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Radevormwald: Stadt bereitet sich auf die Masern-Impfpflicht vor

Kitas und Schulen in Radevormwald : Stadt bereitet sich auf Masern-Impfpflicht vor

Ab dem 1. März müssen Kinder, die in Kitas und Schulen angemeldet werden, gegen Masern geschützt sein. Noch gibt es offene Fragen.

Ab dem 1. März gilt in Deutschland ein neues Gesetz zur Masernimpfung. Kinder, die an einer Tagesstätte oder einer Schule angemeldet werden, müssen gegen die Krankheit geimpft sein. Für Kinder und Jugendliche, die bereits in den Einrichtungen betreut bzw. unterrichtet werden, gibt es eine Übergangsregelung. Hier haben die Eltern anderthalb Jahre Zeit, die Impfung durchführen zu lassen.

Der Hintergrund sind die sinkenden Zahlen bei den Impfungen in den vergangenen Jahren. Ein Grund ist die Impfmüdigkeit in der Bevölkerung, in der Krankheiten wie Masern nicht mehr als die Bedrohung gesehen werden, die sie sind. Doch es gibt auch eine Gruppe dezidierter Impfgegner, die aus Angst vor Gesundheitsschäden, religiösen Gründen oder im Glauben an Verschwörungen der Pharmaindustrie eine Impfung ihrer Kinder verweigern.

Sandra Pahl, die Leiterin der Sekundarschule in Radevormwald, bittet alle Eltern, die ihr Kinder in der kommenden Woche anmelden (die Fristen sind vom 17. bis 19. Februar jeweils von 14 bis 17.30 Uhr) möglichst schon den Impfpass mit dem Nachweis der Masernimpfung mitzubringen. „Wir haben die Eltern bereits informiert“, sagt die Schulleiterin. Widerspruch von Impfgegnern habe es bislang nicht gegeben. Die Pflicht gilt allerdings nicht nur für Kinder, sondern auch für Lehrkräfte und andere Mitarbeiter in den Einrichtungen, sofern sie nach 1970 geboren wurden. Neben Schulen und Kindergärten gilt das Gesetz auch für Ausbildungseinrichtungen, in denen vor allem Minderjährige betreut werden sowie in Krankenhäusern und Arztpraxen.

Noch ist einiges rund um das Prozedere nicht völlig geklärt, räumt Jürgen Funke, der Leiter des Schulamtes in Radevormwald ein. „Wir haben die Mitarbeiter der städtischen Einrichtungen über die neue Gesetzeslage informiert“, erläutert er. Sollte es Probleme mit renitenten Eltern geben, müssen die Leitungen der Kitas und Schulen die Stadt informieren. Was die anderen Einrichtungen betrifft, die in freier Trägerschaft sind, so sieht Funke das Kreisgesundheitsamt als den richtigen Ansprechpartner. Und wie steht es bei der Betreuung durch Tagesmütter? „Das Kreisgesundheitsamt hat auch hier alle Betreuerinnen informiert“, sagt Funke.

Wenn Eltern der Impfpflicht für ihre Sprösslinge nicht nachkommen, drohen ihnen Bußgelder in Höhe von bis zu 2500 Euro. Auch die Leitungen von Kitas und Schulen können belangt werden, wenn sie sich weigern, die Vorschriften zu beachten. „Falls Eltern sich weigern, ihr Kind impfen zu lassen, werden wir erst einmal das Gespräch suchen“, erklärt der Amtsleiter. Wichtig sei, erst einmal zu klären, warum es Vorbehalte gegen die Impfung gibt und eine Lösung zu finden. Doch was, wenn Mütter und Väter partout den schützenden Pieks für Kind verweigern wollen. Hier, meint Funke, sei die Vorgehensweise noch nicht ganz geklärt. Einerseits seien die neuen Bestimmungen ganz klar, andererseits gelte in Deutschland Schulpflicht. Diese beiden Bestimmungen unter einen Hut zu bringen, sei dann Sache des Kreisgesundheitsamtes, das auch über die Bußgelder verfüge. „So lange die Kinder nicht krank werden“, meint Funke, „können sie die Schule sicher besuchen.“ Er rechnet allerdings damit, dass es kaum Probleme bei der Umsetzung der Pflicht geben wird.

Dass manche Eltern bei diesem Thema recht irrational reagieren können, zeigt ein Fall, der in Duisburg für Aufregung sorgt. Dort hatte eine Mutter Drohungen gegen die Verwaltung und den Bürgermeister geäußert, falls ihre Tochter geimpft werde. So kündigt sie an, sich an den Behördenmitarbeitern zu vergreifen, wenn diese sich an dem Körper ihres Kindes vergreifen würden. Die Impfung wurde am Ende doch durchgeführt. Die Mutter muss sich nun wegen Nötigung vor Gericht verantworten.