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Radevormwald: Trauer um NS-Zeitzeuge Hans Dürhager

Zeitzeuge aus Radevormwald : Trauer um Hans Dürhager

Das Mitglied des Bergischen Geschichtsvereins hatte als Zeitzeuge regelmäßig an die Verbrechen der NS-Zeit erinnert. Seine eigene Familie hatte unter den Nazis gelitten. Dürhager schrieb auch über die Geschichte seiner Heimatortschaft Rädereichen.

Im Alter von 95 Jahren ist Heinz Dürhager gestorben. Sein Leben war eng mit der Ortschaft Rädereichen verbunden, wo er geboren wurde, aufwuchs und auch später lebte. Dürhager war unter anderem Mitglied des Bergischen Geschichtsvereins und aktiv im „Runden Tisch gegen Rechts“. Den Terror der Nazis erlebte er in der eigenen Familie. Seine Tante Paula Dürhager wurde Opfer des „Euthanasie“-Programms. Sie hat vor vier Jahren in Rädereichen einen eigenen Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig erhalten. „Was genau mit Tante Paula geschah, weiß ich nicht“, hatte Dürhager berichtet. „Ich weiß nur aus Erzählungen, dass sie eine kluge Frau war, eine Näherin, und sie nach dem Brand des Familienbauernhofes in Rädereichen nach Lüttringhausen in den Tannenhof kam.“ Von dort aus wurde sie 1944 nach Weilmünster gebracht, wo sie ermordet wurde.

Sein Vater sei politisch links gewesen, hatte Dürhager bei anderer Gelegenheit berichtet. Als die Nazis an die Macht kamen, wurde er in das KZ Kemna gebracht. „Als er zurückkam, war mein einst so stattlicher Vater nur noch ein Schatten seiner selbst.“ Über die Erlebnisse in dem Lager sprach er kaum, zeigte der Familie jedoch die Narben, die er durch die Misshandlungen der Wärter erhalten hatte. Dürhager gehörte zu den Initiatoren der Gedenktafel am Radevormwalder Bürgerhaus. Dort befand sich früher die Polizeiwache, in der Gegner des NS-Regimes eingesperrt und gefoltert worden wren, bevor sie nach Kemna kamen.

Für den Sohn war es zeitlebens ein Anliegen, die Erinnerung an diese Verbrechen wach zu halten. Er sprach als Zeitzeuge vor Schülern, ließ sie teilhaben an seinen Erlebnissen in der Zeit der Diktatur und des Zweiten Weltkrieges. Er war Soldat an der russischen Front gewesen, dann in Gefangenschaft geraten. „Fast wäre ich in Sibirien gelandet, was meinen sicheren Tod bedeutet hätte“, erinnerte er sich. Er hatte jedoch Glück im Unglück – sein Trupp kam nach Norwegen.

Neben der Aufarbeitung der NS-Zeit in Radevormwald hat Hans Dürhager auch die Geschichte seiner Heimatortschaft Rädereichen dokumentiert. „Er hat dazu vor einigen Jahren eine Broschüre veröffentlicht“, berichtet Hans Golombek, der Vorsitzende des Bergischen Geschichtsvereins in Radevormwald.

Neben seinem Interesse an der Historie sei Hans Dürhager auch ein begeisterter Sänger gewesen, unter anderem im Radevormwalder Männerchor.