1. NRW
  2. Städte
  3. Radevormwald

Radevormwald: Wasserabgabe an die Wupper wird angepasst

Wupperverband nach dem Hochwasser 2021 : Wasserabgabe an die Wupper angepasst

Als Reaktion auf die verheerende Hochwasserkatastrophe Mitte Juli 2021 hat der Wupperverband mehr Puffer für den Hochwasserschutz einkalkuliert. Die Wasserabgabe wird demnach angepasst.

Es war schon ziemlich verheerend, was da vor gut einem Jahr auf einige Anlieger der Wupper zukam. Wasser, sehr viel Wasser, das sich ungebremst seinen Weg bahnte, alles mitriss, was nicht ganz fest verankert war. Die Schäden waren enorm. Nicht so heftig wie an der Ahr und schon gar nicht verbunden mit Toten. Aber trotzdem musste sich der Wupperverband zahlreiche Gedanken machen, wie er eine solche Katastrophe in Zukunft vermeiden kann.

Fakt ist: Die Brauchwasser-Talsperren des Wupperverbandes sind Multifunktionsbauwerke mit mehreren Aufgaben. „Ihre Bewirtschaftung wird noch flexibler gestaltet werden, um die Aufgaben Hochwasserschutz und Niedrigwasseraufhöhung in Balance zu halten“, teilt der Wupperverband mit. Als eine Konsequenz aus dem Hochwasser 2021 passe der Wupperverband deshalb im Zuge des Zukunftsprogramms Hochwasserschutz die Talsperrensteuerung an. „In der Wupper-Talsperre hat er im Sommerhalbjahr 2022 mindestens 2,5 Millionen Kubikmeter Stauraum als Puffer für Starkniederschlag freigehalten. Bei Bedarf wird durch vorsorgliche Abgabe aus der Talsperre weiterer Puffer geschaffen. Zusätzlich bleiben an der Bever-Talsperre mindestens eine Million Kubikmeter Stauraum frei, ebenso an der Neye-Talsperre“, teilt Pressesprecherin Susanne Fischer mit.

  • Nach der Hochwasser-Katastrophe wird nicht mehr
    Überschwemmungen konnten nicht verhindert werden : Keine Ermittlungen gegen Wupperverband nach Hochwasser-Katastrophe
  • Damit die Wupper in ihrem Bett
    Rhein-Berg/Leichlingen : Wupperverband sieht sich nach Flut gut aufgestellt
  • Die Wupper-Talsperre ist größte Brauchwassertalsperre des
    Verband drosselt Zufluss aus Talsperren : Genehmigt: 15 Prozent weniger Wasser in der Wupper

Mehr freier Stauraum bedeute allerdings auch, dass weniger Wasser in der Wupper-Talsperre für die andere wichtige Aufgabe Niedrigwasseraufhöhung zur Verfügung stehe. Auch dies werde im Zukunftsprogramm Hochwasserschutz mit betrachtet. „Somit werden wichtige Weichen für eine ausbalancierte Talsperrenbewirtschaftung gestellt“, sagt Susanne Fischer. Durch die Trockenperiode seit Juni und die kontinuierliche Abgabe an die Wupper ist der Stauinhalt insbesondere der Wupper-Talsperre bereits deutlich gesunken. Aufgrund des geringeren Wasservorrats im Frühjahr und des aktuell bereits gesunkenen Stauinhalts, passt der Wupperverband nach eigenen Angaben die Abgabe aus der Wupper-Talsperre an die Wupper maßvoll an. „Denn der Wasservorrat muss – wenn kein ergiebiger Regen fällt – noch Monate ausreichen, um die Niedrigwasseraufhöhung zu gewährleisten. Hierzu hatte der Verband bei der Bezirksregierung Düsseldorf einen Antrag gestellt“, teilt die Sprecherin mit. Die von der Bezirksregierung erteilte Genehmigung sehe vor, dass der Verband die Wasserabgabe aus der Wupper-Talsperre bis 15. Oktober 2022 so steuern kann, dass am Pegel Kluserbrücke in Wuppertal statt zuvor 3500 Liter nun 3000 Liter pro Sekunde fließen. Der Verband werde die Reduzierung mit einem engmaschigen umfangreichen Gewässermonitoring begleiten. An vier Stellen werden laut Susanne Fischer täglich und ergänzend an drei weiteren Stellen wöchentlich Proben genommen und die Wasserqualität untersucht. So werde kontinuierlich geprüft, ob die um 15 Prozent reduzierte Wasserführung im Fluss Auswirkungen auf die Wasserqualität hat.

In Trockenphasen gibt der Wupperverband Wasser aus der Wupper-Talsperre – unterstützt durch weitere Brauchwassertalsperren am Oberlauf – ab, sodass eine Mindestwasserführung in der Wupper gewährleistet ist. Gemäß der gültigen genehmigungsrechtlichen Vorgaben der Wupper-Talsperre liegt die Mindestwasserführung bei etwa 3500 Liter pro Sekunde am Pegel Kluserbrücke, teilt der Verband mit. Durch die aktuelle Genehmigung betrage die Mindestwasserführung nun 500 Liter weniger. „Ohne die Abgabe aus den Talsperren würde die Wupper in Wuppertal während der Trockenperioden nur etwa die Hälfte bis zwei Drittel dieser Wasserführung haben“, sagt Susanne Fischer. Außerdem würde sie unterhalb der Kläranlagen zu einem Großteil aus dem von dort eingeleiteten gereinigten Abwasser bestehen. Das Talsperrenwasser sorge also auch für eine Durchmischung. Dies sei ein wichtiger Baustein für die Wasserqualität und somit die Ökologie im Fluss. Auch für weitere Nutzungen, zum Beispiel genehmigte Wasserentnahmen oder Kühlwassereinleitungen, sei die Mindestwasserführung wichtig.

In seinem Zukunftsprogramm Hochwasserschutz beschreibt der Wupperverband detailliert kurz-,  mittel- und langfristige Maßnahmen und bezieht neben der Hochwasservorsorge auch die Anpassung an andere Auswirkungen des Klimawandels mit ein, insbesondere an häufigere und länger andauernde Trockenphasen. Mehr Informationen gibt es auch im Internet.
www.wupperverband.de/­
zukunftsprogramm-
hochwasserschutz