Radevormwald : Hereinspaziert ins Mittelalter

Im Parc de Châteaubriant haben zum Stadtfest wieder Handwerker, Gaukler und Spielleute ihre Zelte aufgeschlagen.

Bunt und fantasievoll sind sie gewandet - die Beschicker des dritten Rader Mittelaltermarkts, der seit dem Feiertag Christi Himmelfahrt und noch bis zum Sonntag im Parc de Châteaubriant seine Zelte aufgeschlagen hat.

Sascha "Charlie" Kohlleppel im Jack-Sparrow-Piratenlook war schon bei Premiere vor zwei Jahren bei der 700-Jahr-Feier dabei. Es duftet nach Holzfeuer, überall sind in bunte und ausgefallene Kleider gehüllte Mittelalterfreunde zu sehen, und das Hämmern eines Schmieds durchbricht die mittägliche Ruhe. "Ich bin sehr gerne hier, die Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Werbering ist immer sehr unkompliziert - und im Lager unter den Beschickern läuft es immer sehr familiär ab", sagt Kohlleppel, der augenzwinkernd seinen Dreispitz-Hut gerade rückt und sagt: "Kann aber dennoch gut sein, dass der Piratenkapitän sich im Lauf der Tage noch mit dem einen oder anderen Nachwuchs-Piraten duellieren muss..."

 "Pan der Schmied" zeigt, wie früher Metall bearbeitet wurde. Ein besonderes Erlebnis für die Besucher des Mittelaltermarktes.
"Pan der Schmied" zeigt, wie früher Metall bearbeitet wurde. Ein besonderes Erlebnis für die Besucher des Mittelaltermarktes. Foto: Lena Hogekamp

Die Stimmung ist offensichtlich gut, auch wenn der Donnerstag als Marktauftakt wetterbedingt eher nicht so erfolgreich gewesen ist: "Es ist einfach zu kühl gewesen, das hat die meisten Leute wohl abgehalten", meint Svenja Schnurbusch. Die junge Mutter, die sich ihre kleine Tochter und ihren Sohn zur Verstärkung mitgebracht hat, ist zum ersten Mal auf dem Markt dabei: "Ich biete Filzen für Kinder an, aber da man dabei mit Seifenwasser arbeiten muss, war es den meisten Kindern am Donnerstag wohl zu kühl."

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Die Hückeswagenerin hat einen großen Korb mit vielen bunten Halbedelsteinen und einen noch größeren Korb mit Filzwolle mitgebracht: "Erst können sich die Kinder einen Stein aussuchen und ihn dann mit der Wolle umwickeln." Der Stein wird in die Wolle gelegt, das Ganze dann mit Seifenwasser durchtränkt und nach und nach entsteht dann durch Kneten und Rollen eine bunte Filzkugel - anstrengend, aber dennoch spaßig.

 Max Cassirer (4) hält eine selbstgemachte Filzkugel in der Hand.
Max Cassirer (4) hält eine selbstgemachte Filzkugel in der Hand. Foto: Hogekamp Lena

Ein Mittelaltermarkt ohne Essensstände funktioniert hingegen gar nicht. Und so riecht es etwa an der Hanfbäckerei von Stefanie Werle aus Kaiserslautern köstlich nach Gebratenem. "Unser Brot ist eine Mischung aus Hanf- und Weizenmehl - weil Hanfmehl alleine keine Bindung entwickelt", erzählt die Standinhaberin, die schon seit über zehn Jahren in ganz Deutschland mit ihrer Hanfbäckerei auf Märkten präsent ist. In langjährigen Experimenten habe sie in Zusammenarbeit mit einer Bäckerei die ideale Rezeptur für ihre Hanf-Fladenbrote entwickelt. "Befüllt werden die Fladen, ähnlich wie ein Döner, mit Putenfleisch, Salat und Zwiebeln. Dazu gibt es Hanfblätter, Hanfsamen und nach Wunsch Käse", zählt die Pfälzerin auf. Garniert wird die Hanftasche dann mit Bärlauch- oder Joghurtsoße. Angst vor berauschender Wirkung braucht niemand zu haben: "Unser Hanf wird geerntet, bevor sich der Rauschmittel-Wirkstoff THC bildet; das wird streng kontrolliert", sagt Werle.

Wieder drüben im Lager können Kinder sich auf dem eigens selbst gebauten Kinderkarussell vergnügen, das mit seinen Pferdefiguren und dem liebevoll gespannten Zeltdach einen niedlichen Eindruck erweckt. Neben dem Schmied, der sein Feuerchen mit einem radbetriebenen Blasebalg in Gang hält, sind Karin und Janina Dünner mit jeder Menge Schafswolle vertreten. "Wir sprechen die Schafhirten in der Region an und die überlassen uns gerne ihre Schurwolle - denn dafür bekommen sie heute kein Geld mehr", sagt Karin Dünner. Dem Publikum wollen die Beiden näherbringen, wie viele Schritte nötig sind, um von der Wolle zum Paar Socken oder zum Umhängetuch zu kommen: "Das ist den meisten Menschen nicht klar - wenn sie aber gesehen haben, wie man die Wolle bearbeiten muss, damit man sie verstricken kann, wird deutlich, wie viel Arbeit wirklich dahinter steckt."

Am Samstag und Sonntag ist der Mittelaltermarkt von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

(wow)