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Radevormwald: VHS lenkt Dozenten durch die Krise

Interview mit Renée Scheer : VHS lenkt Dozenten durch die Krise

Alle Solo-Selbstständigen leiden unter der Corona-Krise. Die VHS unterstützt und informiert ihre Dozenten.

An der Volkshochschule (VHS) unterrichten in erster Linie freiberufliche Dozenten, die ihre Lehrtätigkeit meist hauptberuflich ausführen. Laut Erlass der Landesregierung wurde der Unterricht auch an den Weiterbildungseinrichtungen in NRW seit 13. März aufgrund der Corona-Krise ausgesetzt, vorläufig bis zum 19. April. Ob die VHS Oberberg den regulären Lehrbetrieb ab dem 20. April wieder aufnehmen kann, ist derzeit noch ungewiss. Renée Scheer ist Leiterin der Volkshochschule Oberberg und kennt die Sorgen der Dozenten.

Wie haben Ihre freiberuflichen Dozenten auf die ausgesetzten Kurse reagiert?

Scheer Als wir die Aufforderung bekommen haben, den Betrieb einzustellen, habe ich alle Dozenten umgehend informiert, und die Reaktionen waren sehr diszipliniert und verständnisvoll. Insgesamt arbeiten im Zeitraum der Kursaussetzung etwa 235 selbstständig tätige Dozenten für die VHS Oberberg. Trotz des Verständnisses sind die Dozenten natürlich besorgt und befinden sich aktuell in einer schwierigen Lage.

In welchem Ausmaß leiden die Dozenten unter dem ausgesetzten Kursus-Angebot?

Scheer Seit Ende der 1990er-Jahre sind die meisten Dozenten wirtschaftlich auf diese Einkünfte angewiesen. Davor waren VHS-Dozenten oft nebenberuflich aktiv, und der Verdienst über die VHS war ein Zubrot. Das hat sich im Zeitraum der vergangenen 20 Jahren verändert. Besonders mit den Integrationskursen haben Solo-Selbstständige im Fach Deutsch den Beruf als freier Dozent zu ihrem Hauptberuf gemacht und sind hochqualifiziert. Betroffen sind aber nicht nur die Dozenten der Integrationskurse, sondern aus allen Fachbereichen. Auch die Dozenten aus dem Kreativbereich oder dem Gesundheitsbereich durchleben eine schwere Zeit. Die Solo-Selbstständigen arbeiten nicht nur für die VHS, sondern in der Regel für mehrere Auftraggeber, die momentan aber auch pausieren.

Wie hilft die VHS ihren Dozenten durch diese wirtschaftlich schwere Zeit?

Scheer Als die Sofort-Hilfe auf den Weg gebracht wurde, habe ich unsere Dozenten direkt über diese Hilfe informiert und ihnen die Informationen und Links zukommen lassen. Dass freiberufliche Dozenten doch noch in dem Hilfspaket bedacht wurden, war ein großes Glück. Den Verdienstausfall trägt die VHS nicht, doch wir suchen aktuell natürlich nach Unterstützung. Das heißt, wir informieren uns über Förderungen, die gegebenenfalls in Anspruch genommen werden können, um zum Beispiel Dozenten zu stärken, die nicht von der Sofort-Hilfe aufgefangen werden. Das sind unter anderem Rentner, die sich als Dozent etwas dazuverdienen. Es gibt eine Zeit nach Corona, und deswegen ist es wichtig, keinen Dozenten zu verlieren. Und deshalb arbeiten wir alle gemeinsam mit Nachdruck am neuen Semesterprogramm für den Herbst.

Wie hat sich der Alltag der VHS durch die Corona-Krise verändert?

Scheer Die Notwendigkeit, sich beizeiten mit den Möglichkeiten der Digitalisierung auseinanderzusetzen, wird nun allen mehr als deutlich. Mit der VHS-Cloud besitzen wir ein Instrument, um uns auszutauschen, beispielsweise auch Unterrichtsmaterialien einzustellen und herunterzuladen. Die Bereitschaft aller Mitarbeitenden, sich so schnell wie möglich einzuarbeiten, ist nun sprunghaft gestiegen. Besonders der Schulabschlusslehrgang nach Klasse 9 nutzt diese digitale Möglichkeit jetzt. Integrationskurse oder Kurse des Zweiten Bildungsweges fallen nicht aus, sondern wurden nur ausgesetzt. Wir werden diesen Zeitraum wieder aufholen. Trotz dieser guten Alternativen bin ich froh, dass, sobald die Kurse regulär fortgesetzt werden, auch endlich wieder persönliche Begegnungen stattfinden, die für uns sehr wichtig sind.