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Radevormwald: Wehrführer nimmt Abschied

Feuerwehr-Chef Wilfried Fischer wechselt von Radevormwald zum Kreis : „Als wir löschten, kam es zur Explosion“

Der Radevormwalder Wehrführer wechselt ab dem 1. August als Kreisbrandmeister nach Gummersbach.

Herr Fischer, wann werden Sie das Amt des Kreisbrandmeisters übernehmen?

Wilfried Fischer Das wird am 1 August sein. Der Kreistag hatte meine Berufung in das Amt Ende Juni einstimmig bestätigt.

Sie werden der erste hauptamtliche Kreisbrandmeister in Oberberg sein? Wie kommt es dazu?

 Seit 21 Jahren ist Wilfried Fischer Wehrführer in Radevormwald. Sein Sohn ist Feuerwehrmann in vierter Generation.
Seit 21 Jahren ist Wilfried Fischer Wehrführer in Radevormwald. Sein Sohn ist Feuerwehrmann in vierter Generation. Foto: Wolfgang Scholl

Fischer Die Anforderungen, die mit diesem Amt verbunden sind, können als Ehrenamtler nicht mehr gestemmt werden. Zu dieser Erkenntnis ist man in viele Kommunen und Kreisen gekommen, dort werden diese Stellen neu geschaffen.

Sie sind ja bereits jetzt beruflich im Thema Brandbekämpfung tätig?

Fischer Richtig, beim Oberbergischen Kreis im Amt für Brand- und Bevölkerungsschutz und Rettungsdienst in Gummersbach.

Welche Aufgaben führen sie dort aus?

Fischer Ich gebe beispielsweise Stellungnahmen über den abwehrenden Brandschutz bei neuen oder umgebaute Gebäude ab. Hierbei werden Brandschutzkonzepte von Brandschutzsachverständigen von mir geprüft. Alle drei bis sechs Jahre werden auch bestehende Gebäude geprüft. Dabei geht es um Fragen wie: Ist genug Platz da, damit die Feuerwehr anfahren kann? Gibt es den Zugang zu ausreichend Löschwasser? Welche Rettungswege gibt es. und sind diese ausreichend?

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Sie waren mehr als 20 Jahre lang Wehrführer in Radevormwald. Können Sie sich an  einen besonders spektakulären Einsatz erinnern?

Fischer Direkt zu Beginn meiner Zeit als Wehrführer wurden wir zu einem Brand in einer Härterei gerufen. Wir wussten nicht, dass dort Reparaturen an Öfen stattfanden und offene Ölbecken wie auch Flaschen mit Ammoniak gelagert waren. Es kam zu einer thermischen Reaktion, bei der Wasserstoff entstand, ein explosiver Stoff. Als wir mit dem Löschwasser in den Brand reinhielten, gab es , große Explosionen und riesige Flammenpilze. Passiert ist zum Glück niemandem etwas.

Was hat sich Ihnen noch eingeprägt?

Fischer Die Unfälle, bei denen es Tote gab, darunter auch jüngere Menschen, das vergißt man nicht. Besonders denke ich hier an das Busunglück im Jahr 2009.

Als das furchtbare Eisenbahnunglück bei Dahlerau passierte, waren Sie noch jung.

Fischer Ich war noch ein Kind. Ich weiß noch wie mein Vater, der ebenfalls Einheitsführer einer Löscheinheit damals war, nach Hause kam und uns davon erzählte.

Das bringt mich auf die Tradition, die offenbar in der Rader Wehr besonders hoch gehalten wird. In vielen Familien wird der Dienst quasi vererbt.

Fischer Das stimmt, und in meiner eigenen Familie war es ebenso. Mit meinem Sohn ist inzwischen die vierte Generation bei der Feuerwehr aktiv.

Diese starke Bindung ist beruhigend, wenn man immer wieder davon hört, dass viele Löschzüge verzweifelt Nachwuchs suchen.

Fischer In diesem Punkt scheint es mir, dass wir in Radevormwald auf einer „rosaroten Wolke“ leben. Diese Sorgen haben wir zum Glück nicht. Was sich aber in den vergangenen Jahren geändert hat, ist das Anspruchsdenken der Menschen, eine geringere Bereitschaft, sich ehrenamtlich einzubringen. Aber das ist ein Problem der ganzen Gesellschaft.

Auch als Kreisbrandmeister werden Sie Radevormwald verbunden bleiben?

Fischer Aber natürlich! Ich habe mein ganzes Leben hier verbracht, ich bin verwurzelt in Ümminghausen.

(s-g)