Radevormwald: Wie geht es den Bauern in der Dürre?

Hitzewelle macht Landwirten Sorge : Wie die Dürre die Rader Bauern trifft

Auch in Radevormwald leiden Betriebe unter der Dürre. Ortslandwirt Holger Gesenberg glaubt derzeit nicht, dass Existenzen in Gefahr geraten werden. „Finanzielle Verluste wird es aber auf jeden Fall geben“, sagt er.

Hitzewelle und Dürre bestimmen die Schlagzeilen in diesen Wochen. Für eine Berufsgruppe ist diese Witterung nicht nur lästig und schweißtreibend, sie kann sogar die Existenz bedrohen. Schon ist in der Politik die Rede von finanziellen Hilfen der öffentlichen Hand für betroffene Landwirte.

Auch Holger Gesenberg, Ortslandwirt in Radevormwald, spürt die Folgen des Wetters in seiner Milchwirtschaft. „Die Weide ist nur noch eine Steppe. Wir müssen unsere Rinder inzwischen mit Futter versorgen, das eigentlich für den Winter gedacht war. Ich kann mich nicht erinnern, dass so etwas schon einmal passiert ist.“ Die Kühe auf Gesenbergs Hof können sich bei der Sonne zum Glück in den Schatten von Bäumen zurückziehen. „Ich kenne aber auch Kollegen, die ihre Tiere nur noch nachts auf die Weide lassen.“

Trotzdem will Holger Gesenberg die Lage nicht dramatisieren. Er weiß, dass Landwirte im Ruf stehen, genau dies zu tun. „Neulich habe ich mich im Urlaub mit jemanden unterhalten, und als er hörte, dass ich Landwirt bin, meinte er: ,Na, ihr beschwert euch ja immer Wenn es regnet, beklagt ihr euch, wenn die Sonne scheint, beklagt ihr euch auch’“, erzählt Gesenberg. „Hier in Radevormwald und im Oberbergischen Kreis ist die Situation, wenn man sie mit anderen Regionen vergleicht, nicht ganz so kritisch. Es gibt hier auch nicht viele Landwirte, die Getreide anbauen.“ Ab und zu komme ja zum Glück auch ein Regenschauer herab. Anderswo hätten die Bauern seit Wochen keinen einzigen Tropfen Regen mehr gesehen. „Bei uns war der erste Schnitt Gras gut, der zweite auch“, berichtet der Milchbauer. Nun freilich sei die Lage anders.

Ob die Politik sich dazu bewegen lässt, die am schlimmsten betroffenen Bauern zu unterstützen, ist derweil noch unklar. Dies hatte Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied gefordert. Es drohten Milliardenverluste und Ernteausfälle bis zu 70 Prozent. Zum letzten Mal habe es eine solche Hitze- und Trockenperiode in Nordrhein-Westfalen vor 15 Jahren gegeben, erklärte jüngst die Landesumweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU): „Doch Klimaexpertinnen und Klimaexperten gehen davon aus, dass solche Extremwetterlagen in Zukunft häufiger auftreten werden.“ Keine schönen Aussichten für die Branche.

Dass landwirtschaftliche Betriebe auf Radevormwalder Gebiet oder in der Umgebung in ernsthafte existenzielle Nöte geraten werden, hält Ortslandwirt Holger Gesenberg zurzeit für unwahrscheinlich. Finanzielle Einbußen werde es jedoch zweifellos geben. „Bei diesem heißen Wetter geben die Kühe weniger Milch“, sagt er. „Finanzielle Verluste wird es auf jeden Fall geben.“ Aber vielleicht bewirke der Rückgang der Milchproduktion auch, dass die Preise für dieses Naturprodukt wieder steigen.

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