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Radevormwalder Landwirte besorgt wegen des trockenen Frühlings

Wetterverhältnisse in Radevormwald : Landwirte wünschen sich mehr Regen

Der April in diesem Jahr war laut den Meteorologen einer der trockensten seit Menschengedenken. Das macht auch in Radevormwald den Landwirten Sorgen, wie Holger Gesenberg aus eigener Erfahrung weiß. Futtervorräte schrumpfen, manche Betriebe müssen zukaufen.

In der vergangenen Woche hatte Holger Gesenberg allen Grund zur Freunde, als sich der Himmel zuzog und tatsächlich dann und wann die eine oder andere kräftige Regenschauer auf Radevormwald herabfiel. „Ich bin froh“, sagt der Landwirt. „das war mehr als nötig. Der April war ungewöhnlich trocken.“

Gesenberg ist Ortslandwirt von Radevormwald, also der Sprecher seiner Branche vor Ort. Wie er, sind viele Landwirte im Stadtgebiet vor allem auf die Milchwirtschaft konzentriert. Trockenheit trifft auch sie, denn die Futtervorräte sind durch die beiden extrem trockenen Sommer der Jahre 2018 und 2019 in vielen Betrieben zusammengeschrumpft. Kein Wunder, dass die Bauern im April den ständig sonnigen Himmel mit unguten Gefühlen betrachtet haben. Droht etwa ein drittes Jahr mit „Jahrhundertsommer“?

Der Bauernverband hat bereits in der vergangenen Woche die schwierige Lage angesprochen. „An manchen Standorten – beispielsweise mit leichten Böden oder schweren tonigen Böden – haben wir jetzt schon irreparable Schäden, dort wird es zu Ernteeinbußen kommen“, hatte Bauernpräsident Joachim Rukwied gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärt.

Was die sozusagen parallel grassierende Corona-Krise angeht, so räumt Holger Gesenberg ein, dass man als Landwirt von diesem Thema vergleichsweise wenig mitbekomme. „Wir können rausgehen an die Arbeit, müssen nicht die ganze Zeit drinnen sitzen“, sagt er. Die Gefahr, in größere Menschenansammlungen zu geraten, sei auf dem Feld eben gering. „Ehrlich gesagt, das Wetter macht mir persönlich im Moment mehr Sorgen“, gesteht Gesenberg und betont zugleich, dass dies nicht despektierlich gegenüber den Betroffenen der Corona-Krise gemeint ist.

Doch die Landwirte haben in den vergangenen Jahren durch die fürs Bergische ungewohnte trockene Witterung bei ihren Vorräten an Gras und Mais für die Fütterung der Rinder zu spüren bekommen. „Im Jahr 2018 haben wir das noch gelassen gesehen“, erinnert er sich. „Ein trockenes Jahr, das kommt vor, aber es war noch genug an Futtervorräten aus den Jahren 2016 und 2017 da.“ Nun jedoch müssen manche Bauern Futtermittel hinzukaufen. „Es hält sich zwar noch in Grenzen“, berichtet der Ortslandwirt. Aber natürlich mache sich das unterm Strich negativ für die Wirtschaftsbilanz bemerkbar. Im schlimmsten Fall, meint er, müssten manche Viehbesitzer ihren Bestand an Tieren reduzieren.

Und es ist ja nicht so, als müssten die Milchbauern nicht auch an anderen Fronten kämpfen. Jüngst machten die Proteste gegen die Preispolitik der beiden Discounter-Ketten Aldi Schlagzeilen, auch in Radevormwald versammelten sich in der Nacht auf den 9. März rund 250 Landwirte mit 50 Traktoren vor der Aldi-Zentrale am östlichen Ortsausgang. Mit dieser Mahnwoche wollten die Milchbauern ein Zeichen setzen.

Diese Proteste haben inzwischen gefruchtet. Aldi Nord und Aldi Süd hatten angekündigt, Preise für Milchwaren durch die Konzentration der Nachfrage senken zu wollen. „Inzwischen hat Aldi eingelenkt“, berichtet Gesenberg. So richtig erleichtert ist er allerdings nicht: „Derzeit sinkt der Weltmarktpreis für Milch, und langfristig könnte das auch die Bauern in Deutschland treffen.“

Im Moment hoffen die Radevorwalder Landwirte jedoch hauptsächlich darauf, dass der Mai weitaus mehr Regen bringt. Für die kommende Woche sind nach aktuellem Stand allerdings noch keine größeren Niederschläge vorausgesagt worden.