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Radevormwald: Vier Comedians bei der Rader Comedy-Show

Comedy in Radevormwald : Komik mit Ansteckungsgefahr

Die Rader Comedy-Show, die im März ausgefallen ist, wurde erfolgreich nachgeholt. Vier Comedians kamen ins Bürgerhaus und brachten das Publikum zu Lachen.

Es dauerte sieben Minuten, bis am Freitagabend auf der Bühne des Bürgerhauses zum ersten Mal ein Bezug zu der anhaltenden Corona-Krise hergestellt wurde. Martin Sierp, der Moderator der Rader Comedy-Show, begrüßte die Zuschauer, die in ihren „Infektionsgruppen“ zu der Show gekommen waren.

Die Rader Comedy-Show, die im März abgesagt werden musste, wurde am Freitagabend mit zwei Vorstellungen nachgeholt. Dem Kulturkreis Radevormwald ist es zusammen mit der Agentur „Comedy to go“ gelungen, vier Comedians kurzfristig zu buchen und Radevormwald zum Lachen zu bringen. Das Hygiene- und Schutzkonzept, das federführend von Michael Teckentrup in Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt erstellt wurde, ging auf. „Der Einlass hat für beide Shows gut funktioniert und die Einteilung der Sitzplätze auch. Wir sind zufrieden“, sagte der Vorsitzende des Kulturkreises. Die erste Show des Abends startete um 18 Uhr, die zweite um 21 Uhr. Weil auf eine Pause verzichtet werden musste, dauerte die Comedy-Show dieses Mal nur 90 Minuten.

Am Anfang des Abends schien das Rader Publikum verlernt zu haben, wie eine Comedy-Show funktioniert. Martin Sierp, der fast 20 Comedy-Preise gewonnen hat und für sein Improvisationstalent bekannt ist, gab alles, um die Stimmung lebhafter und ausgelassener zu machen. Der Lockdown steckt den Abonnenten des Kulturkreises in den Knochen, aber je später der Abend wurde, desto freier verhielt sich das Publikum.

Jens Heinrich Claassen aus Münster, der bereits 2019 zu Gast in der Ortschaft Honsberg war, wickelte das Publikum mit seinem Charme um den Finger. Der einsame, liebevolle und einfühlsame Münsteraner ist auf der Suche nach Liebe. Obwohl er reich ist und wahnsinnig gut aussieht, bleiben er und sein Ernie-Shirt meistens alleine. Am Keyboard schmetterte der Künstler, bekannt aus Formaten, wie „Nightwash“ und dem „Quatsch Comedy Club“, ein Liebeslied nach dem anderen. „Klavierspielen ist nicht sexy, oder?“, fragte er das Publikum. „Doch, wenn man die Augen schließt schon“, entgegnete eine Zuschauerin. „Jetzt hab ich keinen Bock mehr“, antwortete Jens Heinrich Claassen, der dann aber sein Bühnenprogramm doch noch tapfer zu Ende brachte. Ob er eine neue Freundin nach der zweiten Show gefunden hat? Das bleibt ein Geheimnis.

Martin Zingsheim aus Köln kam mit seinem Bühnenprogramm „Aber bitte mit ohne“ ins Bürgerhaus. Der Headliner des Abends, der unzählige Auszeichnungen erhalten hat und für seine sprachlich ausgereifte Komik bekannt ist, lockte das Publikum komplett aus der Reserve. Er sprach über die Herausforderungen des Verzichts, über die Essgewohnheiten der Deutschen und den Unterschied zwischen echten und mentalen Veganern. „Raclette kommt in Deutschland Silvester auf den Tisch und ist vergleichbar mit einem Porno. Vorher denkt man ‚Wie geil ist das denn‘, nachher nur noch ‚wie ekelhaft‘.“ Die Mischung aus derben Witzen und kritischen Gesellschaftsbeobachtungen machte Martin Zingsheim zum Liebling des Publikums.

Özgür Cebe, ebenfalls aus Köln, zeigte sich in seiner Vielfältigkeit in Radevormwald, oder in „Reifen-vor-dem-Gebüsch“, wie er die Stadt nennt. Er vermisst die Kinderfreundlichkeit in Deutschland. „Viele Kinder sind nicht freundlich“, sagte er und überzeugte mit seinen Alltagsbeobachtungen. Özgür Cebe beherrscht feinfühlige Komik genauso wie laute Witze.

Nachdem die erste Show des Abends zu Ende war und das Bürgerhaus desinfiziert wurde, kamen die nächsten Zuschauer um 21 Uhr in den Saal, um sich mit frischer Komik infizieren zu lassen.