Radevormwald: Raucher bewerten neues Gesetz kritisch

Radevormwald : Raucher bewerten neues Gesetz kritisch

Vor etwas mehr als sechs Monaten trat das neue Nichtraucherschutzgesetz in Kraft. Kneipen und Restaurants machen unterschiedliche Erfahrungen. Keine Probleme gibt es beim Ordnungsamt. Dort liegen bislang keine Beschwerden vor.

Seit einem halben Jahr gilt in NRW das Nichtraucherschutzgesetz. Für die einen ist das Gesetz ein Segen, andere treibt die Regelung an ihre Existenzgrenzen. Joana Sokolik betreibt seit dreieinhalb Jahren die Traditionskneipe "Alte Post". Das Rauchverbot hat sie hart zu spüren bekommen. "Der Monat Mai war sehr schlimm", erzählt sie. Mehrere tausend Euro habe sie von ihren Rücklagen aufbringen müssen. Gewinne blieben zunächst aus. "Langsam stabilisiert sich das zwar, aber die Atmosphäre ist anders geworden", sagt sie. Die Gäste würden nicht mehr so lange bleiben. "Statt vor der Türe eine zu rauchen, bezahlen sie sofort und gehen." Oder sie verlassen das Lokal, um zu rauchen, gehen dann aber ohne zu bezahlen. "Da verliert man schnell den Überblick."

Auch wenn es gesundheitlich Sinn mache — Sokolik raucht seit sieben Monaten nicht mehr — wirtschaftlich sei das Gesetz für sie eine Katastrophe. "Der Gast, der rauchen geht, bedeutet für mich ein Bier weniger Umsatz." Als reine Ausschank-Kneipe ein enormer Verlust. Drei Stammgäste der "Alten Post" kritisieren das Gesetz: "Es ist lachhaft, und das meine ich als Nichtraucher", sagt ein 75-Jähriger. Seit 50 Jahren kehrt er regelmäßig in der "Alten Post" ein. Mit seinen zwei rauchenden Kneipenkumpanen kommt er zwar immer noch regelmäßig in die Kneipe, wo sie Skat spielen und länger bleiben, doch: "Oft bleibe ich hier alleine sitzen, weil die anderen zwei rauchen gehen." Das würde nicht nur das Spiel unterbrechen, sondern auch die gesellige Atmosphäre zerstören. "In Restaurants finde ich die Regelung in Ordnung, aber in reinen Kneipen ist das völliger Quatsch."

Klemens Papadopoulos, Mitinhaber des Café Central am Markt, freut sich dagegen über das einheitliche Gesetz: "Endlich herrschen klare Verhältnisse. Das alte Gesetz hatte zu viele Lücken", sagt er. Nun stehe endlich wieder die Gastronomie im Vordergrund und nicht die Tatsache, ob in einem Lokal geraucht werden darf. Qualität und Service würden sich wieder lohnen. "Für uns hatte das Gesetz nur positive Auswirkungen: Unsere Kunden sind nicht weggeblieben." 80 Prozent seien langjährige Stammgäste, es seien aber auch viele neue Kunden erschienen.

Umsatzveränderungen haben auch Michael Klacik vom Restaurant "Am Matt" und Giovanni Giambarresi vom "Warsteiner Treff" ("ars vivendi") festgestellt. "Eigentlich ist es gleich geblieben. Die Leute kommen trotzdem", berichtet Klacik. In reinen Ausschankkneipen seien die Wirte selbst gefragt, innovative Ideen einzubringen, sagt Papadopoulos. "Sie müssen ja nicht nur Bier verkaufen. Wir sind bekannt dafür, eine große Auswahl an Cocktails zu haben." Raucher wie Frank Röser, Olaf Schäfer oder Heike Eckert sind flexibel, gehen auch vor die Tür rauchen, aber das Gesetz finden sie nicht in Ordnung: "In Restaurants ist es okay. Aber ansonsten ist das Gesetz schlecht gemacht und bevormundet die Bürger. Der Gastwirt sollte selber entscheiden können, ob er in seinem Lokal rauchen lässt oder nicht", sagen sie.

Der Fachbereich Soziales und Ordnung, der das Nichtraucherschutzgesetz in Rade kontrolliert, sieht die neue Regelung bislang gelassen. "Keine Probleme, bisher gab es keine Beschwerden weder von Wirten, Gästen oder Anwohnern", sagt Mitarbeiter Christoph Grimlowski. Bislang reichen auch die routinemäßigen Standard-Kontrollen des Fachbereichs aus. Dabei ist vor allem wichtig, dass die Gastronomen das blaue Schild mit dem Hinweis auf eine Nichtrauchergaststätte an die Tür im Eingangsbereich zur Kneipe oder Gaststätte heften. "Denn auswärtige Gäste müssen auf das Gesetz hingewiesen werden", sagt Grimlowski. Für den Winter erwartet er keine Probleme. Gemeckert werde sicher mal, aber Verstöße gebe es bislang nicht.

(sebu)
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