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Radevormwald: Wie geht es mit dem bergischen Wald weiter?

Forstwirtschaft und Naturschutz : Experten beraten: Wie geht es mit dem bergischen Wald weiter?

Waldbesitzer, Naturschützer, der Landesbetrieb und Vertreter der Kommunen sprachen bei einer Online-Tagung darüber, wie der stark geschädigte Wald wieder aufgewertet werden kann. Dabei sollen wirtschaftliche Ziele ebenso erreicht werden wie jene des Umweltschutzes und der Naherholung.

Der Oberbergische Kreis hatte nun nach der großen Resonanz auf die erste Waldtagung im Februar 2020 auf Schloss Homburg, zu einer Online-Waldkonferenz eingeladen. Rund 50 Vertretende verschiedener Waldbesitzarten, der Naturschutzverbände, der Jagd, der Biologischen Station und von Verwaltungen nahmen teil, um sich auszutauschen.

Landrat Jochen Hagt fasste zu Beginn der Online-Konferenz die Herausforderungen beim Erhalt der heimischen Wälder zusammen: „Jeden Tag verschwindet im Oberbergischen Kreis ein Stück Fichtenwald mehr. Die Folgen von Trockenheit, Hitze, Borkenkäfer-Befall und Stürmen sind unübersehbar.“

Für die Gruppe der rund 8000 privaten Waldbesitzer in der Region forderten Eckhard Schulte (Forstwirtschaftliche Vereinigung Bergisches Land) und Berno Freiherr von Landsberg-Velen (Holzkontor Rhein-Berg-Siegerland GmbH) eine unbürokratische Förderung der Wiederaufforstung. Auch die individuellen finanziellen Möglichkeiten der Waldbesitzer müssten dabei berücksichtigt werden, „um auf den Schadflächen klimastabile Mischwälder mit bis zu 80 Prozent Nadelhölzern für eine wirtschaftliche Perspektive zu entwickeln.“

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Dr. Gero Karthaus, Bürgermeister der Gemeinde Engelskirchen und Sprecher der Oberbergischen Bürgermeister, verwies auf die besondere Funktion der Wälder in den Kommunen: „Wir erhoffen uns einen Wald, der in 50 Jahren neben seinen ökologischen Funktionen auch noch Möglichkeiten zur Erholung bietet.“ Auch die Vertreterin der Naturschutzverbände, Christine Meyer-Cords (NABU Oberberg), forderte eine Naturverjüngung: „Wir brauchen vielfältige Wälder mit vielen Laubbäumen.“ Manfred Kind, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Oberberg, forderte ein Waldkonzept, in das auch die Lebensraumansprüche der heimischen Wildtiere einbezogen werden. „Mehr Spaziergänger, Wanderer, Hunde und Crossbiker im Wald verursachen Stress beim Wild. Es braucht Ruhezonen.“

Als Vertreter des Landesbetriebes Wald und Holz setzte sich Kay Boenig für klimastabile Mischwälder ein. Auch er betonte, dass es wichtig sei, dass der Wald weiterhin „multifunktional genutzt wird“. Er empfahl einen schonenden Umgang mit den Schadflächen, „Kleinstrukturen auf den Flächen zu belassen, keine vollflächigen Räumungen und die Wiederbewaldung mit mindestens vier standortgerechten Baumarten unter Einbeziehung von Pionierbaumarten und natürlicher Verjüngung. Ergänzend sagte Dr. Bernd Freymann, Biologische Station Oberberg, dass die Wahl der Baumarten passend für den jeweiligen Standort erfolgen müsse. Dabei sollten bevorzugt heimische Baumarten eingesetzt werden, vor allem in den Naturschutzgebieten. „Denn mit der Veränderung des Waldes verändert sich auch das Verbreitungsmuster von Vögeln und Insekten“. Schon jetzt hätten viele Vögel die Freiflächen erobert, ergänzte Heinz Kowalski, Vorsitzender des Naturschutzbeirates. Das Ökosystem Wald sei „eben nicht nur Holzproduktion“. Er lobte die „vorbildliche Weiterentwicklung des Kreiswaldes“ und betonte die emotionale Bedeutung der Zukunftssicherung des Waldes: „Die Menschen im Oberbergischen brauchen Orientierung wie es mit dem heimischen Wald weitergeht.“

Nach der Konferenz schienen die Positionen der unterschiedlichen Akteure nicht unüberbrückbar zu sein. Daher gründet sich jetzt ein Arbeitskreis als Modellprojekt zwischen Forstwirtschaft und Naturschutz - analog zu der Modellregion „Landwirtschaft und Naturschutz“ im Oberbergischen Kreis.

(s-g)