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Radevormwalder sind größtenteils diszipliniert in der Pandemie

Pandemie in Radevormwald : Corona-Disziplin bleibt weiterhin hoch

Der überwiegende Teil der Menschen in Radevormwald zeigt sich einsichtig, wenn es um die Einhaltung von Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen geht. Dennoch gab es bislang 200 Ordnungsverfahren in der Stadt wegen Verstößen. 

Die Zustimmung der Bevölkerung zu den Maßnahmen von Bund und Land in der Corona-Krise ist laut Meinungsumfragen in den vergangenen Wochen schwankend geworden. Zugleich demonstrieren in vielen deutschen Städten Kritiker der Corona-Politik, etwa die so genannten „Querdenker“.

Dass nicht alle Menschen die Hygienevorschriften zum Schutz vor dem Virus befolgen, diese Erfahrungen haben die Mitarbeiter des Ordnungsamtes in Radevormwald bereits bei der ersten Welle der Pandemie im Frühjahr erlebt. Bislang habe es rund 200 Ordnungsverfahren gegen Bürger gegeben, die gegen die Vorschriften verstoßen haben, erklärte Jochen Knorz, der Leiter des Ordnungsamtes jüngst in einer Sondersitzung des neu gegründeten Ausschusses für Soziales, Gesundheit, Sport, Integration und Demografie.

Dabei geht es nicht vorrangig um den Verzicht auf die Mund-Nasen-Maske, die von Kritikern der Maßnahmen inzwischen gar zum symbolischen Widerstandsakt erhöht wird. Eher seien es Ansammlungen von  Personen gewesen, die gegen die geltenden Regeln verstoßen hätten, erläutert Knorz im Gespräch mit unserer Redaktion. Und er nennt ein  Beispiel: „Man trifft etwa abends auf einem Schulhof junge Leute, die gemeinsam Musik hören und Alkohol trinken.“ Da Versammlungen von Menschen aus verschiedenen Haushalten derzeit restriktiv behandelt werden, muss das Ordnungsamt in so einem Fall eingreifen.

Dass die Bevölkerung inzwischen weitaus unwilliger die Vorschriften zum Infektionsschutz befolgt, kann Jochen Knorz zumindest für die Stadt Radevormwald nicht bestätigen. „Bei dem weit überwiegenden Teil der Bevölkerung stellen wir das nicht fest“, erklärt er. Die Maske werde zwar von vielen als lästig empfunden, doch werde akzeptiert, dass sie angesichts der aktuellen Situation das Mittel der Wahl ist, um Infektionen zu stoppen.

Während in der ersten Welle die Kräfte des Ordnungsamtes durch mehrere Mitarbeiter anderer Abteilungen der Stadtverwaltung verstärkt wurden, gibt es laut Knorz derzeit nur noch eine amtsfremde Mitarbeiterin, die die Kollegen im Ordnungsamt unterstützt.

Bereits in der ersten Welle mussten Restaurants und Gaststätten schließen, die Aufgabe der Ordnungsamtmitarbeiter war es, zu prüfen, ob dies auch befolgt wurde. „In der Anfangszeit kam es vor, dass Gaststätten weiter geöffnet hatten“, erinnert sich Jochen Knorz. Nun, in der zweiten Welle der Pandemie, habe es in Radevormwald bislang keinen solchen Fall gegeben.

Der Aufwand der Kontrollen sei jedoch nicht die größte Herausforderung für die städtischen Mitarbeiter in der aktuellen Pandemie, betont Knorz: „Der größte Anteil ist die Beratungsarbeit.“ Zahlreiche Bürger erkundigen sich täglich bei der Stadt nach dem aktuellen Stand der Vorschriften. „Oft sind es auch Gewerbetreibende und Dienstleister, die bereits jetzt wissen möchten, wie die Lage in den nächsten Wochen sein wird.“ Was freilich die Ordnungsamtmitarbeiter oft auch nicht sagen können, denn die Entscheidungen auf der Ebene von Bund und Land sind in den vergangenen Monaten häufig kurzfristig gekommen. „Das ist inzwischen etwas besser geworden“, meint Knorz. Die Zusammenarbeit mit dem Oberbergischen Kreis laufe ausgesprochen gut, „vor allem, wenn man bedenkt, unter welchem Druck die Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamtes stehen“.

Dass die Radevormwalder mit den Bestimmungen weniger Probleme haben als die Bewohner anderer Städte im Oberbergischen Kreis bestätigt Michael Tietze, Sprecher der Kreispolizei. „Seit dem März haben wir 154 Anzeigen wegen solchen Verstößen verzeichnet“, berichtet er. „In Radevormwald gab es davon nur eine.“ Zum Vergleich: In der Kreisstadt Gummersbach seien es 58 gewesen.