Radevormwald: Schenkung aus Köln fürs Zweirad-Museum

Radevormwald: Schenkung aus Köln fürs Zweirad-Museum

Hermann Beckers Vater war Generalvertreter für Bismarck-Fahrräder. Der 72-Jährige hat dem Museum in Rade nun mehrere Ausstellungsstücke geschenkt, darunter ein Unikat. Die Interessengemeinschaft hat bereits neue Pläne.

Von seinem Vater sagt Hermann Becker: "Bismarck war sein Leben." Gemeint ist nicht der eiserne Kanzler (jedenfalls nur indirekt), sondern jenes Werk, das bis 1957 in Bergerhof Zweiräder herstellte. Die Geschichte dieser Firma dokumentiert seit zwei Jahren das Museum "IG Bismarck Zweiräder". Seither wächst die Sammlung in der Schlossmacher-Galerie, und dank Hermann Becker aus Köln sind wieder drei Stücke hinzugekommen.

"Mein Vater, der auch Hermann hieß, hatte in Köln eine Fahrradgroßhandlung und war Generalvertreter für Bismarck-Räder", erzählt der 72-Jährige. Als die Firma in Bergerhof schloss, war das für Becker senior ein harter Schlag. "Er war richtig wütend", erinnert sich der Sohn. Und er beschloss, dass der Markenname nicht sang- und klanglos verschwinden sollte.

Auch diese Siegesplakette wurde dem Museum geschenkt. Foto: Gilsbach

So tat er sich zusammen mit Erich Volk und Emil Brüser, zwei ehemaligen Prokuristen von "Bismarck", und sie setzten am Standort Kräwinklerbrücke, wo das frühere Unternehmen Nähmaschinen gefertigt hatte, die Produktion unter dem Namen "Bismarck-Werke GmbH & Co. KG" fort - bis ins Jahr 1967. "Dann ging das Recht an dem Namen ,Bismarck' an die Firma Falter in Bielefeld über", berichtet Becker junior. "Gegen Zahlung einer Tantieme." Noch bis 1977 lebte die Marke so weiter, dann verschwand sie endgültig aus den Annalen. "Ich höre aber noch heute von Bekannten: ,Bismarck-Räder waren etwas Besonderes.' Der Mercedes unter den Zweirädern", sagt Hermann Becker.

Ihn selber hat es nicht ins Fahrradgeschäft gezogen. Er wurde Bankkaufmann. Doch als er von der "IG Bismarck Zweiräder" in Radevormwald hörte, war sein Interesse geweckt. Denn mit dem Beruf des Vaters verbinden sich viele Erinnerungen. "Ich weiß noch, wie ich mit ihm als kleines Kind von Köln nach Radevormwald gefahren bin, auf einem motorisierten Dreirad", sagt er. "Das war in den Jahren nach dem Krieg, und es gab damals ,Autospringer'-Banden, das waren Leute, die hüpften vorbeifahrenden Fahrzeugen hinten drauf und rissen Sachen heraus, die sie verhökern konnten."

Doch bei Becker senior kamen sie an den Falschen. Der Sohn muss lachen, als er erzählt: "Bei Mülheim versperrten solche Kerle uns den Weg, da hat mein Vater kräftig Gas gegeben, und die mussten rasch zur Seite springen."

  • Heimat Erleben Bismarck-Räder

Und so knüpfte der Kölner die alten Kontakte ins Bergische neu, besuchte das Museum und kam ins Gespräch mit den Mitgliedern der Interessengemeinschaft. Nun hat er die Sammlung um drei historische Fahrräder bereichert. Zwei schwarze Herrenräder aus dem Jahr 1967, die in Kräwinklerbrücke hergestellt wurden, und ein gelbes Rennsportrad von 1963. "Das ist ein Unikat", sagt Hartmut Behrensmeier von der Interessengemeinschaft.

Es wurde in der Fahrradgroßhandlung Becker präsentiert, ging aber nie in die Produktion. Und Hermann Becker hat der Sammlung noch zwei weitere Exponate beschert: ein altes Werbeplakat für Scandia-Räder, und eine Plakette für den Sieger eines Radrennens. Die zeigt das Konterfei des alten Reichskanzlers, nach dem die Firma einst benannt wurde. Die drei Räder und die kleineren Stücke sind keine Leihgaben. Hermann Becker hat sie der "IG Bismarck Zweiräder" geschenkt, und die Mitglieder - zurzeit etwa 20 Personen - sind dankbar.

Denn das Museum lebt von der Unterstützung der Bürger, und das meint nicht nur Spenden, sondern auch mögliche Ausstellungsstücke, die vielleicht jetzt noch in Kellern und Dachböden darauf warten, dass man sie wieder hervorholt und dem interessierten Publikum zeigt.

Und das Interesse besteht. Die Mitglieder der IG freuen sich jeden Sonntag über reichlich Besucher, wie Hartmut Behrensmeier versichert. Die alten Schätzchen, ob mit Motor oder ohne, üben noch immer Faszination aus. Da das Museum gut läuft, überlegen die Betreiber, wie sie ihre Aktivitäten ausweiten können. "Wir stellen derzeit einen Antrag für Mittel aus dem EU-Projekt Leader", erklärt Klaus Giesen, der bei der Wirtschaftsförderung in Radevormwald arbeitet. Angedacht ist ein "lebendiges Museum", in dem Kinder beispielsweise lernen könnten, wie man Reifen wechselt oder Motoren ausbaut. Auf 70.000 Euro würde sich der Antrag belaufen, allerdings müssen 35 Prozent Eigenanteil gestemmt werden.

Wer sich die drei neuen Fahrräder im Ausstellungsraum anschauen möchte, der hat gleich morgen, Sonntag, Gelegenheit dazu. Das Museum ist jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Eintritt wird nicht erhoben. Und zurzeit ist auch noch die Schau mit Motorrädern aus den 1950er-Jahren zu sehen. Die Vergangenheit, sie brummt.

(s-g)