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Radevormwald: Wie Trauerbegleitung Kindern helfen kann

Trauerarbeit in Radevormwald : Kinder in ihrer Trauer wahrnehmen

14 Frauen und Männer aus Radevormwald, Remscheid und Wermelskirchen haben einen Kursus als Trauerbegleiter für Kinder gemacht. Fünf davon gehören zum Ökumenischen Hospiz in Radevormwald.

Trauer hat viele Gesichter. Und auch wenn es eigentlich nicht vorkommen sollte, müssen auch Kinder mit dem Tod – und damit eben auch mit der Trauer – ihre Erfahrungen machen. Um ein Elternteil, um die Großeltern oder auch um Bruder oder Schwester. Der Ökumenische Hospizverein Radevormwald hat zusammen mit den Vereinen in Remscheid und Wermelskirchen – dem Netzwerk Ambulante Hospizarbeit – vor einigen Wochen einen Kursus speziell für die Trauerbegleitung von Kindern angeboten. Von den 14 Teilnehmenden waren fünf aus Radevormwald. Darunter mit Andrea Fürst eine der beiden Koordinatorinnen – ihre Kollegin ist Marina Weidner – des Vereins. Und Gerhard Mosner. Der 69-jährige pensionierte evangelische Pastor ist seit drei Jahren im Radevormwalder Verein als Sterbebegleiter aktiv und hat nun die Weiterbildung als Trauerbegleiter für Kinder gemacht.

Mosner war auch vor seinem ersten Befähigungskursus vor drei Jahren kein absoluter Neuling. „Als Pastor habe ich viel in Krankenhäusern und Pflegeheimen gearbeitet und dazu vor zehn Jahren in Remscheid bereits den Befähigungsschein gemacht“, sagt er. Nachdem er in den Ruhestand gegangen sei, habe er beschlossen, sein Wissen aufzufrischen. Der Weg, dann auch mit Kindern zu arbeiten, sei dann recht naheliegend gewesen. Der größte Unterschied in der Herangehensweise zwischen trauernden Kindern und Erwachsenen sei dieser: „Bei Erwachsenen versuchen wir vor allen Dingen ins Gespräch zu kommen. Das geht bei Kindern natürlich nicht immer so einfach“, sagt der 69-Jährige.

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In 80 Unterrichtsstunden haben die Teilnehmenden gelernt, wie man den Zugang zu trauernden Kindern finden kann. „Wir werden nach den Sommerferien eine Gruppe für Grundschulkinder anbieten. Darin werden wir über Rituale versuchen, die Kinder zu erreichen und ihrer Trauer Raum zu geben“, sagt Mosner. Er habe dabei etwa ein Kartenset – die sogenannten Gefühlsmonsterkarten – im Sinn. „Damit können die Kinder über die Karten zeigen, wie es ihnen geht. Ich könnte mir auch die Arbeit mit Handpuppen vorstellen“, sagt der 69-Jährige. Die Gruppe trifft sich erstmals am 19. September in den Räumlichkeiten der Freien Evangelischen Gemeinde Hasenberg in Lennep. „Das ist ein relativ zentraler Ort für die drei Hospize, die beteiligt sind“, sagt Andrea Fürst.

In der Gruppe seien die Trauerbegleitenden nicht alleine. „Das ist auch gut so, denn wir wissen ja nicht genau, wie die Kinder reagieren werden – und bis zu acht Kinder können teilnehmen, da sollte man nicht alleine sein“, sagt die Koordinatorin. Zumal auch Eltern mitkommen können und sollen. Daher würden sich zwei Trauerbegleitende um die Kinder kümmern und eine dritte Person sei für die Erwachsenen ansprechbar. Ein wichtiges Thema sei dabei die eigene Psychohygiene – schließlich sei nicht ausgeschlossen, dass es belastende Momente gebe. „Wir haben sowohl Supervision im Verein als auch Intervision untereinander. Ich denke, dass wir daher ganz gut vorbereitet in die Gruppen gehen werden“, sagt Mosner. Im Moment herrsche bei ihm deswegen auch noch Gelassenheit vor. „Es ist ja auch noch ein wenig hin bis Mitte September“, ergänzt der 69-Jährige schmunzelnd.

Im Vorfeld, sozusagen als Vorbereitung auf die Trauergruppe, wird es am Samstag, 27. August, einen Begegnungstag auf dem Herzwurzelhof von Grit Glöckner-Kolodziej in Hückeswagen geben. In der Zeit von 14 bis 17 Uhr können die Kinder den Hof und die vielen tierischen Bewohner kennenlernen, während sich die Erwachsenen mit den ehrenamtlich Mitarbeitenden des Hospizvereins über die Angebote der Trauerbegleitung austauschen können. An den Treffen der Gruppe können maximal acht Kinder teilnehmen, wenn sie in ähnlichem Alter seien, sagt Andrea Fürst. „Größer sollen die Gruppen keinesfalls sein, und wenn sie vom Alter her nicht homogen sind, wäre eine Aufteilung sehr sinnvoll.“ Die Gruppe wird sich einmal im Monat in der Zeit von 16 bis 18 Uhr treffen, für Erwachsenen und Kinder ist die Teilnahme kostenlos. Finanziert werde die Arbeit neben der ehrenamtlichen Tätigkeit vor allem über Spenden.