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Regionenschreiberin auch in Radevormwald unterwegs

Ganz besonderes Stipendium im Oberbergischen Kreis : Regionenschreiberin in Rade unterwegs

Ulrike Anna Bleier ist im Zuge des landesweiten Projekts „stadt.land.text“ zwei Monate entlang der historischen Straße der Arbeit unterwegs. Sie will mit den Menschen ins Gespräch kommen.

Es ist keine Premiere für das Bergische Land – wohl aber eine für den Oberbergischen Kreis. Seit Anfang März ist mit der Autorin Ulrike Anna Bleier aus Köln für zwei Monate eine Regionenschreiberin zwischen Radevormwald und Morsbach unterwegs, um sich auf dem Wanderweg „Straße der Arbeit“ in Gesprächen und Begegnungen den Menschen zu nähern. Und diese Begegnungen dann in schriftlicher Form zu veröffentlichen. „Das Projekt bietet Autoren seit 25 Jahren in den zehn Kulturregionen in NRW über Stipendien die Möglichkeit, sich schreibend den Menschen, ihren Eigenheiten und Besonderheiten und damit auch der ganzen Region an sich zu nähern“, sagt Felix Ammann, Kulturdezernent im Oberbergischen Kreis.

Zweimal, 2017 mit Dimitri Manuel Wäsch und 2020 mit Tilman Strasser, waren im Bergischen bereits Regionenschreiber unterwegs. „Dass es aber ganz speziell um den Oberbergischen Kreis geht, ist eine Premiere“, sagt Ammann. Die Ausschreibungen erfolgten deutschlandweit, sagt Meike Utke, Geschäftsführerin des Regionalen Kultur-Programms Bergisches Land, das das Projekt begleitet. „Es gab viele Bewerbungen, eine Jury hat die Regionenschreiber ausgewählt.“ Voraussetzung sei gewesen, dass man ein professioneller Autor sei und eine Projektidee mitbringe. „Im Fall von Ulrike Anna Bleier hat die Jury überzeugt, dass sie sich die Straße der Arbeit als Thema vorgenommen hat – und dass sie in ihrem Bewerbungsgespräch so begeistert und kompetent darüber gesprochen hat“, sagt Meike Utke.

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Ulrike Anna Bleier wird die nächsten zwei Monate im Oberbergischen verbringen, ehe sie für die zweite Hälfte ihres Stipendiums nach Remscheid zieht. „Ich bin bereits nach Gummersbach gezogen, ich wohne in einer alten Arbeitersiedlung“, sagt die Autorin. Sie sei „ganz begeistert“ von dieser Örtlichkeit. „In der Corona-Zeit habe ich mich aufs Wandern verlegt, um mit den Menschen draußen in Kontakt zu kommen“, sagt sie. So sei sie auch auf das Wegenetz im Oberbergischen gestoßen. „Die Wegemarkierung mit dem halbierten Mühlrad hat mich direkt angesprochen“, sagt sie. Als sie die Ausschreibung des Projekts stadt.land.text gesehen habe, sei ihr sofort klar gewesen, dass sie sich genau damit bewerben würde.

Das Ziel ihres zweimonatigen Aufenthalts sei es vor allem, die Menschen und ihre Arbeit in der Region sichtbar zu machen. „Ich werde mich einfach auf den Weg machen – und es dem Zufall überlassen, wem ich begegne“, sagt die Regionenschreiberin. Zum anderen sei sie aber nicht abgeneigt, sich mit Menschen zu verabreden, die gerne „zwischen 500 Metern und 25 Kilometern am Tag“ mit ihr gehen wollten. „Ich habe ein Aufnahmegerät, mit dem ich unsere Gespräche aufzeichnen werde – natürlich sind auch anonymisierte Texte möglich, das geschieht in Absprache mit meinen Begleitern“, sagt Ulrike Anna Bleier. Daher wisse sie auch nicht, wann sie wo – und mit wem – unterwegs sein werde. Die Ergebnisse werden auf dem Blog des Projekts veröffentlicht und können somit relativ zeitnah von den Menschen in Oberberg gelesen werden – auch auf den diversen Sozialen Medien sind die Beiträge zu finden. „Ich habe mir keine Veröffentlichungs-Rate vorgenommen, glaube aber, dass ein Porträt pro Woche realistisch ist“, sagt Ulrike Anna Bleier.

Auch inhaltlich gehe sie mit größtmöglicher Offenheit an ihre Aufgabe heran. „Mich interessiert alles. Sowohl ganz normale Berufe, aber auch ehrenamtliche Tätigkeiten – und Menschen ohne Arbeit. Auch Nichtarbeit ist ein Teil unserer Gesellschaft“, sagt sie. Natürlich freue sie sich aber auch über Menschen mit außergewöhnlichen Berufen. „Wenn eine Sexarbeiterin mit mir über ihre Tätigkeit sprechen möchte – dann bin ich dazu sofort bereit“, sagt die Regionenschreiberin. Meike Utke sagt, dass sie mit der Entscheidung der Jury besonders zufrieden sei. „Ulrike Anna Bleier hat viel Erfahrung mit dieser Art von Stipendiumsarbeit. Sie war zuletzt etwa bei einem vergleichbaren Aufenthalt in Kanada“, sagt die Geschäftsführerin. Sie glaube, dass durch die Tätigkeit der Regionenschreiberin an der historischen Wanderstrecke eine Art digitaler „Straße der Arbeit“ entstehen werde.