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Radevormwalder Bürgerbus erzielt Klimaneutralität

Klimaziele in Radevormwald : Bürgerbus erzielt Klimaneutralität

Der Radevormwalder Bürgerbus hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Mobilität vor allem in den Außenbezirken der Stadt zu verbessern.

Es ist zwar nur ein rechnerischer Erfolg und kein physischer, aber trotzdem: „Als erster Bürgerbus in NRW kann der Radevormwalder Bürgerbus sich rühmen, klimaneutral zu fahren“, teilt der Verein über Sprecher Wolfgang Schneidewind mit. Während in der Politik Anfang des Jahres mehrere Parteien die Verwaltung beauftragt hätten, auch Verantwortung bei der Erreichung der Klimaziele zu tragen, habe der Bürgerbusverein der Bergstadt schon gehandelt. Mit Unterstützung der Stadtwerke Radevormwald hat der Verein einen freiwilligen Beitrag zur Wiedervernässung des Königsmoors im Kreis Rendsburg-Eckernförde und damit zum Klimaschutz geleistet.

„Da es in Radevormwald und im Umkreis keine ähnlichen Projekte gibt, hat man sich mit der Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein in Verbindung gesetzt und ein Zertifikat über einen Beitrag von sieben Tonnen zur CO2-Einsparung erhalten“, berichtet Schneidewind.

 Wolfgang Schneidewind ist Sprecher des Bürgerbusvereins.
Wolfgang Schneidewind ist Sprecher des Bürgerbusvereins. Foto: Jürgen Moll

Hintergrund: Wer zum Beispiel fliegt, verursacht einen Ausstoß des schädlichen CO2. „Hier kann man was tun und symbolisch Zertifikate kaufen, um damit die Umwelt zu schonen“, erläutert Schneidewind das Prozedere. Man kaufe sich praktisch für eine gewisse Menge CO2 frei und sorge somit für einen Ausgleich.

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Das ist natürlich ein rein symbolischer Akt, aber immerhin. Der jetzige Bürgerbus fährt mit Diesel, zwar nach neuestem technischem Fortschritt, erzeugt aber doch Immissionen. Auch wenn seit zwei Jahren der Dieselzusatzstoff AdBlue eingesetzt wird, um die Stickoxidwerte des Bürgerbusses zu senken. „Leider gibt es noch keinen erfolgreichen Bürgerbus mit Elektroantrieb. Der alte – noch vorhandene Bürgerbus – hat einen Erdgasantrieb und ist damit schon umweltfreundlicher. Allerdings hat sich diese Technologie nicht durchgesetzt, es werden keine Erdgas-Bürgerbusse mehr gebaut. Und die Erdgastankstelle der Stadtwerke Radevormwald bei der Tankstelle Krämer wurde vor einiger Zeit geschlossen“, berichtet Wolfgang schneidewind. Also könne der Bürgerbus Radevormwald dennoch für sich beanspruchen, etwas für die Klimaverbesserung zu tun. Nach seinen Informationen gebe es in Groß-Umstadt in Hessen ein ähnliches Projekt, ergänzt der Sprecher des hiesigen Bürgerbusvereins.

Symbolisch gesehen, sorge der Kauf des Zertifikats im Wert von knapp 500 Euro im Teufelsmoor also für eine bessere Luft. Diesel erzeuge zwar CO2, durch den Freikauf fahre man aber klimaneutraler, sagt Schneidewind.

Der Bürgerbus mit seinen ehrenamtlichen Fahrern habe es sich zur Aufgabe gemacht, die Mobilität vor allem in den Außenbezirken in Radevormwald zu verbessern – und das seit 2004 sehr erfolgreich. „Durch eine Fahrpreissenkung auf 1,50 Euro je Fahrt im April 2021 tut er etwas für den Geldbeutel. Und je mehr Fahrgäste den Bürgerbus nutzen, desto mehr kann auch auf Privatfahrten mit dem Auto verzichtet werden, also wird dadurch auch etwas für die Umwelt getan“, betont Wolfgang Schneidewind.

Alle sieben Jahre bekommt der Bürgerbusverein finanzielle Hilfe vom Land für den Kauf eines neuen Busses. Der Bus mit dem Erdgasantrieb dient dem Bürgerbusverein derzeit als Ersatzbus, der aber nur mit Benzin fährt und nicht mit Erdgas, weil dazu schlichtweg die Tankstelle in erreichbarer Nähe fehlt. „Früher haben wir ja auch noch Kaffeefahrten für Senioren angeboten und die Touren mit den Vorschulkindern von der Kita Kottenstraße nach Schloss Burg, was uns das Land aber untersagt hat, weil wir nur die regulären Strecken fahren dürfen“, sagt Schneidewind. Zu den Corona-Impfungen im Impfzentrum in Gummersbach durfte der Bürgerbus dann sehr wohl die älteren Bürger bringen. Und jetzt ganz aktuell gibt es auch den Hinweis des Landes, dass Flüchtlinge aus der Ukraine mit dem Bürgerbus überall hin transportiert werden dürfen.

Der Bürgerbusverein in Radevormwald hält das zwar für eine Ungerechtigkeit gegenüber den älteren Menschen, die nicht zu einer Kaffeefahrt abgeholt werden dürfen oder für die Kinder der Tagesstätte, für die damit nichts ehrenamtlich gemacht werden darf, „aber wir engagieren uns natürlich in der Ukraine-Hilfe und bringen die Flüchtlinge, die am Pastoratshof in Remlingrade untergebracht sind, mehrmals in der Woche zu Sprachkursen der Diakonie des Evangelischen Kirchenkreises Lennep und zu einem Selbsthilfetraining, bei dem es vor allem um den Umgang mit Behörden, mit Anträgen und um praktische Übungen für den Alltag geht“, berichtet Schneidewind.