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Radevormwald: Vielfach vorbestrafter Mann gelobt vor Gericht Besserung

Amtsgericht Wipperfürth : Letzte Chance nach Ladendiebstahl

Ein mehrfach vorbestrafter Radevormwalder gelobt vor Gericht, ein neues Leben anzufangen. Er hatte in einem Geschäft in der Rader Innenstadt Artikel im Wert von 40 Euro gestohlen. Um ihm Gelegenheit zu geben, sein Leben in den Griff zu bekommen, erhielt er eine Bewährungsstrafe.

Es gibt Fälle im Strafrecht, in denen per Urteil zwar die Rechtsordnung gewahrt bleibt, wichtige Ziele der Rechtsprechung aber unerreichbar scheinen: Weder schützt der Schuldspruch die Allgemeinheit vor weiteren Taten des Verurteilten, noch dient er nachhaltig seiner Resozialisierung und damit wieder der Gesellschaft im Allgemeinen. Ein solcher Fall wurde jetzt vor dem Amtsgericht in Wipperfürth verhandelt. Diesmal blieb nach dem Urteil ein Rest von Hoffnung.

Angeklagt war ein Radevormwalder, der mit 45 Jahren vor den Trümmern seines Lebens steht: Gezeichnet von langem Drogenkonsum, gesundheitlich durch die Suchterkrankung so schwer angeschlagen, dass er keiner geregelten Arbeit nachgehen kann, vielfach vorbestraft wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und Delikten der Beschaffungskriminalität, verschuldet, weil er die dafür verhängten Geldstrafen nur mühsam in kleinen Raten abbezahlen kann und finanziell abhängig von der Sozialhilfe, die wegen der abzuzahlenden Schulden vorne und hinten nicht zum Leben reicht. Zur Last gelegt wurde dem 45-Jährigen diesmal ein Ladendiebstahl.

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An einem Tag im Frühjahr hatte der Mann in einem Drogeriemarkt in der Rader Innenstadt Kosmetik-Artikel eingepackt und an der Kasse vorbeischmuggeln wollen. Der Verkaufswert seiner „Beute“ lag bei nicht einmal 40 Euro. Noch im Laden wurde er gefasst, die Anzeige und das Strafverfahren wegen „Diebstahls geringwertiger Sachen“ waren die juristisch logische Folge. Sein Motiv für die Tat schilderte der Angeklagte auf Nachfragen des Richters so: „Weil ich meine Schulden abbezahlen muss, lebe ich von rund 150 Euro im Monat, die von der Sozialhilfe übrig bleiben. Da bin ich auf die Tafel angewiesen, um nicht zu hungern. Wegen Corona waren aber im Frühjahr alle öffentlichen Essensausgaben geschlossen. Da war ich in Panik. Ich habe die Sachen gestohlen, um sie zu verkaufen und mir von dem Geld Essen besorgen zu können.“

Mit Tränen in den Augen beteuerte der Angeklagte: „Das war der letzte Ausrutscher, und es tut mir schrecklich leid. Ich will das alles nicht mehr und bin jetzt auch zu alt für solche Sachen.“ Inzwischen habe er sich an die Suchtberatung der Diakonie gewendet, dort werde ihm geholfen, sein Leben zu ordnen. Ende des Jahres werde er seine Schulden, also die nach früheren Straftaten verhängten Geldstrafen, abbezahlt haben – „dann habe ich wieder Luft zum Atmen“.

Entsprechend dem Antrag der Staatsanwältin verhängte der Richter eine Freiheitsstrafe von vier Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Der Rader wird einem Bewährungshelfer unterstellt, der ihm helfen soll, sein Leben in den Griff zu bekommen. Von einer erneuten Geldbuße sah das Gericht ab. Stattdessen muss der Mann innerhalb eines halben Jahres 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Der Richter machte ihm klar: „Ich gewähre Ihnen damit die wirklich letzte Chance. Jetzt muss Schluss sein, sonst landen Sie im Gefängnis.“ Der Rader nahm das Urteil mit Dank an – und mit einem Versprechen: „Ich gebe Ihnen mein Wort, Sie werden mich hier nicht wiedersehen.“