Radevormwald: Wie die Feuerwehr einst als Weintransporteur einspringen musste

Historisches Kuriosum in Radevormwald : Als die Feuerwehr Wein transportierte

Die Freiwillige Feuerwehr half 1955 bei Weintransporten mit. Was vor mehr als 60 Jahren passiert ist, hat Lutz Aldermann herausgefunden.

„Feuerwehr – Mädchen für alles“ titelte die Bergische Morgenpost vor mehr als 60 Jahren, denn der Redakteur Hans Aldermann berichtete über einen ungewöhnlichen Weintransport, der innerhalb von Rade stattgefunden hat. Lutz Aldermann ist in dem Archiv seines Vaters auf die Berichterstattung gestoßen. Er hat die Informationen über die Ereignisse, die sich rund um einen Lieferwagon, gefüllt mit 15.000 Liter Wein, ereigneten, zusammengetragen. „Ich habe wie immer in dem Archiv gestöbert und war auf der Suche nach einer ganz anderen Geschichte, als mich die ungewöhnliche Überschrift aufmerksam machte“, sagt der Radevormwalder. Er verwaltet das Zeitungsarchiv seines Vaters mit viel Hingabe und stößt immer wieder auf Geschichten aus seiner Heimatstadt, die weitergetragen werden sollen und in der Bevölkerung für Anekdoten und Gespräch sorgen.

In den historischen Zeitungsartikeln ist nachzulesen, dass es drei Weintransporte der ungewöhnlichen Art gegeben hat, im Mai 1954, im Juni 1955 sowie im Mai 1956. Aus Frankreich kamen jeweils 15.000 Liter Wein nach Rade. Der Tankwagen stand zunächst tagelang auf dem Abstellgleis des Radevormwalder Bahnhofes, denn der Transport vom Bahnhof zur Brennerei Hasenburg stellte die Verantwortlichen vor ein Problem. Kurzer Hand sprang die Freiwillige Feuerwehr der Stadt ein, die schon damals gut aufgestellt war. „So etwas wäre heutzutage natürlich undenkbar. Das Ereignis zeigt, wie Probleme damals gelöst wurden. Da war Nachbarschaftshilfe noch ein bisschen anders aufgestellt“, sagt Aldermann. „Der Transport mit großen Behältern und Lastwagen wäre nicht nur umständlich, sondern auch der Zoll hätte seine Bedenken angemeldet“, berichtete die BM. Also legten die Kameraden der Feuerwehr eine direkte Verbindung vom Bahnhof in die Brennerei. Kleine Behinderungen verursachte die Schlauchleitung lediglich für den Verkehr auf der Kaiserstraße sowie auf der Blumenstraße. „Alle Autos wurden über eine Schlauchbrücke umgeleitet. Davon gibt es noch Augenzeugen. Das war natürlich ein wahnsinniges Spektakel für alle, die davon gewusst haben“, sagt Lutz Aldermann. Die Idee der Feuerwehr ging auf und wurde unter strenger Kontrolle der Zollbeamten durchgeführt. Dass Wein abgezweigt wurde, war unter dieser Beaufsichtigung unmöglich.

So berichtete die Bergische Morgenpost seinerzeit über den kuriosen und spektakulären Vorgang. Foto: Archiv Lutz Aldermann

Von der Feuerwehr wurde das Löschfahrzeug 25, Baujahr 1941, eingesetzt, das damals mit dem KFZ-Kennzeichen der britischen Zone ausgestattet war. „Die Pumpe hatte eine Förderleistung von 2500 Liter pro Minute. Aber bei dieser Leistung wären wahrscheinlich die Schläuche geplatzt“, hat Lutz Aldermann die technischen Daten recherchiert. Geleitet wurden die Einsätze wahrscheinlich von Oberbrandmeister Alex Knipping, der für die Einheit Stadt verantwortlich war und hauptberuflich die Metzgerei am Marktplatz betrieben hat. Damals lag das Feuerwehrgerätehaus hinter dem Rathaus.

Nachdem Aldermann auf die ungewöhnlichen Weintransporte aufmerksam geworden ist, hat er sich auch auf die Suche nach Zeugen gemacht. Einer davon ist Klaus Vorberg, der damals für die Einheit Herbeck tätig war.

Mehr von RP ONLINE