Reformierte Kirchengemeinde in Radevormwald Gemeinde setzt sich für Klimaschutz ein

Radevormwald · Pfarrer Dieter Jeschke will nicht, dass die Diskussion um den Klimaschutz einschläft. Er will die Bequemlichkeit der Menschen durchbrechen. Ein Workshop zum Thema fiel allerdings aus – niemand war am Samstag gekommen.

 Pfarrer Dieter Jeschke und Gisela Busch, Vorsitzende des Presbyteriums der reformierten Kirchengemeinde, im „Unperfekt-Garten am Dietrich-Boenhoeffer-Haus. Klima- und Umweltschutz ist der Gemeinde sehr wichtig und soll auch in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen.

Pfarrer Dieter Jeschke und Gisela Busch, Vorsitzende des Presbyteriums der reformierten Kirchengemeinde, im „Unperfekt-Garten am Dietrich-Boenhoeffer-Haus. Klima- und Umweltschutz ist der Gemeinde sehr wichtig und soll auch in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen.

Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Eigentlich sollte am Samstag in der reformierten Kirchengemeinde ein Kreativ-Workshop zu der Frage „Wie verkleinere ich meinen persönlichen CO2-Fußabdruck?“ stattfinden. Aber die Jugendräume im Dietrich-Bonhoeffer-Haus blieben leer. Damit bestätigte sich der Eindruck, den Pfarrer Dieter Jeschke bereits in den vergangenen Monaten gesammelt hat. Nachdem jeder Jugendliche und Erwachsene über die „Fridays For Future-Bewegung“ gesprochen hat, ist das Thema um den Klimaschutz wieder in den Hintergrund gerückt. „Keiner spricht mehr darüber, das ist schon wieder Schnee von gestern“, sagt der Pfarrer.

Mit seinem Kreativ-Workshop wollte er genau diesen Trend aufhalten und diejenigen, die sich bereits für das Thema interessieren, ermutigen, weiter zu machen und Klimaschutz in ihren Alltag zu integrieren. In der reformierten Gemeinde ist Klimaschutz kein junges Phänomen, denn der Unperfekt-Garten hinter dem Gemeindehaus wurde bereits vor einigen Jahren angelegt, um insbesondere Konfirmanden zurück zur Natur zu bringen. „In unserem Garten haben wir einen Apfelbaum gepflanzt, ernten eigene Kräuter und haben sogar einen eigenen Teich angelegt“, sagt der Pfarrer.

Sobald der Klimaschutz allerdings an der Bequemlichkeit kratzt, machen die meisten Menschen einen Schritt zurück. Diese Bequemlichkeit gilt es, zu durchbrechen, findet Dieter Jeschke. Er und seine Familie haben in der jungen Vergangenheit einige Veränderungen für ihren neuen Alltag vollzogen. „Ich habe auch nicht immer alles richtig gemacht und will aus dem Klimaschutz sowieso keine Ideologie machen. Das finde ich nämlich falsch“, sagt er. Er will seiner Gemeinde und auch den anderen Bürgern aus Radevormwald klar machen, was Klimaschutz für ihn bedeutet. „Für mich bedeutet Klimaschutz Ehrfurcht vor dem Leben. Wir müssen die Natur schätzen und ehrfürchtig vor ihr sein, genauso wie gegenüber unseren Mitmenschen und uns selber.“

Jeschke gibt einige Aspekte seiner Bequemlichkeit auf, um das Klima zu schützen. Das fängt mit dem Haushalt an. „Bei uns ist es zum Beispiel keine 22 Grad im Haus. Wir ziehen uns wärmer an“, sagt er. „Außerdem haben wir unseren Fleischkonsum stark eingeschränkt, machen viele Wege zu Fuß und lassen das Auto im Winter nicht laufen, damit es angenehm warm wird.“

Jeschke ist sich durchaus der Tatsache bewusst, dass einige Aspekte des Klimaschutzes emotional aufgeladen sind und sich die meisten Menschen nicht einschränken wollen. Über das Weltklima zu sprechen, hält er deshalb auch für noch viel wichtiger. Trotzdem ist er Realist. „Natürlich können wir die Welt nicht von Rade aus retten, solange andere Großmächte in der Welt nicht mitziehen. Es geht viel mehr um das Bewusstsein und den aufmerksamen Umgang mit der Umwelt“, sagt er. Der Versuch, diesen Diskurs mit dem Kreativ-Workshop aufrechtzuerhalten, hat nicht funktioniert, aber Durchhaltevermögen hat sich schon oft ausgezahlt. „Ich werde den Workshop noch einmal im Frühjahr anbieten. Außerdem bleibt der Unperfekt-Garten ein wichtiges Thema, und die Ehrfurcht vor der Natur wird in unserer Gemeinde immer wieder auftauchen“, sagt der Pfarrer.

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