Bildung in Radevormwald Über die bittere Ironie des Krieges

Radevormwald · Der Literaturkursus des Theodor-Heuss-Gymnasiums führt Freitagabend das Stück „Picknick im Felde“ von Fernando Arrabal auf. Eine über 70 Jahre alte Anti-Kriegs-Geschichte über die Sinnlosigkeit von militärischen Auseinandersetzungen, die 2024 aktueller denn je erscheint.

 Szene der Probe des Literaturkurse des THG. Die Schüler führen am Freitag das Anti-Kriegs-Stück „Picknick im Felde" von Fernando Arrabal auf.

Szene der Probe des Literaturkurse des THG. Die Schüler führen am Freitag das Anti-Kriegs-Stück „Picknick im Felde" von Fernando Arrabal auf.

Foto: Jürgen Moll

Zwei Soldaten stehen sich auf dem Schlachtfeld gegenüber. Sie kämpfen gegeneinander. Warum? Das wissen sie nicht. Das einzige, was sie wissen: Der Feind gegenüber ist böse. Und das wissen sie auch nur, weil es ihnen ihre Generäle erzählt haben. Die sich gegenüberstehenden Soldaten selbst kennen sich nicht. Bis einer von ihnen Besuch der Eltern bekommt.

Vater und Mutter wollen mit dem Kind picknicken – auf dem Feld, das für die Eltern ein reines Idyll ist, für die Soldaten jedoch der Ort, der über Leben und Tod entscheidet. Doch für diesen familiären Moment vergessen sie die Welt außerhalb, schwelgen in Erinnerungen, bis sich ein gegnerischer Soldat nähert. Zunächst wird er noch festgenommen, bis sich die Soldaten näher kennenlernen und erkennen, dass sie nichts unterscheidet, außer die Seiten auf denen sie durch den Krieg stehen. Unfreiwillig, wie sie sagen, denn beide wurden jeweils von Generälen aus ihren Häusern rekrutiert und mitgenommen.

„Warum kämpft ihr eigentlich gegeneinander?“, wollen die Eltern des einen Soldaten wissen. Die Militärs zucken mit den Schultern. „Und was macht ihr den ganzen Tag?“, fragen sie weiter. Der eine hat die Pflanzenwelt für sich entdeckt, züchtet in den ruhigen Momenten des Gefechts Blumen. Der vertreibt sich die freie Zeit mit Häkeln. Eigentlich hat niemand der Soldaten Lust auf einen Krieg. „Dann sagt es doch euren Freunden. Dann hört der Krieg auf und wir können alle nach Hause gehen“, sagt der Soldatenvater.

Es ist die Hauptszene des Theaterstücks „Picknick im Felde“. Eine Anti-Kriegs-Parabel des spanischen Autors Fernando Arrabal, die 1952 in Spanien entstand und erst sieben Jahre später in seinem Pariser Exil uraufgeführt wurde. Eine Zeit der Nachkriegsgesellschaft. Zwei Weltkriege hatten die Ältesten damals miterlebt und Arrabal selbst (Jahrgang 1932) wuchs als Kind in der feindlichen Atmosphäre eines blutigen Bürgerkriegs auf der iberischen Halbinsel auf, gefolgt von der strengen Militärdiktatur Francos. Erlebnisse, die ihn zu diesem Werk inspirierten, das nun von Schülern des Literaturkurses des Theodor-Heuss-Gymnasiums, über 70 Jahre später, erneut aufgegriffen wird.

„Mit zwei aktuell sehr präsenten Kriegen in der Ukraine und Gaza, ist das Stück aktueller denn je“, urteilt Schüler Leander Teichert (16). „Die Kombination aus Brutalität und Ironie zeigt die Sinnlosigkeit von Kriegen.“ Leander spielt den Vater eines Soldaten und teilt sich die Rolle mit Annika Zimmermann (16). „Die ironische Art des Stücks macht es leichter, sich mit dem Thema zu beschäftigen, was ansonsten sehr heftig wäre.“

Auch Lehrer Carsten Krause, der das Stück zur Auswahl stellte, ist froh, dass sich die Schüler aus aktuellem Anlass für dieses Theaterspiel entschieden haben. „Ich denke, es passt in der aktuellen Debatte um die Wehrpflicht und die derzeit laufenden Kriege sehr gut in die Zeit.“ Dass die Rollen der Soldaten in dieser Aufführung durch junge Frauen besetzt sind, sei zwar der Kurskonstellation (17 Schülerinnen, zwei Schüler) zu verdanken, aber natürlich sei auch das Teil der derzeitigen Debatte um Gleichberechtigung.

Inhaltlich, erklärt Krause, musste er mit den Schülern nicht viel besprechen. Leider sei die Thematik in den Köpfen präsent. Im Literaturkursus hätten sie sich daher darauf konzentriert, ihr Schauspiel zu optimieren. Für Leander und Annika völliges Neuland, wie sie berichten. „Ich hatte vorher überhaupt keine Ahnung von Schauspiel. Das sind meine ersten Erfahrungen“, erzählt Leanders. Doch diese künstlerische Auseinandersetzung habe ihm sehr gefallen. „Vor allem auch die Improvisationsstunden haben mir gut gefallen und helfen mir dabei, selbstsicherer und spontaner aufzutreten.“

Das hat auch Annika bei sich bemerkt, die ebenfalls zum ersten Mal auf der Bühne steht. „Ich würde gerne mit der Schauspielerei weiter machen. Ich bin selbstbewusster geworden und habe keine Angst mehr, wenn alle zugucken.“ Vor der Premiere am Freitagabend sind allerdings beide etwas nervös. „Ich freue mich sehr darauf und werde sicherlich kurz vorher etwas Lampenfieber haben“, vermutet Annika. „Aber das gehört ja auch dazu.“