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Radevormwald: Wie die Kläranlage das Wupperwasser wieder sauber macht

Wupperverband lädt ein : So wird Wupperwasser wieder sauber

Das Klärwerk in Radevormwald öffnete am Samstag seine Pforten. Familien blickten hinter die Kulissen der Wasserreinigung.

Am Rand von Radevormwald wird nicht nur das Abwasser der Stadt auf der Höhe gereinigt, sondern auch von den Remscheider Stadtteilen Lennep und Bergisch Born. Das Einzugsgebiet ist groß und der Wupperverband der Betreiber der Kläranlage. Weil der Verband in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag feiert, öffnet er seine Anlagen für Besuchergruppen aus der Region. „Wir wollen unsere Arbeit und unsere Anlagen in dem Jubiläumsjahr vorstellen, damit die Aufgaben, die der Wupperverband abdeckt, noch klarer werden“, sagt Frank Schmidt, der Betriebsleiter.

Der Einladung folgten am Samstagvormittag zwei Besuchergruppen, die zunächst mit dem Aufbau und der Historie des Wupperverbandes vertraut gemacht wurden. Danach erkundete die erste Gruppe mit Marlen Kreckel die Kläranlage. Sie arbeitet seit über zehn Jahren für den Wupperverband und ist seit kurzem auch Ausbilderin.

Auf der Kläranlage kennt sie sich sehr gut aus. Mit einem eindrucksvollen Beispiel begrüßte sie die Besucher. „So kommt das Wasser bei uns an, und so kommt es wieder in die Wupper“, sagt sie. Zu sehen waren zwei Wasserbehälter. Der eine braun und dreckig, der andere klar. „Trinkwasserqualität ist das nicht, aber es ist nah dran. Das Wasser ist sauber, hat aber noch Bakterien, die es in Trinkwasser nicht gibt“, sagt Marlen Kreckel.

Nach diesem ersten Eindruck machte sie sich mit den neugierigen Besuchern auf den Weg zum Rechenhaus. Auf dem Weg dorthin wurde ein kurzer Stopp an dem Zulauf der Kläranlage eingelegt. „Am Tag werden in unserer Anlage durchschnittlich 18.000 Kubikmeter Wasser gereinigt. Hier kommt das Abwasser von Privathaushalten, aber auch aus der Industrie, an.“

In das Rechenhaus wagten sich am Samstag nur die mutigen Besucher. „Vorsicht, hier stinkt es. Denn hier werden alle groben Teile des Abwassers abgefangen, wie Binden, Toilettenpapier und Essensreste.“ Die meisten riskierten nur einen kurzen Blick in Haus, das sich um die erste Stufe der Abwasserreinigung kümmert. Das Rechengut wird aber nicht nur abgefangen, um entsorgt zu werden. Der Wupperverband bemüht sich, aus allen Teilen des Abwassers etwas Neues zu gewinnen und achtsam mit allen Bestandteilen umzugehen. „Der Grobrechen rettet Teile, die wir anschließend reinigen, um wichtige Kohlenstoffverbindungen aus ihnen zurückzugewinnen, die wir an anderer Stelle gebrauchen können.“

Marlen Kreckel zeigte ihren Besuchern dann den Sandfänger, an den sich die biologische Reinigung des Wassers anschließt. Dort wird das Wasser von knapp 70.000 Einwohnern aufbereitet. Eine biologische Reinigung hatte die Kläranlage nicht immer. Mit der jüngsten Sanierung, die von 1998 bis 2008 gedauert hat, ist die Kläranlage aber den für Europa geltenden Anforderungen gerecht geworden. Die biologische Reinigungsstufe wurde um die Belebungsstufe ergänzt. Kleinstlebewesen wie Bakterien, verwerten gelöste Schmutzstoffe unter der Zufuhr von Sauerstoff für ihren Stoffwechsel. Ein Volumen von knapp 20.000 Kubikmetern steht für die Belebung zur Verfügung.

Nach der Besichtigung der Belebungsbecken führte Marlen Kreckel die Besucher noch in den Bereich der Faulung. Beeindruckt waren alle Teilnehmer davon, wie viel aus dem Schmutz des Wasser gewonnen wird. Auch der Schlamm wird nicht einfach weggeschmissen. „Wir können ihn verbrennen und so Energie gewinnen.“

Insgesamt betreibt der Wupperverband elf Kläranlagen und hat es in den vergangenen Jahrzehnten geschafft die Wupper wieder zu einem sauberen und lebendigen Fluss zu machen, in dem sich Lachse und Biber angesiedelt haben.