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Schüler demonstrieren in Radevormwald gegen "Elterntaxis"

Demonstration in Radevormwald : Schüler machen die Hermannstraße dicht

Die Jugendlichen setzen ein Zeichen für eine andere Klimapolitik und gegen die tägliche Belastung der Straße durch „Elterntaxis“.

Vanessa (12) hält ein Transparent hoch: „Don’t talk - walk“ steht darauf. Es ist das Motto der Demonstration, die sich an diesem Morgen, kurz vor Schulbeginn, an der Einmündung der Hermannstraße in die Kaiserstraße formiert. Rund tausend Kinder und Jugendlichen der weiterführenden Schulen in Radevormwald wollen dafür sorgen, dass heute keine „Elterntaxis“ in die Straße fahren. Zugleich setzen sie ein Zeichen für eine andere Klimapolitik. Und so kann man Vanessas Transparent auf zwei Weisen interpretieren: „Es ist Zeit für Protestmärsche und nicht für Phrasen.“ Oder: „Lieber mal zu Fuß zur Schule gehen, als sich immer von den Eltern fahren lassen.“

Gegen 7.45 Uhr ist die Straße so dicht mit Schülern gefüllt, dass selbst Fußgänger kaum noch durchkommen. Für alle Fälle haben Polizei und Ordnungsamt, die mit sechs Personen vor Ort sind, eine Sperre aufgestellt. Das befürchtete Verkehrschaos auf der Kaiserstraße bleibt aus. „Ein paar Eltern mussten wir zwar weiter schicken“, sagt Uwe Elias, Leiter der Polizeiwache Wipperfürth. „Doch beschwert hat sich keiner.“

Sandra Pahl, Leiterin der Sekundarschule, berichtet: „Einige Eltern haben ihre Kinder schon um 7 Uhr abgesetzt.“ Aber wenn nur einige ins Nachdenken kämen, habe sich die Aktion schon gelohnt, meint sie.

Die Idee zu der Demonstration entstand in den Schülervertretungen. Was treibt die Jugendlichen an? „Wir möchten, dass die Kinder zu Fuß gehen und nicht gebracht werden“, sagt Vanessa. Die chaotischen Zustände, die vor Schulbeginn und nach Schulschluss in der Hermannstraße herrschen, sind seit längerem bekannt. „Ich bin schon einmal in eine gefährliche Situation gekommen“, sagt Lainy, die wie Vanessa die Sekundarschule besucht. Die meisten Erwachsenen reagierten mit Verständnis auf die Aktion. Laura (13) sagt allerdings: „Mir hat jemand gesagt, damit würden wir nichts ändern.“

Die Stimmung ist auf jeden Fall toll. Manche Schüler haben sich kostümiert wie zu Karneval. Musik wird gespielt, ein Schüler fordert die Politik mit einem Megafon auf, die klimaschädliche Kohleförderung zu stoppen. Sandra Pahl freut sich, dass die Schulen des Rader Schulzentrums diese Aktion zusammen auf die Beine gestellt haben. Wie sahen die Reaktionen der Eltern aus? „Einer hat sich beschwert und gesagt: Die Schüler sollen lieber was lernen. Aber heute Morgen lernen sie sehr viel.“ Außerdem wird, im Gegensatz zu den „Fridays for Future“-Demos in anderen Städten, kaum Unterrichtszeit geopfert. „Wir werden natürlich nicht sofort zur Tagesordnung übergehen, sondern über die Demo sprechen“, sagt Sandra Pahl.

Die überraschendste Reaktion sei von einer Mutter gekommen, erzählt Pahl. „Sie rief mich an und sagte: Meine Kinder fahren normalerweise mit dem Bus zur Schule. Aber damit sie pünktlich zu Demo kommen, fahre ich sie heute mit dem Auto hin.“

Auch Bürgermeister Johannes Mans ist erschienen, ebenso Petra Ebbinghaus (Alternative Liste), Annette Pizzato (FDP) und Bernd Bornewasser (Bündnis 90/Grüne). Sie alle finden gut, was die Schüler hier auf die Beine gestellt haben. Der Bürgermeister postet später auf Facebook: Es war schön zu sehen, wie die Hermannstraße als „sicherer“ Schulweg auch aussehen kann!“

Nach 8 Uhr machen sich die Schüler zurück auf den Weg in ihre Klassenräume. Gegenüber der Sekundarschule haben Anwohner eingroßes Schild befestigt – „DANKE“ steht darauf.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So demonstrierten Rader Schüler gegen Elterntaxis