Aktion der reformierten Gemeinde in Radevormwald Vergessenes Gemüse ganz neu entdeckt

Radevormwald · Die reformierte Kirchengemeinde sorgt für eine kulinarische Renaissance im Unperfekt-Garten. Und in ein paar Monaten gibt es dann ein Essen wie im Mittelalter.

Im Unperfekt-Garten gibt es unbekannte Gemüsesorten (v.l.): Ute Thiele, Dieter Jeschke, Regine Beuving und Gisela Busch.

Im Unperfekt-Garten gibt es unbekannte Gemüsesorten (v.l.): Ute Thiele, Dieter Jeschke, Regine Beuving und Gisela Busch.

Foto: Cristina Segovia-Buendia

Der Unperfekt-Garten der evangelisch-reformierten Gemeinde wird seit längerem schon für außergewöhnliche Züchtungen genutzt. Nun aber verwandelten sich die Hochbeete hinter dem Gemeindehaus erstmals in eine kleine Zeitkapsel: Portulak, Urmöhre und Pastinake statt Avocado, Chia und Rucola.

Es ist schon amüsant, dass dem Otto Normalverbraucher die exotischen Produkte geläufiger erscheinen, als jene Gemüsesorten, die bereits die alten Römer vor Jahrtausende in unsere Breitengrade brachten und mittlerweile als vergessen gelten. Einen ähnlichen Gedanken ereilte auch Regine Beuving, Hobbygärtnerin im Unperfekt-Garten der evangelisch-reformierten Gemeinde und besorgte schnurstracks Samen jener vergessenen Gemüsesorten, um sie in den Hochbeeten hinter dem Dietrich-Bonhoeffer-Haus zu sähen. Am Freitag fanden sich neben Beuving und Pfarrer Dieter Jeschke, zwei weitere interessierte Hobbygärtnerinnen ein, um die Hochbeete für die alten Gemüsesorten vorzubereiten.

Den meisten dürften die Pastinaken vielleicht noch ein Begriff sein. Doch wie sieht es mit Portulak aus? „Portulak ist eine fleischigen Sukkulente, vitaminreich und mit einem würzigen Geschmack, die sich wunderbar für einen Salat oder eine Gemüsepfanne eignet“, erklärte Beuving. Bereits vor Monaten bot sie einen außergewöhnlichen Workshop im Gemeindehaus an und kreierte mit einigen Erzeugnissen des Unperfekt-Gartens, wie etwa der angebauten Lakritztagetes, leckere Liköre, beispielsweise einen eigenen Ouzo. Zum Start in den Frühling und somit zur neuen Pflanzsaison, sollten es nun vergessene Gemüsesorten sein. Neben den Portulaksamen, kamen auch jene der alten Urmöhre ins Beet. „Die Urmöhre war vor der uns heute bekannten Möhre hier heimisch“, verriet die Hobbygärtnerin. Unsere heutige Möhre sei aus einer Kreuzung entstanden und habe erst dadurch ihre charakteristische orange Farbe bekommen. „Früher waren alle Möhren schwarz“, stellte Beuving fest. So auch die Urmöhre, die in einigen Monaten hier aus der Erde schießen wird. Geschmacklich sei sie gar etwas süßer als die orangefarbene Variante. Ein neuer Genuss.

Neben Portulak und Urmöhre kamen außerdem noch Mangold, Stielmus, Rote Beete, Pastinake, Kohlrabi und Rettich ins Beet. Die ersten zarten Pflänzchen könnten bereits in drei bis vier Wochen sichtbar werden. Auf die erste Ernte müsste jetzt allerdings einige Monate gewartet werden. Aufwendig zu pflegen seien diese Gemüsesorten übrigens nicht, stellte Beuving klar. „Sie müssen nur feucht gehalten werden.“ Für einen guten Start ins Leben sorgte hier Pfarrer Dieter Jeschke, gänzlich in seinem Element: Mit der großen Gießkanne in der Hand ging er die eingepflanzten Reihen durch und schüttete ordentlich Wasser darüber. „Ich habe das Gemüse jetzt getauft“, sagte er amüsiert, während Ute Thiele und Gisela Busch längst neue Furchen in die Erde setzte, um Platz für die Samen zu machen.

Was hinterher mit dem geernteten Gemüse passieren soll, steht schon fest. „Wir werden eine Aktion starten“, kündigte Beuving an. „Essen wie im Mittelalter.“