Kulturelles Leben in Radevormwald Den Tuchmachern auf die Spur kommen

Dahlerau · Die Ehrenamtler im Wülfingmuseum sorgen nach der Pandemie für engagierten Neustart – mit Sonderausstellung und Aktionstagen. Dringend benötigt sind weitere Unterstützer.

 Norbert Benner (links) erklärte am Sonntag den Besuchern im Wülfingmuseum die Funktionsweise des Jacquard-Webstuhls.

Norbert Benner (links) erklärte am Sonntag den Besuchern im Wülfingmuseum die Funktionsweise des Jacquard-Webstuhls.

Foto: Jürgen Moll

Auf der Wupper thronen kleine Schaumhauben. Das Wasser ist kaum zu erkennen unter der weißen Schicht. „Heute unvorstellbar“, sagt Peter Dominick und deutet auf das Foto, das Ende der 1960er Jahre aufgenommen wurde. Im stattlichen Archiv des Heimatforschers finden sich etliche Fotos, die dem Betrachter eine Ahnung davon ermöglichen, welche Rolle das Wasser in der Textilindustrie spielte und welchen Belastungen es ausgesetzt war.

Jetzt ermöglicht Peter Dominick auch den Besuchern des Wülfingmuseums einen Einblick in die Kraft des Wassers und hat für eine kleine Sonderausstellung markante Bilder und Informationen zusammengestellt. Dazu gehört die aufgeschäumte Wupper genauso wie ein altes Aquarell, das die aufgestellten Tuchtrockenrahmen vor der alten Fabrik zeigt. Es finden sich auch Aufnahmen aus der alten Wäscherei genauso wie Fotos von ungewöhnlichen Waschmaschinen der Textilindustrie. Und wer sich die Zeit nimmt, der entdeckt auch Zeichnungen, die daran erinnern, wie Industriebetriebe ohne Flussanbindung mit dem Wasserthema umgingen.

Wer genau hinsieht, kann sich auch auf eine Spurensuche in den heimischen Wäldern machen. „Hier sind die Spuren der Wassernutzung in der Textilindustrie noch deutlich sichtbar“, sagt Dominick und denkt an alte Wassertürme und überwucherte Mauern an der Uelfe-Mündung.

Die kleine Sonderausstellung, die seit vergangenem Sonntag im Wülfingmuseum zu sehen ist, gehört zu einer ganzen Reihe von Aktionen, die die Ehrenamtlichen nach den Einschränkungen der Pandemie auf den Weg gebracht haben. „Wie viele Akteure im Kulturbereich, haben wir sehr unter Corona gelitten“, erzählt Karola Johnen, zweite Vorsitzende des Museumsvereins. „Ohne den Cafébetrieb hätten wir das wohl nicht überstanden“.

Damit sich die Menschen nun wieder ins Museum eingeladen fühlen, haben die Ehrenamtlichen noch eine Schüppe drauf gelegt – trotz der ohnehin engen personellen Kapazitäten. „Wir wünschen uns, dass die regelmäßigen Sonderausstellungen im vorderen Bereich des Museums auch Menschen ins Haus bringen, die schon häufiger hier waren“, sagt Karola Johnen. Indem der Verein immer neue Möglichkeiten zum Entdecken und Stöbern schaffe, hoffe man, interessant bleiben zu können.

In diesem Sinne haben die Ehrenamtlichen auch Aktionstage ins Leben gerufen: Jeweils einen Sonntag lang widmen sie einem Bereich der bunten Ausstellung einen Schwerpunkt. „Wir bieten dann Sonderführungen an“, erzählt Karola Johnen.

Am vergangenen Sonntag drehte sich im Wülfingmuseum dann alles um Textildesign und die Weberei. Um 11.30, 13.30 und 15.30 Uhr starteten kleine Führungen mit den Fachleuten – mit vielen Gelegenheiten, um auch die eigenen Fragen zu stellen. Kurt Kadletz nahm die Besuchergruppen mit auf einen Rundgang, an dessen Ende sich die Gäste eine Vorstellung über Designmöglichkeiten in der Textilfabrik machen konnten. Und Norbert Benner gab den Interessierten einen Einblick in die Weberei.

„Das Besondere ist und bleibt die Authentizität, die in unseren Führungen spürbar wird“, sagt Karola Johnen. Es seien viele Ehrenamtliche im Einsatz, die einst selbst lange in der Fabrik gearbeitet hätten. Andere seien seit Jahrzehnten für das Thema begeistert. „Unser gemeinsamer Wunsch ist es, den Besuchern eine Ahnung davon zu vermitteln, was die Industrie für diesen Ort bedeutet hat“, sagt Johnen. Die selbsterklärende Ausstellung bekomme an den Aktionstagen eine weitere Dimension – dank der engagierten Museumsführer.

Bis Oktober finden noch zwei Aktionstage statt. Ganz bewusst setze man dabei auch auf die gute Kooperation mit dem Wasserkraftwerk Dahlhausen und dem Tuchmuseum in Lennep. „Wir gehören schließlich zur gleichen Tradition“, sagt Karola Johnen.

Um den Museumsbetrieb und das Café im Wülfingmuseum auch künftig am Leben erhalten zu können, sucht der Museumsverein nun dringend nach ehrenamtlicher Unterstützung: „Wir sind für jede Hilfe dankbar“, betont Karola Johnen. Auch, wer nur einen Sonntag im Monat im Café helfen könne, sei herzlich willkommen. Die zweite Vorsitzende betont: „Wir freuen uns über jeden, der Teil unserer großen Museumsfamilie werden möchte.“

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