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Radevormwald: Waldgruppe macht Kinder entspannter

Grundschulverbund Bergerhof-Wupper in Radevormwald : Waldgruppe macht Kinder entspannter

Die Wald-OGS des Grundschulverbunds Bergerhof-Wupper in Bergerhof hat ein neues Domizil: Für die Kinder wurde der Raum hinter der Turnhalle an der Lessingstraße für 27.000 Euro saniert und umgebaut.

Für gewöhnlich halten sich die Kinder der Wald-OGS nicht lange im geschlossenen Raum auf. Ihr Element ist die freie Natur, der Wald. Nach einem anstrengenden Unterrichtstag, einem gemeinsamen Mittagessen und erledigten Schulaufgaben, stürmen die Kinder los in ihre besondere Nachmittagsbetreuung und erkunden gemeinsam mit ausgebildeten Naturpädagogen den heimischen Wald, schnitzen Löffel aus Ästen, basteln mit Naturmaterialien und lernen spielerisch Bedeutung und Umgang mit der Natur kennen.

Anders als normale OGS, hat Leiterin Sarah Riewe bemerkt, seien die Kinder in der Wald-Version deutlich entspannter. „Am Anfang kommen sie mit so viel Natur erst nicht klar, weil sie es einfach nicht kennen. Aber danach gehen sie ganz darin auf“; sagt sie. Sie hat sich gemeinsam mit drei weiteren Kolleginnen während der Pandemie zur Naturpädagogin fortbilden lassen und bietet seit vergangenem Sommer diese besondere Betreuung an.

 Für die Umwelt im Einsatz (v.l.): Regina Hildebrandt, Sarah Riewe, Ramona Helmich mit Paul und Mika.
Für die Umwelt im Einsatz (v.l.): Regina Hildebrandt, Sarah Riewe, Ramona Helmich mit Paul und Mika. Foto: Cristina Segovia-Buendia

Von dieser Wald-OGS gibt es NRW-weit nicht sonderlich viele, betont Schulamtsleiter Jürgen Funke. Vielleicht zwei oder drei, und diese befinden sich nicht einmal im näheren Umfeld der Bergstadt, die gleich zwei von ihnen unterhält, nämlich an beiden Standorten des Grundschulverbundes Bergerhof-Wupper. Eingerichtet wurden sie im vergangenen Sommer aufgrund eines erhöhten Betreuungsbedarfs. 15 Kinder zählt jede Gruppe, ausgerichtet ausschließlich auf Erstklässler, die maximal vier Schulstunden am Tag haben und entsprechend früher mit Mittagessen und Hausaufgaben fertig werden, somit auch mehr Zeit in der Nachmittagsbetreuung verbringen können.

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Die Besonderheit der OGS-Waldgruppen ist neben der besonderen Naturpädagogik, dass die Gruppen wenige Raumanforderungen haben, da sie ohnehin zu 90 Prozent der Zeit in der freien Natur verbringen. Doch einen sicheren Rückzugsort brauchen die Kinder trotzdem, um sich etwa vor dem Waldabenteuer umzuziehen oder auch für Nachmittage, an denen es stürmt und gewittert, erklärt OGS-Leiterin Sarah Riewe, die klarstellt, dass sie durchaus auch bei Regen rausgehen.

In einem lichtdurchfluteten Nebenraum der Turnhalle an der Lessingstraße, schräg gegenüber der Grundschule Bergerhof, hat die kleine Gruppe am Standort Bergerhof nun ihr neues Zuhause eingerichtet. Ein Raum, der jahrelang aufgrund von Schimmelbildung ungenutzt war und nun für diesen Zweck von der Stadt ertüchtigt wurde, erklärt Sonja Fuchs, Verwaltungs- und Finanzleiterin innerhalb des Gebäudemanagements der Stadt. „Wir haben den Schimmel beseitigt, den Fußboden ausgetauscht und das Gebäude gegen Feuchtigkeit isoliert.“ Eine Zwangsbelüftung sei zudem eingerichtet, die gesamte Elektrik erneuert und die Sanitäranlagen ausgetauscht worden, berichtet Fuchs weiter. „Einen neuen Anstrich gab es natürlich auch, und das Grundstück wurde zur Sicherheit der Kinder nun eingezäunt.“ Insgesamt 27.000 Euro hat die Stadt in Sanierung, Umbau und Einrichtung des neuen Raumes investiert, 85 Prozent davon vom Land NRW gefördert.

Zusätzlich zu der OGS-Waldgruppe nutzen auch die Sportler des TV Herbeck den Raum als Vereinsheim. Eine gute Symbiose, findet Riewe. Durch die verschiedenen Zeiten der Nutzung – die OGS maximal unter der Woche bis 16 Uhr, der TV Herbeck unter der Woche eher am späten Nachmittag und in den Abendstunden sowie am Wochenende – kommen sich die beiden Nutznießer der neuen Räumlichkeiten überhaupt nicht in die Quere. Im Gegenteil, sie profitieren voneinander, erklärt Riewe. „Es ist abgemacht, dass der TV Herbeck unser Material nutzen kann, wenn Kinder im Vereinsheim sind, andersherum dürfen wir auch die von ihnen hier installierten Geräte nutzen, wie Kicker und Dartscheiben. Das funktioniert sehr gut.“

Für die Kinder ist die Wald-OGS ein absolutes Highlight, bestätigen auch Mia (6) und Paul (7): „Wir sind viel draußen und backen Stockbrot am Lagerfeuer“, erzählt Mia. „Und, wir haben einen Löffel aus Holz geschnitzt und mit glühender Kohle eine Kuhle hineingebrannt“, berichtet Paul. Die beiden freuen sich täglich auf die neuen Abenteuer, die sie nach der Schule am Nachmittag erwarten. „Klar freue ich mich darauf. Hier macht es immer viel Spaß“, stellt Paul klar.

Demnächst wird die Wald-OGS eine weitere Besonderheit erhalten: In Zusammenarbeit mit der Umweltbeauftragten der Stadt, Regina Hildebrandt, und mit tatkräftiger Unterstützung des Bauhofes werden Sarah Riewe und ihre Kollegin Ramona Helmich aus der üppigen Grünfläche vor dem neuen Domizil einen Abenteuergarten kreieren. „Wir wurden von Frau Riewe angefragt, ob wir bei der Umsetzung ihrer Ideen helfen könnten und das machen wir sehr gerne“, sagt Hildebrandt. Geplant sind ein Barfußpfad, eine Feuer- und eine Matschecke sowie Obsthecken, Insektenhotels und Bienentränke. Auch ein Kräuterbeet soll angelegt und Regentonnen aufgestellt werden, so dass die Kinder ihre Beete selbst bewässern können. Angepflanzt wurden bereits zwei Obstbäume, ein Kirsch- und ein Birnbaum, die voraussichtlich in zwei Jahren die ersten Früchte tragen werden.