1. NRW
  2. Städte
  3. Radevormwald

Radevormwalder Verein kritisiert Diskriminierung von Senioren wegen Corona

Trägerverein „aktiv55“ in Radevormwald : „Senioren werden diskriminiert“

„aktiv55plus“ und Seniorenbeirat bemängeln Sichtweisen in der Corona-Krise.

Bei den Diskussionen über die Maßnahmen gegen das Corona-Virus und die Frage, wie man sich und andere schützt, gerät Kyra Springer Foto: NH (Archiv) manchmal in Wut. Die Geschäftsführerin des Trägervereins „aktiv55plus“ und ihre Mitstreiter setzen sich für Senioren in Radevormwald ein. Die Senioren jedoch, erklärt sie, würden derzeit in der öffentlichen Debatte oft pauschal als Risikogruppe und als unverantwortlich dargestellt. Gemeinsamt mit dem Seniorenbeirat der Stadt wendet sich Kyra Springer nun gegen diese Tendenz.

„Viele Senioren sind gesund und fit, sie sind weniger gefährdet als beispielsweise ein 40-Jähriger, der übergewichtig ist, sich ungesund ernährt und wenig bewegt“, erklärt Springer. Deshalb solle man nicht pauschal die Älteren zur Problemgruppe herabwürdigen. Das heiße natürlich nicht, dass man nun leichtsinniges Verhalten predigen solle „Natürlich ist das Immunsystem mit dem höheren Lebensalter nicht mehr so leistungsfähig wie in der Jugend“, erklärt sie.

Doch daraus nun die Auffassung abzuleiten, Senioren sollten grundsätzlich in den eigenen vier Wänden bleiben und sich in der Corona-Krise am besten gar nicht in der Öffentlichkeit sehen lassen, das sei nicht hinnehmbar: „Das ist eine Diskriminierung der Senioren. Alter ist zwar ein Risiko-Kriterium, wenn es um das Virus geht, aber es ist nicht das einzige.“ Springer verweist auf eine Veröffentlichung der Landesseniorenvertretung NRW, in der genau dieser Punkt angesprochen wird. Darin heißt es: „Sehr viele Frauen und Männer jenseits der 60 sind gesund, aktiv im Beruf oder Ehrenamt; auch bei den Hochaltrigen mit über 80 darf man keinesfalls nur an Krankheit oder Pflegebedürftigkeit denken.“ Der Radevormwalder Seniorenbeirat hatte bei der Ausrichtung des vergangenen Bergischen Seniorentages im vergangenen Jahr bereits dafür plädiert, das Alter in der öffentlichen Wahrnehmung nicht immer nur mit Elend, Hinfälligkeit und Krankheit zu verbinden, sondern auch das Potenzial dieses Lebensabschnittes, die erfreulichen Seiten zu präsentieren.

Daher vertritt Kyra Springer die Meinung, dass ältere Menschen auch in der gegenwärtigen Corona-Krise nicht nur daheim sitzen sollen. „Wir sagen zu den alten Leuten: Gehen Sie ruhig an die frische Luft, nur dahin nicht, wo große Menschenmassen sind.“ So müssten die Vorsichtsmaßnahmen beim Einkaufen beachtet werden. Der Trägerverein bietet für Senioren, die in diesen Tagen Hilfe beim Einkauf von Lebensmitteln und anderen Artikeln des täglichen Lebens brauchen, Unterstützung an. Interessierte können über den Anrufbeantworter der Rader Hilfsbörse unter Telefon 02195 9277 364 und per E-Mail hilfsboerse@aktiv55plus.de Kontakt aufnehmen.