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Radevormwald: Von der Großstadt mitten in die Schafherde

Landwirt und Schafzüchter : Von der Großstadt mitten in die Schafherde

Jannik Stiller ist von Köln nach Rade gezogen. Sein neues Hobby sind Landleben und Texelschafe, um die er sich täglich kümmert.

Vor drei Jahren ist Jannik Stiller auf den Hof seiner Frau in Radevormwald gezogen und hat dabei das Großstadtleben in Köln hinter sich gelassen. Das Landleben war ihm fremd und die Landwirtschaft auch. Der anfängliche Respekt vor dem neuen Lebensentwurf ist schnell absoluter Begeisterung gewichen. „Ich habe mich sehr schnell in Radevormwald eingelebt und gemerkt, was mir eigentlich mein Leben lang gefehlt hat. Die Natur, die Weite und die frische Luft würde ich nicht mehr gegen die Großstadt eintauschen“, sagt der 28-jährige. Nach wenigen Monaten in Radevormwald hat er sich für landwirtschaftliche Themen begeistert.

Der Entschluss, eine eigene Schafherde zu züchten und zu pflegen stand schnell ohne viele Überlegungen fest. „Meine ersten Schafe habe ich ziemlich blauäugig gekauft. Das würde ich heute anders machen, aber es hat funktioniert. Ich habe einfach auf mein Bauchgefühl gehört.“

Zwischenzeitlich hatte Jannik Stiller 15 Schafe, mittlerweile sind es nur noch fünf Muttertiere und ein Schafbock. Die Herde ist mit dem Eintrag ins Herdbuch deutlich kleiner geworden. Weil die Zuchtverordnungen streng und die Anforderungen an die Tiere hoch sind, hat der junge Züchter seine Herde verkleinert.

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Seine ersten drei Schafe Molly, Sibille und Ludmilla hat er natürlich behalten. Sie sind auch die einzigen, die Namen tragen und nehmen einen besonderen Platz in seiner Herde ein. Momentan sind alle fünf Muttertiere trächtig und werden in den nächsten zwei Monaten lammen. Die erste Geburt, die Jannik Stiller begleitet hat, war ein Härtetest für ihn. „Da habe ich schon Panik bekommen, weil ich natürlich noch nie zuvor bei so einem Ereignis dabei war. Danach habe ich erst mal einen zweitägigen Kursus für Schafzüchter gemacht.“

Nach drei Jahren ist er im Umgang mit den Schafen erprobt. Die Klauen zu schneiden oder Geburten zu begleiten, ist für ihn mittlerweile Alltag. Die Arbeit mit seinen Texelschafen ist für ihn ein schöner Ausgleich zu seiner Arbeit in einem Speditionsunternehmen in Köln. Sobald er die Großstadt hinter sich lässt, freut er sich auf die ruhige Kleinstadt mit der vielen Natur.

An den Texelschafen begeistert ihn die Effizienz. „Die Schafe brauchen quasi nichts. Mit genug Wasser, Heu oder frischem Gras im Sommer kommen sie gut zurecht. Mit einer minimalen Haltung kann man aus ihnen maximale Ansprüche herausholen.“ Die Wolle der Texelschafe ist weich und wächst schnell, das Fleisch hat nur wenig Fett, und die Rasse ist robust. Wenn Jannik Stiller ein Schaf oder ein Bock aus seiner Herde schlachten muss, verwertet er die Tiere komplett. Ihm ist ein verantwortungsbewusster und nachhaltiger Umgang mit den Tieren wichtig.

Für dieses Jahr hat sich der Hobby-Züchter wieder neue Ziele gesetzt. Die Herde soll um drei bis fünf Muttertiere erweitert werden – und auch ein neuer Bock soll zu der Herde dazukommen. Geplant ist, dass die neuen Texelschafe aus einer englischen Zucht kommen. „In England wird die Zucht der Texelschafe sehr ernst genommen. Die Genetik ist besser. Wir haben Kontakt zu einem Händler aufgenommen, der uns die Schafe verkaufen wird“, sagt Jannik Stiller.

Für ihn ist die Schafzucht zu einer Leidenschaft geworden, die er nicht mehr missen möchte. Die Verbindung zur Natur, die Nähe zu den Tieren und die Auseinandersetzung mit landwirtschaftlichen Vorgängen entspannen ihn. Unterstützt wird er dabei von seiner Frau, die ebenfalls tier- und naturbegeistert ist.

Dass der Stall seiner Schafe nur wenige Autominuten von seinem Wohnort entfernt steht, erleichtert ihm diese spezielle Art der Freizeitgestaltung. Täglich verbringt er ungefähr eine halbe Stunde in seiner Herde, um sich um die Tiere und ihre Bedürfnisse zu kümmern.