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Radevormwalder Kleiderkammer schließt mit Basar

Martini-Gemeinde in Radevormwald : Kleiderkammer schließt mit einem Basar

Die vor vier Jahren ins Leben gerufene Einrichtung der Martini-Gemeinde wird diesen Winter ihre Pforten schließen. Nikolaus und Edith Bourguignon bereiten derzeit den letzten Basar für das Wochenende 26. und 27. Oktober vor.

Wie vielen geflüchteten Menschen die Kleiderkammer der Martini-Gemeinde in den vergangenen vier Jahren geholfen hat, wissen Nikolaus und Edith Bourguignon nicht. Es müssen hunderte sein. „Hier war am Anfang richtig was los. An allen vier Tagen, die wir geöffnet hatten, waren mehr als hundert Menschen hier“, sagt Edith Bourguignon.

Zusammen mit ihrem Ehemann und Hans Ottmann hat sie sich vor fünf Jahren dafür eingesetzt, dass in Radevormwald eine weitere Kleiderkammer eröffnet. In dieser Zeit bereitete sich Radevormwald auf die Ankunft der ersten Flüchtlinge vor. Ehrenamtlich engagiert hatte sie sich davor noch nie. „Ich bin da einfach so reingerutscht. Aus der ersten Idee wurden erste Spender, dann haben wir Haushaltsauflösungen gemacht, und nach wenigen Wochen war unser Zuhause voller Kleidung und Haushaltswaren“, erinnert sie sich.

Die Suche nach Räumlichkeiten war beschwerlich. Nach langem Hin und Her konnten Edith und Nikolaus Bourguignon die Kleiderkammer in ehemaligen Räumlichkeiten der Grundschule an der Blumenstraße eröffnen. Der Weg dahin war steinig. Nikolaus Bourguignon bedankt sich bei Bürgermeister Johannes Mans, der damals ganz neu in Radevormwald war und die Nutzung der Räume schlussendlich möglich gemacht hat. „Er hat unsere Sorgen und die Hilfe, die wir leisten wollen, ernst genommen. Und dann hat es auf einmal geklappt“, sagt er. Großen Einsatz bei der Gründung der Kleiderkammer zeigte auch Pastor Johannes Dress, der damals für die Martini-Gemeinde verantwortlich war.

Als die Kleiderkammer auf dem ehemaligen Schulhof eröffnete, war der Ansturm groß. Wie wenig viele Männer, Frauen und ihre Kinder hatten und mit welchen Problemen sie kämpfen mussten, hat Edith Bourguignon hautnah miterlebt. „Die Zustände waren teilweise erschreckend. Wir haben nicht nur Kleidung, Geschirr und Möbel organisiert, sondern sind auch zu wichtigen Ansprechpartnern geworden.“

Der Andrang ist in diesem Jahr aber immer weiter zurückgegangen. Die Menschen sind in Radevormwald angekommen, haben teilweise Arbeits- oder Ausbildungsplätze bekommen und leben in eigenen Wohnungen. Im November wird das Ehepaar die Kleiderkammer an der Blumenstraße schließen. Zum Abschluss gibt es einen großen Basar im Gemeindesaal der Martini-Gemeinde. Alle Einnahmen der Kleiderkammer und des Basars fließen in die Flüchtlingskasse der Gemeinde.

„Uns ist die Entscheidung nicht leicht gefallen, aber es ist an der Zeit. Unsere Arbeit ist an dieser Stelle erledigt“, sagt die Radevormwalderin. Sie und ihr Mann denken jetzt an die schönen Erlebnisse zurück, die sie durch die Kleiderkammer erlebt haben. Neben den Problemen, sind sie auch immer wieder auf Hilfe gestoßen. „Die Flüchtlinge haben uns geholfen, wo sie konnten. Zusammen haben wir die Kleiderkammer hergerichtet und eingeräumt. Sie haben bei der Einrichtung von Wohnungen geholfen, die Frauen haben mit mir die Wäsche sortiert. Einige von ihnen sind zu unseren guten Freunden geworden“, sagt Edith Bourguignon. Sie ist für die Kinder, die in dieser Zeit geboren sind, so etwas wie eine Oma geworden.

Die Entscheidung, sich für die Flüchtlinge zu engagieren und Hilfe zu leisten, bereut das Ehepaar nicht. „Das war genau richtig und hat uns auch Spaß gemacht. Wir haben Dankbarkeit zurückbekommen und tolle Menschen kennengelernt“, sagt Nikolaus Bourguignon.

Die Vorbereitungen für den Abschlussbasar laufen aktuell auf Hochtouren. Während seine Frau die Kleidung einpackt, repariert er die letzten Elektrogeräte.