29-Jähriger aus Radevormwald angeklagt Verfahren wegen Körperverletzung und Beleidigung wird eingestellt

Radevormwald · Der Angeklagte muss 300 Euro an die Stadtkasse zahlen. Der genaue Ablauf des Vorfalls in Rade ließ sich nicht mehr nachvollziehen.

 Wegweiser zum Gerichtsgebäude in Wipperfürth. Diesen Weg musste nun ein 29-Jähriger aus Rade nehmen.

Wegweiser zum Gerichtsgebäude in Wipperfürth. Diesen Weg musste nun ein 29-Jähriger aus Rade nehmen.

Foto: NN/nn

Mit der Einstellung endete das Verfahren wegen Beleidigung und Körperverletzung gegen einen 29-jährigen gelernten Schlosser aus Radevormwald vor dem Wipperfürther Amtsgericht. Der Mann müsse als Auflage 300 Euro an die Stadtkasse zahlen, damit seien die Anschuldigungen vom Tisch und er habe keinen Eintrag im Bundeszentralregister zu seinen Lasten.

Hintergrund für diese, gemessen am Tatvorwurf, durchaus milde Entscheidung war wohl vor allem die Tatsache, dass im Verfahren Aussage gegen Aussage stand, und sich der genaue Tatverlauf nicht mehr ermitteln ließ. Dazu kam, dass der Angeklagte zwar einen Teil der Schuld einräumte, jedoch mehrfach und offensichtlich glaubwürdig einräumte, dass es zwar durchaus eine von gegenseitigen Beleidigungen geprägte Rangelei gegeben habe, er jedoch keinesfalls bewusst auf sein Gegenüber, einen 18-jährigen Schüler aus Rade, eingeschlagen habe.

Es ging um einen späten Abend im April dieses Jahres, als der Angeklagte zusammen mit einem Freund auf dem Rader Marktplatz nach einer Hochzeitsfeier noch einen Absacker in einer der dortigen Kneipen nehmen wollte. Er habe noch eine Zigarette rauchen wollen und sei deswegen alleine vor der Kneipe geblieben, sein Freund sei schon rein gegangen. „Da kamen vier jüngere Leute auf den Marktplatz, drei Männer und eine Frau. Sie waren lautstark am Grölen“, sagte der Angeklagte. Davon habe er sich so gestört gefühlt, dass er das Quartett „in möglicherweise unschönem Tonfall“ angewiesen habe, ruhig zu sein. „Ich weiß nicht mehr genau, was ich gesagt habe“, gab der 29-Jährige zu. „Es kann aber schon sein, dass es etwas in die Richtung von ‚Verp...t euch!‘ gewesen ist.“ Es sei jedenfalls nicht auf nette Art geschehen, räumte er ein.

Daraufhin sei es zu einer Rangelei zwischen dem 18-jährigen Zeugen und dem Angeklagten gekommen. Laut Aussage des Schülers habe der Angeklagte ihm hinterher gerufen, dass er zu ihm kommen solle. Dem sei er nachgekommen, woraufhin er einen Schlag des Angeklagten auf den Mund und später einen zweiten Schlag auf den seitlichen Hals bekommen habe. Von der Verletzung zeigte er dem Richter und dem Staatsanwalt auch Bilder auf seinem Smartphone. Warum er denn dem Ruf des 29-Jährigen überhaupt Folge geleistet habe, wollte der Staatsanwalt von dem Zeugen wissen. „Ich würde auch zu Ihnen gehen, wenn Sie mich rufen würden“, sagte der nur. Es hätte ja auch sein können, dass der Rufende vielleicht etwas benötigte, ergänzte er. Nach der von beiden Beteiligten auch auf Nachfrage des Staatsanwalts nicht näher beschreibbaren Rangelei, seien die vier Jugendlichen schließlich davongelaufen. Die Polizei zu rufen, sei ihm jedoch nicht in den Sinn gekommen, sagte der 18-Jährige. Später habe er dann durch Zufall das Profil des Angeklagten bei Facebook entdeckt, woraufhin er dann doch noch zur Polizei gegangen sei. Auch wenn der Angeklagte den Tatvorwurf der vorsätzlichen Körperverletzung weiterhin leugnete, entschuldigte er sich nach der Zeugenaussage bei dem 18-Jährigen – was dieser auch annahm. „Heißt das jetzt, dass Sie den Tatvorwurf doch einräumen?“, wollte der Staatsanwalt daraufhin wissen. Nein, entgegnete der 29-Jährige. „Ich habe mich bei ihm allgemein für diese unangenehme Situation entschuldigt. Und ich hätte auch eine Entschuldigung von dem 18-Jährigen erwartet. Aber man kann natürlich auch nicht alles bekommen.“

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