Radevormwald: Vortrag über Talsperrenbau mit Streik und Totschlag

Bergischer Geschichtsverein : Talsperrenbau mit Streik und Totschlag

Von der schweren Lebenssituation vieler Arbeiter während des Baus der Ennepe-Talsperre erfuhren Mitglieder und Gäste des Bergischen Geschichtsvereins. Bernhard Priggel referierte darüber nach der Hauptversammlung des Vereins.

Teils zum Knistern gespannt muss die Atmosphäre unter den Bauarbeitern gewesen sein, die einst aus dem Flüsschen Ennepe eine imposante Talsperren-Anlage bauten. Von zahlreichen Unglücken, Streiks und Streitsituationen, die sogar bis hin zu einem Totschlag reichen, erzählen heute noch uralte Zeitungsartikel und Aufzeichnungen.

Bernhard Priggel, Revierförster in Radevormwald und zweiter Vorsitzender des Bergischen Geschichtsvereins in Radevormwald, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, diese alten Überlieferungen und Dokumente zu einem Vortrag zusammenzutragen. Dies glückte ihm perfekt, denn seine Ausführung im Mehrzweckraum des Bürgerhauses war äußerst spannend.

Gebannt folgten die Gäste seinen Ausführungen, die von der schweren Lebenssituation der Arbeiter berichteten. Diese zum Teil auswärtigen Arbeiter schufteten unter erschwerten Bedingungen, was vielfach zu Unruhen und Streit führte. „Den Schwerpunkt meines Vortrages habe ich ganz bewusst auf diese schwere Situation der Arbeiter gelegt, da sie kaum bekannt sein dürfte“, sagte Priggel. Den Ablauf des Baues der Talsperren-Anlage, damals die drittgrößte Talsperre Europas, sei hingegen in Büchern und im Internet gut nachzulesen.

Bernhard Priggel recherchierte schon vor einiger Zeit für einen Beitrag für das Geschichtsbuch über Radevormwald zur 700-Jahr-Feier. Dabei stieß er zufällig auf einen Zeitungsbericht über ein Eisenbahnunglück, das in der Zeit des Talsperrenbaus fiel. Priggel ließ das Thema nicht mehr los. „Ich erfuhr viel Wissenswertes aus einem alten Journal der Baufirma. Darin wurde alles protokolliert“, sagte der Referent. Er informierte die Zuhörer darüber, dass der Wasserlieferant für die Talsperre überwiegend die Ennepe ist. Sie trennte einst Breckerfeld und Radevormwald. 1905 wurde die Talsperre eingeweiht.

Viele Mitglieder und Gäste hatten zuvor auch schon die Hauptversammlung des BGV besucht Hier erinnerte der Vorsitzende Hans Golombek an die vielen Aktivitäten des Vereins im vergangenen Jahr. Vier Exkursionen und sechs Vorträge sowie eine Publikation gehörten dazu. Im neuen Jahresprogramm stehen wieder zahlreiche interessante Veranstaltungen wie eine Fahrt in die Eifel sowie Vorträge über die „Sportstadt Radevormwald“ und „Die Entwicklung der Textilindustrie an der Wupper nach englischem Vorbild“.

Den Kassenbericht verlas Schatzmeisterin Gudrun Henseler. Sie gab im Anschluss ihr Amt an den zweiten Schriftführer Engelbert Frielingsdorf ab.

Gesamtwahlen des Vorstandes standen nicht an.

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