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Reformierte Kirchengemeinde Radevormwald feiert Emder Synode

Reformierte Kirchengemeinde Radevormwald feiert Emder Synode : „Stärke und Macht kommt von unten“

Auch die reformierte Kirchengemeinde in Radevormwald feierte am Sonntagnachmittag mit einem Festgottesdienst 450 Jahre Emder Synode. Damals wurden wichtige Grundlagen gelegt, die bis heute im Gemeindealltag wirksam sind,

Im Oktober 1571 fand die Emder Synode statt, nachdem Protestanten in den Niederlanden unterdrückt wurden und nach England und Deutschland geflohen waren. An der Emder Synode nahmen geflüchtete Christen teil, um über gemeinsame Werte und eine gemeinsame Ordnung zu sprechen, die für die zerstreuten Flüchtlingsgemeinden gelten würden. Die Beschlüsse dieser Synode wirken bis heute – und deswegen feierte die reformierte Kirchengemeinde dieses besondere Jubiläum mit einem Festgottesdienst am Sonntag.

„Wir feiern dieses Jubiläum nicht nur, weil die Synode eine wichtige Grundlage für unser jetziges System bildet, sondern auch, weil sie uns die Probleme und Herausforderungen der Gegenwart vor Augen führt“, sagte Pfarrer Dieter Jeschke. Er hatte für das Jubiläum einen Gottesdienst vorbereitet, der zentrale Elemente der reformierten Tradition in den Vordergrund stellte. Es wurde viel gesungen, die zehn Gebote waren zu hören, und die Bibel wurde Jeschke vor der Predigt durch den Lektor Mathias Vosswinkel übergeben. Das presbyterial-synodale Wesen der Rheinischen Landeskirche geht auf die Beschlüsse der Emder Synode zurück, die sich gegen eiserne Machtstrukturen stellte und die Macht einer Gemeinde auf viele Schultern verteilen wollte. „Die Stärke und Macht kommt von unten“, sagt Pfarrer Dieter Jeschke. „Das war ein zentraler Beschluss der Synode.“

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Engagierte Presbyter zu haben, die Entscheidungen fällen, das Gemeindeleben aktiv gestalten und Werte, wie Glaubwürdigkeit und Unbestechlichkeit vertreten, ist bis heute elementar in dem System evangelischer Gemeinden. Die Generalia der Emder Synode bestehen aus 53 Artikeln und beginnen mit den Sätzen „Keine Gemeinde soll über andere Gemeinden, kein Pastor über andere Pastoren, kein Ältester über andere Älteste, kein Diakon über andere Diakone Vorrang haben oder Herrschaft beanspruchen“, zitierte Pfarrer Jeschke am Sonntag. Obwohl die Protestanten vor keinem eisernen Herzog mehr fliehen müssen, wie es vor mehr ls 450 Jahren der Fall war, gibt es auch in der Gegenwart Gegenkulturen, die im Konflikt mit den Beschlüssen der Emder Synode stehen.

„Durch den starken Individualismus wird alles beliebiger, und auch der Populismus ist eine Gegenkultur, gegen die wir uns stellen müssen“, sagte Pfarrer Dieter Jeschke. Auch die „Behörden-Kultur der Kirche“ nannte er als Gegenkultur zu den Beschlüssen der Emder Synode. Freiheit, die ohne eiserne Hand auskommt, muss gestaltet werden. „Macht hat auch eine helle Seite. Wir müssen Verantwortung füreinander übernehmen und uns gegen Willkürlichkeit und Gleichgültigkeit stellen“, sagte der Pfarrer der reformierten Gemeinde in Radevormwald. Die Werte des Zusammenhalts und der „Macht von unten“ will er in seiner Gemeinde leben und gemeinsam mit den Presbytern und Gemeindegliedern gestalten.Zur Emder Synode erreichten die reformierte Gemeinde in Rade zahlreiche Grüße von befreundeten Gemeinden, denn im Oktober wird in vielen reformierten Gemeinden deutschlandweit an die Synode erinnert. Die Grüße kamen unter anderem aus München, Lübeck, Nürnberg und auch aus Emden. Alle Details zur Emder Synode und der Historie sind unter www.emder-synode-1571.de zu entdecken.