Aufführung für Schüler aus Radevormwald und Hückeswagen Sensibel werden für Probleme des Mobbings

Radevormwald · Das Kölner Theater-Ensemble Comic.On zeigte Schülerinnen und Schülern in der Aula der Armin-Maiwald-Schule das Theaterstück „R@usgemobbt 2.0“.

Was andere ulkig finden, ist für die Opfer von Cybermobbing die Hölle. Eine Aufführung in der Aula der Armin-Maiwald-Schule brachte das sehr aktuelle Thema auf die Bühne.

Was andere ulkig finden, ist für die Opfer von Cybermobbing die Hölle. Eine Aufführung in der Aula der Armin-Maiwald-Schule brachte das sehr aktuelle Thema auf die Bühne.

Foto: Jürgen Moll

Mobbing ist ein Thema, das bei den von dieser perfiden Taktik betroffenen Menschen zu massiven Problemen führen kann. Besonders schwierig wird es, wenn es um Mobbing im Internet geht, das so genannte Cybermobbing, da dies schwer nachzuweisen und aufzuhalten ist. Dies ist ein Thema, das besonders diejenigen betrifft, die viel mit dem Medium Internet zu tun haben. Also nach wie vor in vorderster Linie junge Menschen – natürlich auch Schüler. 

Dass Cybermobbing ein Thema ist, das durchaus auch lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann, hat sich übrigens vor einigen Wochen beim Fall der österreichischen Allgemeinärztin Lisa-Maria Kellermayr gezeigt. Die junge Frau hatte nach einer massiven Cybermobbing-Kampagne gegen sich, nachdem ein Shitstorm riesigen Ausmaßes über sie hereingebrochen war, hauptsächlich, weil sie in ihrer Praxis auch gegen das Corona-Virus geimpft hatte, zunächst ihre Praxis schließen müssen und einen Monat später Selbstmord begangen. Auch die Geschichte rund um den YouTuber „Drachenlord“, alias Rainer Müller, die wegen der Enthemmung auf beiden Seiten völlig außer Kontrolle geraten ist, zeigt, dass Cybermobbing eine ernstzunehmende Sache ist.

Damit es nicht so weit kommt, damit schon bei den Jugendlichen eine Sensibilität für das Thema geweckt wird, haben die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I der Förderschule Nordkreis am Standort Armin-Maiwald-Schule am Freitagvormittag ein Theaterstück des Kölner Ensembles Comic On! zu sehen bekommen. „Es sind die Jungen und Mädchen unserer beiden Standorte in Radevormwald und Hückeswagen hier in unserer Aula, um sich gemeinsam das Stück ‚R@usgemobbt 2.0‘ anzusehen“, sagt Konrektorin Stephanie Langmesser.

Ermöglicht wird die Aufführung des Stücks durch eine Förderung der Oberbergischen Medieninitiative, die im September im Kreis eine Offensive gegen Cybermobbing gestartet hat. Man habe damit auf die sich verändernden Anforderungen an Schule und Gesellschaft durch die drastisch verstärkte Anrufung der virtuellen Medien reagiert.

In dem abwechslungsreichen Theaterstück dreht es sich um verschiedene Schülerinnen und Schüler, die es in dieser Form wohl an jeder Schule in Deutschland geben könnte. Da ist als einer der Hauptpersonen der 16-jährige Jess, der in seiner Schullaufbahn schon Einiges erlebt hat, und neu an die Schule kommt. Ihm eilt etwa der Ruf des „Brandstifters“ voraus – angeblich hat er seine alte Schule „abgefackelt“. Er möchte daher „unterm Radar“ fliegen, um nur möglichst keine Angriffsfläche zu geben. Das geht aber im Rahmen des Mikrokosmos einer Schule mit all ihren vielen involvierten Personen praktisch nicht. Und so muss er sich direkt mit seinen Mitschülern auseinandersetzen, etwa mit der schüchternen Chris, die seine Leidenschaft fürs Gamen teilt und in ihn verliebt ist, aber gleichzeitig von Schul-Queen Vanessa und ihrer Gefolgschaft mit peinlichen Handyvideos gemobbt wird. Deren Ausruf: „Hey, Freak!“, wenn sie sich dann doch mal dazu herablässt, mit ihrer Mitschülerin zu sprechen, macht deutlich, wie geringschätzig sie mit anderen Menschen umzugehen bereit ist, nur um cool zu sein. Jess wiederum möchte mit all dem nichts zu tun haben, muss sich aber irgendwann für eine Seite entscheiden.

Das Ensemble bringt das Thema in jugendgerechter Sprache auf die Bühne. Dass das ankommt, ist an den Reaktionen der Schülerinnen und Schüler in der vollbesetzten Aula zu merken. Vor allem aber auch an der Aufmerksamkeit, die unter den rund 120 Jugendlichen deutlich zu spüren war. Ein gutes Zeichen, denn wenn die Botschaft rüberkommt, dass an Cybermobbing überhaupt nichts cool und komisch ist, dann dann hat das Theaterstück seinen Zweck erfüllt.

Im Anschluss an das Theaterstück bestand für die Jugendlichen noch die Möglichkeit, sich eine Schulstunde lang mit den pädagogisch ausgebildeten Schauspielern über das Thema auszutauschen.

Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar, Telefon 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.

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