Sana Krankenhaus fördert gendergerechte Sprache

Klinik in Radevormwald nimmt Rücksicht auf neue Regeln : Sana-Krankenhaus möchte korrekt Gender-Vorgaben umsetzen

Die Klinik in Radevormwald hat Expert/innen über den korrekten Gebrauch der Sprache eingeladen. Ziel ist es, Frauen und Männern gleichermaßen gerecht zu werden.

Das Sana Krankenhaus will „richtig gendern“ und hat diese Woche deswegen eine der Autorinnen des gleichnamigen Ratgebers nach Radevormwald eingeladen, der im Duden-Verlag erschienen ist. Die Autorin Dr. Anja Steinhauer ist Sprachwissenschaftlerin und hat zusammen mit dem Sana Krankenhaus eine Debatte um Sprache los gerüttelt, bei der Menschen, egal welchem Geschlecht sie angehören, gleich behandelt werden sollen. In Begleitung von Dr. Kathrin Kunkel-Razum, der Leiterin der Duden-Redaktion, hat sie nicht nur Mitarbeiter des Krankenhauses für das Thema sensibilisiert, sondern auch die Firma Gira und die Bürger der Stadt. Neben internen Workshops gab es Montagabend eine öffentliche Veranstaltung in der Bergischen Buchhandlung zu dem Thema.

Der Geschäftsführer des Krankenhauses Bernd Siegmund und der Ärztliche Direktor Dr. Reinhold Hikl wollen an der Sprache des Krankenhauses arbeiten und sie im Rahmen der Qualitätssicherung „gender gerechter“ formulieren. „Die meisten unserer Mitarbeiter sind weiblich und das sollte unsere Sprache abbilden“, sagt Dr. Reinhold Hikl. Mit der Hilfe der Duden-Redaktion wurde die neue Imagebroschüre des Krankenhaus überarbeitet, ohne die Texte sperrig und schlecht lesbar zu machen.

„Gender gerechte“ Sprache funktioniert laut der Duden-Redaktion nämlich auch ohne eine erhebliche Verlängerung von Texten und muss die Lesbarkeit nicht stören. „Es gibt viele Satzbausteine, die eine gender gerechte Formulierung elegant ermöglichen. Manchmal ist es aber sicherlich auch hilfreich, sowohl die männliche als auch die weibliche Form eines Wortes auszuschreiben. Die direkte Ansprache hat viel Kraft“, sagt Dr. Kathrin Kunkel-Razum. Mit Sprachzensur habe „richtig gendern“ nichts zutun.

So hat das Sana Krankenhaus aus „Patienten und Patientinnen“ die „Erkrankten“ gemacht. Für den Markenspruch des Hauses „...wo der Patient auch Mensch ist“ haben die Experten allerdings keine elegante Lösung gefunden. „An manchen Stellen gelingt es nicht, aber wir setzen ein Zeichen und zeigen den Erkrankten und unserem Team, das wir über unsere Sprache nachdenken und damit für mehr Gleichberechtigung sorgen wollen“, sagt Hikl.

Caren Runschke, Terminologiemanagerin von Gira, findet, dass Unternehmen es sich nicht leisten können, auf „gender gerechte“ Sprache zu verzichten. „Frauen haben wirtschaftliche Kraft und Firmen wollen gut ausgebildete Frauen für sich gewinnen. Deswegen muss man sie auch direkt ansprechen.“ Das generische Maskulinum steht geschlechtersensiblen Texten aus der Perspektive der Duden-Redaktion im Weg.

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