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Radevormwalder musste sich wegen Drogenhandel vor Gericht verantworten

Amtsgericht Wipperfürth : Verbotene Deals unter Kumpeln

Drogen-Konsum ist nicht strafbar, Drogen-Besitz aber schon – und der Handel damit sowieso. Das lernte ein 29-jähriger Radevormwalder jetzt im Prozess vorm Amtsgericht Wipperfürth.

Es gibt juristische Konstrukte, die lebensfremd wirken. Beispiel: Der Konsum von Drogen wie Marihuana ist nicht strafbar, der Besitz ist es aber. Wie soll jemand etwas konsumieren, was er nicht besitzt? Im realen Leben dürfte das auf die Situation begrenzt sein, in der Person X einen Zug von der Haschisch-Zigarette nimmt, die ihm Person Y zu diesem Zweck anreicht. Juristen können darüber trefflich streiten, Nicht-Juristen verstehen es schlicht nicht. Mit Unverständnis reagierte darauf nun auch ein 29-jähriger Radevormwalder, der sich wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz vor dem Amtsgericht Wipperfürth verantworten musste und sich – zumindest in Teilen der Anklage – keiner Schuld bewusst war.

Vorgeworfen wurde ihm allerdings nicht nur der Besitz sondern auch der Handel mit Drogen „in nicht geringer Menge“ – und das ist nach dem Gesetz ein Verbrechen. Im Frühjahr 2018 hatte der Mann laut Anklage in zwölf Fällen bei seinem Dealer in Hückeswagen Marihuana, Amphetamine, Haschisch und Kokain abgeholt, das er zum Teil an eigene Kunden weitergab. Den anderen Teil der Drogen konsumierte er selbst. „Und das ist doch nicht strafbar“, verteidigte er sich im Prozess. Der Richter belehrte ihn eines Besseren: Da er im Besitz der von ihm konsumierten Drogen gewesen sei, habe er sich schon allein deswegen strafbar gemacht. Der Handel damit komme erschwerend hinzu.

Dass der Handel „nur unter Kumpels“ stattfand, wie der Radevormwalder betonte, machte es auch nicht besser. Das Gericht unterstellte, dass der heute 29-Jährige damit genug Gewinn gemacht hatte, um den eigenen täglichen Konsum zu finanzieren. Und der war beträchtlich, wie der Angeklagte einräumte. Geld dafür hatte er aber nicht, weil der gelernte Maurer schon lange ohne Job ist und von Hartz IV lebt. Seine Lebenssituation hat sich seit 2018, als er mit den Drogengeschäften aufflog, nicht verändert. Marihuana und Amphetamine konsumiert er weiterhin – „ gelegentlich“, sagte er aus. Die Frage des Richters, warum er sich noch keiner Therapie unterzogen habe, beantwortete der Radevormwalder so: „Da habe ich noch nie drüber nachgedacht.“

Genau das wird er jetzt nach dem Strafverfahren aber tun müssen, denn letztlich hängt seine Freiheit davon ab: Das Urteil gegen ihn lautete auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Er wird einem Bewährungshelfer unterstellt und muss Kontakt zur Suchtberatung mit dem Ziel einer Therapie aufnehmen. Begründung des Richters: „Wenn Sie so weiter konsumieren, und genau das tun Sie ja trotz dieses Strafverfahrens, dann ist die Gefahr neuer und einschlägiger Straftaten enorm hoch. Das heißt dann auch, dass die Bewährung widerrufen werden muss und Sie hinter Gitter gehen.“ Eine weitere Bewährungs-Auflage besteht darin, dass der Rader 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten muss. Außerdem werden bei ihm 700 Euro eingezogen. Dabei ging das Gericht davon aus, dass das der Gewinn war, den er mit den Drogen-Deals „unter Kumpels“ gemacht hatte.