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Radevormwald: Wie der Trägerverein für Senioren mit der Corona-Krise umgeht

Seniorenbetreuung in Radevormwald : „Durch Corona ist auf einmal alles anders“

Kyra Springer ist Koordinatorin des Trägervereins „aktiv55plus“. Sie berichtet, wie sich die Arbeit für Senioren verändert hat. Inzwischen können einige Angebote wieder stattfinden.

Die Corona-Fallzahlen steigen in diesen Tagen wieder auf dramatische Weise. Für Kyra Springer ist das ein Deja-Vu – die Koordinatorin von „aktiv55plus“ hat noch sehr präsent, wie im Frühjahr das Virus auch die Arbeit des Trägervereins vorübergehend stark beeinträchtigte.

„aktiv55plus“ kümmert sich vor allem um die Belange von Senioren, und diese gelten bekanntlich als durch das Virus SARS CoV-2 besonders gefährdet. „Auf einmal war alles anders“, sagt Springer im Rückblick. Einer der ersten Schritte, den die Koordinatorin und ihre Mitstreiter unternahmen, war es, ihre Klienten aufzulisten und zu prüfen, wer in der Situation des Lockdowns besondere Hilfe brauchte. Menschen, die sich gut selber versorgen konnten oder Hilfe von Angehörigen haben, erhielten die Farbe Grün. Die Farbe Gelb erhielten jene Fälle, bei denen die Lage schon problematischer waren, bei den Fällen mit der Farbe Rot bestand das Risiko, dass es mit der alltäglichen Versorgung eng werden könnten. „Diese Fälle haben wir zuerst angerufen, dann die ,gelben’ Fälle“, berichtet Springer.

Aus den Gesprächen habe sich dann vieles ergeben: die Einrichtung eines Einkaufsservices, Hilfe bei der Besorgung von Medikamenten und auch das Angebot, Telefongespräche zu führen, die nicht unbedingt mit der Corona-Pandemie zu tun haben müssen – „einfach mal reden“ lautet das Motto dieser Aktion, bei der auch die lutherische Kirchengemeinde mit im Boot ist. „Bei Menschen, die Krieg und Vertreibung erlebt haben, bringen solche Krisensituationen wieder schlimme Erinnerungen ins Gedächtnis“, schildert Springer ihre Erfahrungen aus den Gesprächen. Da tue es gut, mit einem freundlichen Menschen darüber sprechen zu können.

Überhaupt: Was den Einsatz der Ehrenamtler angeht, kommt Springer geradezu ins Schwärmen. „Wir haben so tolle Unterstützer, das muss ich immer wieder sagen.“ Mit Einfallsreichtum seien Probleme gelöst worden, als beispielsweise bei der Wiederaufnahme des Reparatur-Treffs eine Trennwand aus Acrylglas beschafft werden musste, gab es Lieferprobleme, denn der Bedarf war überall hoch. „Einer unserer Ehrenamtler hat dann aus einer Duschwand eine solche Trennwand hergestellt, die bruchsicher ist und sich hin und her rollen lässt.“ Eine weitere Unterstützerin habe sich bereit erklärt, beim Neustart der Handy-Sprechstunde die notwendigen Hygiene-Maßnahmen zu übernehmen, beispielsweise immer wieder die Tische zu desinfizieren.

Das alles war notwendig, damit der Trägerverein seine regelmäßigen Veranstaltungen wieder anbieten konnte, auch die Demenz-Selbsthilfegruppe. Wie groß der Bedarf war, merkten Kyra Springer und ihr Team, als unter Auflagen wieder dieses Treffen stattfinden konnte. „Ich hatte nicht mit vielen Teilnehmern gerechnet, aber es waren alle da – alle!“, erklärt sie bewegt.

Ein großes Lob spendet die Koordinatorin auch den Mitarbeitern des Radevormwald Ordnungsamtes, die stets geduldig und hilfsbereit gewesen seien, wenn es etwas zu regeln gab. „Ich könnte dort immer anrufen und auch mal dumme Fragen stellen“, erinnert sich Springer. Auch Volker Grossmann, der Leiter des Sozialamtes, habe daran mitgewirkt, die regelmäßigen Veranstaltungen des Trägervereins wieder neu zu starten. Im Rahmen der Handy- und Smartphone-Sprechstunde beriet das Team von „aktiv55plus“ die Senioren auch bei der Installation der Corona-App.

Noch sind nicht alle Veranstaltungen, die der Trägerverein regelmäßig angeboten hat, wieder im Gange. „Die Wiederaufnahme des Treffens für Alleinstehende bereiten wir noch vor“, berichtet Springer. Die COPD-Gruppe für Menschen mit Atemwegsleiden pausiere ebenfalls noch.