwalder Verwaltung hatte nachgefragt, ob es nötig sei, Ausschau nach solchen Immobilien zu halten. Derzeit, so habe es beim Kreis geheißen, sei dies nicht geboten. Für Mans ist es wichtig, dass alle Kommunen im Kreis mit einer Stimme sprechen: „Die Menschen sollen nicht dadurch verunsichert werden, dass in den einzelnen Kommunen verschiedene Maßnahmen getroffen werden.“ Allerdings solle nicht der Eindruck entstehen, dass sich die Verwaltung derzeit nur noch mit dem Thema Corona beschäftige. „Andere Projekte bleiben nicht auf der Strecke“, versichert Mans. So weit möglich, sind viele Mitarbeiter der Stadt im Homeoffice – jene, die noch vor Ort arbeiten, wurden so auf die Büros verteilt, dass der empfohlene Abstand eingehalten werden kann. Das Rathausgebäude ist nur in dringenden Fällen zu betreten. Ab Montag wird auch der Haupteingang geschlossen sein, geöffnet bleibt der Seiteneingang zum Service-Center. Bürgermeister, Ordnungsamtsleiter und andere Mitarbeiter haben in den vergangenen Tagen viele Gespräche mit Bürgern geführt. „Die Menschen fragen beispielsweise, ob und mit wem sie spazieren gehen können“, berichtet Jochen Knorz. Manche Einwohner machten auch ihrem Ärger über unverschämte Hamsterkäufe in den Lebensmittelmärkten Luft.

Eine besondere Bitte haben die Mitglieder des Krisenstabes: „Noch immer sehen wir viele Senioren, die in der Stadt unterwegs sind“, berichet Jochen Knorz. Nun handelt es sich bei älteren Menschen bekanntlich um eine Personengruppe, die besonders durch das Virus gefährdet ist. Daher der Appell der Verwaltung: Wenn möglich, sollten die älteren Mitbürger bei Einkäufen und anderen Besorgungen auf die Hilfe von Verwandten, Nachbarn oder den aktuellen Hilfsdiensten zurückgreifen, um sich nicht unnötig in Gefahr zu bringen.

Radevormwalds Bürgermeister Johannes Mans. Foto: Jürgen Moll/Jürgen Moll (Archiv)

Die Stadt hat auf ihrer Internetseite www.radevormwald.de umfassend dokumentiert, welche Ansprechpartner zur Corona-Krise bereitstehen. Das betrifft nicht nur Hilfen bei Einkäufen, sondern auch Beratung bei finanziellen Problemen oder familiären Sorgen. Zudem wird auf der Internetseite regelmäßig und aktuell über die Entwicklung der Corona-Epidemie in der Region berichtet.