Weihnachten in Radevormwald Zum Fest darf’s auch mal Hardrock sein

Radevormwald · Wenige Wochen vor Heiligabend laufen die Proben des Projektchors für das gemeinschaftliche Weihnachtssingen auf dem Marktplatz auf Hochtouren.

 Timo Deitz und die Sängerinnen und Sänger sind beiden Proben mit Leib und Seele bei der Sache.

Timo Deitz und die Sängerinnen und Sänger sind beiden Proben mit Leib und Seele bei der Sache.

Foto: Cristina Segovia-Buendia

Während sich einige in der Vorweihnachtszeit mit Weihnachtsmarktbesuchen, Glühwein, Plätzchenbacken und Weihnachtsfilme in Stimmung bringen, proben rund 25 Radevormwalder seit Oktober schon für ihren großen Auftritt an Heiligabend auf dem Marktplatz. Der weihnachtliche Projektchor der Musikschule ist in diesem Jahr gut aufgestellt und klingt dank Chorleiter Timo Deitz wenige Wochen vor der Aufführung deutlich flotter und rockiger als sonst.

Der Solinger Musikpädagoge hat nach seiner Premiere im Vorjahr nun erneut diesen besonderen Chor übernommen, der sich seit der Herbstferien jeden Freitagabend für eine Stunde in der Musikschule trifft, Geprobt wird für die Tradition an Heiligabend auf dem Marktplatz, die für viele Radevormwalder so wichtig ist. „Ich war vergangenes Jahr erstmals dabei und überrascht und erstaunt, wie voll es auf dem Platz war“, gesteht Deitz, der an Heiligabend 2022, nach Familienfeier und Bescherung, nochmal aufbrach, um mit seinen Chormitgliedern in Radevormwald ein paar Weihnachtslieder in die eisige und verregnete Weihnacht zu singen. „Es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht.“

Dass sich an diesem Abend so viele einfinden würden, um miteinander zu singen und sich eine frohe Weihnacht zu wünschen, das hätte Deitz trotz Ankündigung nicht gedacht. Die gute Laune der Teilnehmer und die tolle Stimmung vor Ort, animierten den Musiker, auch in diesem Jahr wieder dabei sein zu wollen.

Tanja Sonnenschein von der Wirtschaftsförderung Radevormwald hat sich am Freitagabend spontan entschlossen, sich dem Chor noch anzuschließen. Das ist allerdings eine Ausnahme, denn die Besetzung steht soweit, erklärt Deitz. Zwei Wochen vor dem Auftritt noch mehrere neue Sänger im Chor aufzunehmen, würde sich vom Aufwand her nicht lohnen. „Aber natürlich freuen wir uns, wenn im kommenden Jahr, nach den Herbstferien, weitere begeisterte Sänger zu uns stoßen oder auch gerne zu unserem Rock-On-Chor dazukommen“, betont er. Vor allem Herren mit tiefen Bassstimmen seien gefragt. „Die sind einfach rar gesät“, stellt Deitz aus seiner Erfahrung fest.

Für die Chormitglieder sind Vorbereitungen, Proben und zum krönenden Abschluss auch das gemeinsame Singen auf dem Marktplatz an Heiligabend kurz vor Mitternacht eine liebgewonnene Tradition und eine gute Gelegenheit, um die Familienfeier am heimischen Esstisch für einen kurzen Moment an der frischen Luft zu unterbrechen. Sie freuen sich auf den Auftritt, auch wenn zwei Wochen vorher noch nicht alles reibungslos klappt. Das schnellere Tempo der Melodien und die ungewöhnlichen Modulationen fordern die Hobbysängerinnen und -Sänger nämlich aus ihrer bisherigen Komfortzone heraus. Die Proben verlangen ihnen eine hohe Konzentration und Präzision ab. Nur ein abweichender Ton und der mehrstimmige Gesang zerbricht in einer schiefen Tonlage.

Doch die Probe wirkt durch die lockere Art des jungen Chorleiters alles andere als anstrengend. Es wird viel gelacht. Deitz schlüpft immer wieder in die verschiedenen Stimmen, was vor allem bei den Sopranistinnen für heiteres Schmunzeln sorgt. Wie ein Flummi springt er immer wieder auf und ab, mal hinters Piano, dann vor seinen Chor, um den Takt anzugeben und alles aus seinen Sängerinnen und Sängern herauszukitzeln. Mit dem flotten Schnippen seiner Finger gibt Deitz das Tempo an.

Und welches Stück wird gerade geprobt: „Merry X-mas Everybody“ der englischen Glam- und Hard-Rock-Band „Slade“. Ein Ohrwurm aus den 1980ern mit einem motivierenden Rhythmus. Nahezu jeder im Raum steht mit seinem Liedtext in der Hand, wippt mit dem Fuß mit, schwingt die Hüfte oder klopft sich leicht mit der Hand seitlich auf die Oberschenkel. Bei diesem Hit stillzustehen fällt nicht nur dem Chorleiter selbst schwer.

Deitz wechselt das Stück. Ein Klassiker: „Joy to the World“ steht jetzt an. Doch auch hier setzt der 30-Jährige auf rockigere Klänge. Statt so getragen wie sonst bei einem Kirchenchor, ist die Melodie in dieser Version etwas kräftiger gestrickt, so dass auch die Sänger mehr Energie in ihre Verse legen müssen, um unter den Gitarrenriffs des Playbacks nicht unterzugehen. „Hier brauche ich wieder Gottes Macht darin“, sagt Deitz und zeigt mit seinen weit aufgespannten Armen und aufgeplusterter Brust die Kraft, die er in diesen Zeilen hören will. „Das braucht Power, wenn das gut klingen soll“, betont er.

Die Sänger holen tief Luft und singen inbrünstig den ersten Vers. Deitz nickt seinem Chor anerkennend zu: „Ich glaub, das ist cool.“ Nach einem Schnelldurchlauf durch „Feliz Navidad“, „Merry X-Mas Everybody“ und „Joy to the World“ widmet er sich nun auch dem deutschen Klassiker „Leise rieselt der Schnee“. Bis Heiligabend, wissen alle, ist nicht mehr allzu viel Zeit. Aber die Vorfreude ist enorm – und das kann man bei den Proben hören.

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