Sana und aktiv55plus schließen Versorgungslücke

Ein wichtiger Schritt für Patienten in Radevormwald : Sana und aktiv55plus schließen Lücke

Das gesetzliche Entlassmanagement wird durch eine Zusammenarbeit mit dem Trägerverein ergänzt.

Seit Oktober 2017 sind alle Krankenhäuser verpflichtet, für Patienten nach voll- oder teilstationären Aufenthalten ein Entlassmanagement zu organisieren. Das soll den Übergang zwischen Krankenhaus und dem eigenem Zuhause oder der nächsten Behandlungsform vereinfachen und dem Patienten helfen sich in der neuen Situation zurechtzufinden.

Lukas Zimmermann, Referent der Geschäftsführung, gab während der Sitzung des Seniorenbeirates am Dienstag einen Einblick in das gesetzlich geregelte Entlassmanagement. „Über das Entlassmanagement wird die weitergehende Versorgung des Patienten sichergestellt. Wir kümmern uns zum Beispiel darum, dass die Medikamentenpläne angepasst oder Hilfeleistungen für den Patienten organisiert werden“, sagt Zimmermann. Der Sozialdienst des Krankenhauses, der momentan drei Mitarbeiter beschäftigt, kümmert sich innerhalb des Entlassmanagements auch um den Kommunikationsfluss zwischen Krankenhaus und Hausarzt oder um die Organisation von Terminen zu weiteren Behandlungen.

Das gesetzliche Entlassmanagement deckt die Organisation der Grundlagen ab, die den Übergang zwischen Krankenhaus und Entlassung regeln, aber nicht die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen. Dadurch entsteht für viele Patienten eine massive Versorgungslücke.

„Senioren, die keine Familienangehörigen haben, die sich um sie kümmern, sind nach der Entlassung in einer Notlage“, sagt Dr. Reinhold Hikl, Ärztlicher Direktor des Sana Krankenhauses. Er weiß, vor welchen Fragen und Hürden seine Patienten in einer solchen Situation stehen. „Sie wissen nicht, wie sie an ihre Medikamente kommen, wer ihnen den neuen Haltegriff in der Dusche anbringt oder wie sie zu ihrer Physiotherapie kommen. Die Szenarien sind vielfältig.“

Diese Versorgungslücke soll jetzt eine Zusammenarbeit zwischen Sana Krankenhaus und dem Trägerverein aktiv55plus schließen. Dr. Reinhold Hikl, der auch in dem Vorstand des Vereins sitzt, will den Drehtür-Effekt damit vermindern. „Ziel der Zusammenarbeit ist es, die Selbstständigkeit der Senioren wieder herzustellen, damit sie nicht wenige Wochen nach ihrer Entlassung wieder zurück in unser Krankenhaus müssen.“

Über einen Beurteilungsbogen stuft der Sozialdienst des Krankenhauses die Patienten ein und versucht, ihre Notlage richtig einzuschätzen. Frühzeitig wird dann Kontakt zu aktiv55plus hergestellt, damit der Verein die Entlassung begleiten kann. Über die hauptamtlichen Mitarbeiter, aber auch über Ehrenamtler sollen einzelne Maßnahmen realisiert werden. „Für unsere Mitarbeiter bedeutet das, andere Fragen als vorher zu stellen. Wir müssen den Patienten so gut kennenlernen, das wir seine Situation beurteilen können“, sagt Hikl.

Damit die vielen Aufgaben gestemmt werden können, wird aktiv55plus alle Kapazitäten und Vernetzungen, auch die zur Rader Hilfsbörse, ausschöpfen müssen. Ob die Kapazität des Vereins für diese Zusammenarbeit ausreicht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Die Vorbereitung der Zusammenarbeit hat fast ein Jahr gedauert. „Mit diesem Projekt sind wir in Radevormwald ein Vorreiter. Die Ausarbeitung des Vertrages und der Details hat dementsprechend lange gedauert“, sagt der Ärztliche Direktor.