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Radevormwald: Stadt will Bauherren von Stein- und Schottergärten abhalten

Ausschuss in Radevormwald : Stadt will „Gärten des Grauens“ verhindern

Naturschützer fordern Maßnahmen gegen den Trend zu ökologisch schädlichen Schottergärten. Die Stadt will künftig bei Baugenehmigungen auf das Thema hinweisen.

Sie stoßen auf wachsende Kritik bei Naturschützern, jene Gärten, bei denen Grundstückseigentümer Blumen, Gras und andere Pflanzen durch Schotter, Steine und tote Materialien ersetzen. Dieser umstrittene Gartentrend hat viele Stadtverwaltungen bewogen, Maßnahmen zu ergreifen. Ein wesentlicher Grund: Insekten, Vögel und andere Lebewesen sind auf grüne Gärten angewiesen.

Auch die Verwaltung in Radevormwald will nun Bauherren stärker darauf hinweisen, wie wichtig die lebendigen Gartenflächen sind. In einer Vorlage zum kommenden Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt kündigt die Verwaltung an, dass künftig in Baugenehmigungen „auf folgende Regelungen des Paragrafs 8 der Bauordnung NRW 2018“ hingewiesen soll“. Diese besagen, dass „nicht mit Gebäuden oder vergleichbaren baulichen Anlagen überbaute Flächen“ der Grundstücke wasseraufnahmefähig sein sollen und „zu begrünen und zu bepflanzen“ seien.

Dies gilt unter der Voraussetzung, dass nicht „die Erfordernisse einer anderen zulässigen Verwendung der Flächen“ entgegenstünden oder Bebauungspläne oder andere Satzungen enthielten besondere Festsetzungen.

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Außerdem soll den Baugenehmigungen eine Infobroschüre des Oberbergischen Kreises über Steingärten und deren Auswirkungen auf das Ökosystem beigefügt werden. Auf entsprechende „textliche Festsetzungen“ in Bebauungsplänen soll verzichtet werden.

Zusammengefasst heißt das: Die Verwaltung möchte vorerst die Bausatzung nicht ändern, sondern setzt auf Informationspolitik und die Einsicht der jener Bürger, die ein Grundstück bebauen. „Das ist zumindest unsere Intention als Verwaltung“, sagt Burkhard Klein, Leiter des Bauverwaltungsamtes. „Natürlich muss man jetzt schauen, wie die Politik entscheidet.“

Die Fraktion von Bündnis 90/Grünen im Radevormwalder Rat und der Bergische Naturschutzverein in Radevormwald hatten in den vergangenen Monaten darauf gedrängt, etwas gegen die „Gärten des Grauens“ zu tun, wie die Steingärten von Kritikern genannt werden, nach einer viel beachteten Facebook-Seite, die sich über besonders krasse Beispiele der Steingartengestaltung lustig macht. Kathi Hentzschel, Geschäftsführerin des Naturschutzvereins und jüngst mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet, hatte für die Sitzung des Hauptausschusses im Juni einen entsprechenden Antrag gestellt. Dieser Tagesordnungspunkt wurde jedoch in den Fachausschuss verschoben.

Hentzschel hatte gefordert, die Radevormwalder Stadtverwaltung müsse Bauherren darauf aufmerksam machen, dass die über die Grundflächenzahl hinausgehenden Flächenanteile nicht versiegelt werden dürften, sondern als Grünfläche zu gestalten seien – was dem Vorstoß der Stadt so ziemlich entspricht.

Steinaufschüttungen seien massive Versiegelungen des Bodens – und als solche anzeigepflichtig, erläuterte die Naturschützerin.