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Radevormwalds Jugendamt hat eine Menge vor

Politik in Radevormwald : Das hat das Rader Jugendamt vor

Mit einer Präsentation im Jugendhilfeausschuss haben Amtsleiter Jörn Ferner und sein Team die umfassenden Aufgaben der Behörde erläutert und die Pläne und Visionen für die Zukunft vorgestellt.

Die Arbeit des Jugendamtes stand im Mittelpunkt der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Dienstag. Amtsleiter Jörn Ferner und die Leiterinnen und Leiter der drei dazugehörigen Hauptbereiche stellten in einer rund 40-minütigen Präsentation die verschiedenen Aufgaben der Behörde vor und gaben einen Ausblick auf die Vorhaben der kommenden Zeit. Das gesamte Team des Jugendamtes war zu diesem Termin in den Großen Saal des Bürgerhauses gekommen. Ein Anlass für den Tagesordnungspunkt: Das Jugendamt arbeitet an einem neuen Konzept, das bald vorgestellt werden soll.

Jörn Ferner hatte die Leitung des Jugendamtes im November 2021 übernommen. Zu Beginn der Präsentation wies er darauf hin, dass die öffentliche Wahrnehmung von Jugendämtern oft negativ ist. Einerseits werde das Bild einer kaltherzigen Behörde, die Familien auseinanderreißt, beschworen, andererseits bei Fällen Misshandlung oder gar dem Tod von Kindern den zuständigen Jugendämtern vorgeworfen, sie hätten früher eingreifen müssen.

Das Eingreifen bei akuter Kindswohlgefährdung sei allerdings nur ein Teil der zahlreichen Aufgaben des Jugendamtes, erläuterte Ferner. Die drei Säulen seien der Pädagogische Dienst, das Verwaltung und die Jugendförderung. Keith Gehling, der den Pädagogischen Dienst leitet, gab einen Überblick über dessen Aufgaben: den allgemeinen Sozialen Dienst, Erziehungs- und Eingliederungshilfe, Pflegekinderdienst, Frühe Hilfen, Jugendgerichtshilfe, Schulsozialarbeit und Vormundschaft. Gehling betonte, dass Radevormwald hier teilweise weiter sei als anderen Kommunen, so habe er gehört, dass Hückeswagen mit den Frühen Hilfen erst jetzt nachziehen wolle. Jörn Ferner ergänzte, dass der Pädagogische Dienst „oft mit Fällen zu tun habe, die den Mitarbeitern viel abfordern.“

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Miriam Bönisch, Ferners Stellvertreterin und Leiterin des Teams Verwaltung, erläuterte anschließend Aufgaben wie Beistandschaften, Unterhaltsvorschüsse und wirtschaftliche Jugendhilfe.

Beim letztgenannten Punkt, kommentierte Jörn Ferner launig, „zuckt der Kämmerer zusammen“, denn für diese Aufgabe müssten Städte oft sehr hohe Kosten tragen. Ziel sei es auf jeden Fall, die Kinder möglichst in den Familien zu belassen und auf Prävention zu setzen.

Sarah Behr, Leiterin des Bereichs Jugendförderung, berichtete von der Arbeit der beiden Jugendeinrichtungen – die Jugendräume im Bürgerhaus und das „Life“ in den Wupperorten – sowie von den Kooperationen mit Schulen, der Jugendverbandsarbeit und den Erzieherischen Kinder- und Jugendschutz. „In den beiden Jugendeinrichtungen tut sich derzeit viel“, sagte Behr. Die Räumlichkeiten würden erneuert und verschönert. Auch die Ankunft von Flüchtlingsfamilien in Radevormwald brächte neue Aufgaben mit sich.

Der Amtsleiter selber erläuterte schließlich noch seine wichtigsten Aufgaben: Die Personalführung und -entwicklung, die Netzwerkarbeit mit anderen Behörden, Trägern, Vereinen und Akteuren und der Brückenschlag zwischen der Politik und dem Jugendamt mit der Schnittstelle des Jugendhilfeausschusses.

So weit der Stand der Dinge – doch Ferner und das Team haben auch Pläne, wie sich das Jugendamt noch besser aufstellen kann. Miriam Bönisch verwies beispielsweise auf die verstärkte Digitalisierung: Man wolle weg von den Papierakten, die ersten Schritte seien schon getan: „Wir möchten den Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, viele Anliegen online zu erledigen.“

Amtsleiter Ferner sieht in aktuellen Gesetzesvorhaben eine gute Grundlage, um die Arbeit der Jugendämter zu fördern, bespielsweise durch das kürzlich erlassene Kinderschutzgesetz. Die Umbaumaßnahmen im „Life“ sollten dazu beitragen, diesen Standort langfristig zu sichern. Mit der Fläche „Am Kreuz“, in der Nachbarschaft des künftigen Bildungshauses, habe man ein geeignetes Areal für die Anlage des schon lange geforderten Jugendfreizeitplatzes. Und natürlich freuten sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darauf, die wenig einladenden (nicht nicht barrierefreien) Räume an der Kaiserstraße zu verlassen und in das neue „ WohnZimmer“ an der Nordstraße einzuziehen, an einen zentralen Standort mitten in der Stadt.

Die Präsentation, für deren überzeugende Gestaltung übrigens „Life“-Leiter Jochen Pries verantwortlich zeigte, kam bei den Ausschussmitgliedern gut an. AL-Fraktionsmitglied Petra Ebbinghaus – sonst nicht eben freigiebig mit Lob – erklärte, sie habe den Eindruck, es seien im Jugendamt „positive Zeiten angebrochen“.