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Radevormwald: Wehners Rad steht im Zweirad-Museum

IG Bismarck : Wehners Rad steht im Zweirad-Museum

Gleich sieben neue Exponate stehen ab sofort im Zweirad-Museum der IG Bismarck in der Schlossmachergalerie – darunter echte Raritäten.

Die Augen von Hartmut Behrensmeier von der IG Bismarck strahlen beim Blick auf die sieben neuen Exponate im Zweiradmuseum in der Schlossmachergalerie: „Was mich besonders freut ist, dass sich um diese Räder besonders viel Geschichte rankt“, sagt er. Zusammen mit den Beisitzern und Mechanikern des Vereins, Gerd Schlüter und Dieter Kasper, stellte Behrensmeier die Raritäten vor – darunter echte Schätzchen, wie ein Diamant-Herrenrad aus Karl-Marx-Stadt, grün, Baujahr 1960, im Originalzustand.

Die Geschichte des Rades lässt aufhorchen: Denn einst war es im Besitz von Herbert Wehner (1906-1990), der von 1966 bis 1969 Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen und bis 1983 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion in Bonn war. Behrensmeier erfuhr, dass sich das Dienstfahrrad in der Garage zusammen mit einem Pkw von Wehner im Erich-Ollenhauer-Haus in Bonn befand. Das Fahrzeug landete im Museum, „das Rad wollte niemand haben“, sagt Behrensmeier. Der damalige Haustechniker war Christian Karthaus aus Radevormwald, der das Rad mitnahm. 30 Jahre stand es im Keller der Familie, ehe jetzt Christian und Vater Horst Karthaus – ein ehemaliger Kunstradfahrer – das seltene Stück der IG schenkten. „Der ideelle Wert ist für mich unschätzbar“, sagt Behrensmeier. Das Interesse an dem Rad gehe ganz bestimmt weit über Parteigrenzen hinaus.

Aber auch die anderen „Neulinge“ lassen die Herzen der Radfans höher schlagen: In einem „traumhaften Zustand“, sagt Behrensmeier, sei ein Bismarck-Herren-Tourenrad, schwarz, Baujahr 1949, ein Geschenk von Stefan Holzapfel aus Schalksmühle. Besonderheit ist die 3-Gang-Sachs-Kettenschaltung – „die erste Schaltung, die Sachs selbst gebaut hat, so ein Rad findet man selten, die meisten wurden verschrottet“, sagt Schlüter. An diesem Rad haben die Mechaniker bewusst nichts restauriert, denn auch die Patina der Räder ist ihnen wichtig.

 Hingucker in der Ausstellung der IG Bismarck: ein Fahrradsattel aus dem Jahre 1952 der Firma Primus (Holland).
Hingucker in der Ausstellung der IG Bismarck: ein Fahrradsattel aus dem Jahre 1952 der Firma Primus (Holland). Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Einer 75-jährigen Dame aus Elberfeld hat das Museum ein Damenrad, rot, Baujahr 1952 zu verdanken. Dieses Exemplar mussten Schlüter und Kasper leicht aufhübschen mit einem neuen Netz vor den Speichen, einer besseren Beleuchtung und einem anderen Lenker. Die Besonderheit sind die 26-Zoll-Reifen. „Und das Fahrrad war ein Geschenk für die Spenderin zu ihrem zehnten Geburtstag. Bei der Übergabe hat sie den Sattel liebevoll gestreichelt, was sehr bewegend war“, berichtet Behrensmeier. Für den Verein sei es erfreulich, dass immer noch viele Schätzchen in diversen Kellern und Garagen lagern und noch so viele Exponate auf dem Markt seien. Wie das Herrenrad, rot, Baujahr 1951, das Robert Fischer Ostersamstag extra aus Bayern nach Rade transportierte, um es persönlich zu übergeben. Der erste Besitzer hatte das Rad 1962 gekauft und aufgrund des hohen Preises (300 bis 500 D-Mark) in 20 Raten abbezahlt und es später Fischer geschenkt.

In einem sehr guten Zustand ist das Damenrad der Firma NSU, schwarz, 1950er Jahre, ein Geschenk von Elisabeth Schulte aus Wuppertal. Echter Hingucker ist das Bonanza-Jugendrad der Falterwerke Bielefeld, die die Namensrechte von den Bismarck-Werken erwarben, gelb/grün, 1970, im Originalzustand, eine Dauerleihgabe von Gerd Jajschik aus Bad Honnef, der freier Mitarbeiter beim ZDF für die Sendung „Bares für Rares“ ist.

Und schließlich eine absolute Seltenheit, ein Kinder-Tret-Roller mit Beiwagen, von der Firma Heico Bielefeld, in rot, original, als Dauerleihgabe von Jajschik. „Ein Traum, das muss man gesehen haben“, sagt Behrensmeier, der das Museum in der Schlossmachergalerie zusammen mit den etwa 30 Mitgliedern des Vereins betreut und mittlerweile pro Jahr 2500 Besucher begrüßt. Und das, obwohl das Museum nur sonntags, 14 bis 17 Uhr, öffnet.

Ideen für weitere Aktionen gibt es nach Angaben von Behrensmeier noch reichlich. Die Exponate werden übrigens grundsätzlich nicht verkauft, sondern gehören einzig und allein ins Museum. Die IG kooperiert mittlerweile auch mit anderen Museen, so zum Beispiel mit dem Museum in Altena und der Stiftung Bismarck in Hamburg.
www.ig-bismarck.de