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Radevormwald: SPD-Politiker Dietmar Stark produziert Pop-Single

Musikprojekt mit Radevormwalder Hintergrund : SPD-Politiker produziert Pop mit bergischem Hintergrund

Im Rokoko-Gartenhaus in Radevormwald wurde die Single „Volver a vivir“ der Sängerin Princesa Ann vorgestellt. Einer der Produzenten ist Dietmar Stark. Doch auch andere Beteiligte aus der bergischen Region sind mit im Boot.

„Plötzlich Prinzessin“ heißt eine romantische Filmkomödie, und im gewissen Sinne kann das auch Anne Berndt von sich sagen. Die 28-Jährige, die in Leverkusen lebt, hat ein neues Ich angenommen, in Gestalt der Sängerin „Princesa Ann“. Die erste Single „Volver a Vivir“ wird nun veröffentlicht, natürlich mit einem Musikvideo, das auf YouTube zu sehen ist. Darin absolviert die Künstlerin zahlreiche Kostümwechsel, mal in einem schwarz-weißen Kleid, mal im Glitzerkostüm, im eng anliegenden pinken Body oder einem luftigen gelben Stoff. Die Kulissen: mal bunt-schrill, mal im coolen Neonlicht. Die Musik: moderner Pop mit einem Beat im House-Stil, eingängig und tanzbar.

Das Rokoko-Gartenhaus in Radevormwald, das älteste erhaltene Gebäude der Stadt, würde man mit Pop und Glamour nicht direkt in Verbindung bringen, doch just hier, im Parc de Châteaubriant, fand einige Tage vor dem Start des Songs eine Vorstellung des Projektes statt.

Das hat einen Grund: Der Produzent des Titels, Dietmar Stark, lebt in Radevormwald und ist hier seit Jahrzehnten in der Politik aktiv, derzeit als Vorsitzender und Fraktionschef der örtlichen SPD. Er ist allerdings nicht der einzige Beteiligte, der aus der Region kommt. Die Gesangsspuren für den Song wurden im Remscheider Tonstudio Donner aufgenommen, deren Inhaber, Matthias Donner und Sabine Habarth, sitzen an diesem Tag beim Pressetermin mit am Tisch. Ebenfalls ein Heimspiel ist es für Michael Borner, den Leiter der Radevormwalder Musikschule. „Ich habe Herrn Borner gefragt, ob er mir helfen könnte, Choristinnen für die Aufnahme zu finden“, berichtet Stark. Und so kamen zwei Sängerinnen für die Backing Vocals hinzu, Tamara Carofano und Sandra Moreno.

  • Die Zeilen stammen aus dem One-Direction-Song
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Ebenfalls mit im Boot ist Felix Anders, Vorsitzender der Radevormwalder Jusos. Er betreut den Social-Media-Auftritt rund um die Single, vor allem auf den Plattformen Instagram und TikTok. Und Facebook? Dort bediene man inzwischen nicht mehr die junge Zielgruppe, meint Dietmar Stark. Er zeigt auf seinem Smartphone ein TikTok-Video, mit dem bereits vor dem Start der Single um Aufmerksamkeit geworden wird. Darin zeigen zwei junge Leute eine Tanz-Choreografie – kontaktiert wurden die beiden übrigens ebenfalls über die Radevormwalder Schiene – Jochen Pries, den Leiter des Jugendzentrums „Life“ in den Wupperorten. Die Resonanz auf TikTok sei ermutigend, sagt Stark. Der kurze Clip mit dem „Move“, wie man heute sagt, hatte am Samstag bereits 29.200 Klicks. Diese Art von PR ist heute unabdingbar, schließlich werden in Deutschland jede Woche neue 450 Musiktitel im Netz veröffentlicht. Da muss man Aufmerksamkeit erregen und sich von den Mitbewerbern absetzen.

Auch Baltasar Fernandez hat eine enge Verbindung zum Bergischen Land, er wuchs in Wuppertal auf. Auch wem der Name des Musikers nicht sofort etwas sagt, kennt mit hoher Wahrscheinlichkeit den Song „Lady Lou“ aus dem Jahr 1976. Damit landete der gebürtige Spanier unter dem Künstlernamen Charly Benson einen Hit.

Fernandez ist einer der Co-Autoren des neuen Songs, gemeinsam mit Dietmar Stark und Matthias Menck, in dessen Hamburger Studio die Instrumental-Tracks aufgenommen wurden. Wem auch dieser Name nichts sagt, der kennt wahrscheinlich „Brooklyn Bounce“. Menck war einer der Männer hinter diesem Dance-Projekt, das vor allem in den 1990ern und 2000er-Jahren Erfolge feierte.

Dietmar Starks Verbindung zur Musikszene in Hamburg reicht lange zurück. Auch in Radevormwald dürften viele Menschen nicht wissen, dass der SPD-Ratsherr in den 1970er-Jahren als Musikproduzent in der Hansestadt aktiv war. Es war die große Zeit des deutschen Schlagers, und Stark arbeitete unter anderem mit Kurt Feltz zusammen, der Schlagertexte wie „Bianca“ für Freddy Breck, „Hier ist ein Mensch“ für Peter Alexander“, „Immer wieder sonntags“ für Cindy & Bert und „Souvenirs“ und „Pigalle“ für Bill Ramsey verfasst hatte. Auch mit dem Weltstar Caterina Valente hat Dietmar Stark in dieser Zeit zusammengearbeitet, etwa bei der Single „Manuel“.

Eines Tages wechselte er jedoch aus der Welt der Mischpulte und Schlaghosen in eine andere – die der Verwaltung und der Politik. Der Sozialdemokrat machte in Düsseldorf Karriere, brachte es bis zum Stabschef des NRW-Landtages und zum Gruppenleiter im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales. Ein Höhepunkt seiner Laufbahn war der Besuch der Queen in Düsseldorf im Jahr 2004, bei der Stark als Protokollchef fungierte.

Von der Queen zu Prinzessin Ann: Der 69-Jährige kehrt nun zur Musik zurück, in eine Branche, die sich völlig verändert hat. Der Versuchung, ausgiebig von alten Zeiten zu schwärmen, widersteht Stark jedoch. „Mir geht es um dieses neue Projekt“, betont er. Der Kontakt zu Anne Berndt entstand im Zuge eines Musikprojektes für die SPD. Die Künstlerin stammt aus dem thüringischen Nordhausen, hat ein Schauspielstudium in Berlin absolviert und war als Darstellerin, Sängerin und Moderatorin bereits in mehreren Rollen auf der Theater- und Musicalbühne, in Film und Fernsehen und auch in der Werbung zu sehen und zu hören. Anne Berndt steht aber nicht nur vor der Kamera, sie ist auch Filmemacherin und hat das von ihrem Ehemann Christian Schmitz gedrehte Video selber geschnitten. Gedreht wurde übrigens größtenteils in Berlin. Neben „Princesa Ann“ ist als Darsteller auch Alex Schön zu sehen, ein gefragtes androgynes Model. Um einen Song zu lancieren, der nur einige Minuten dauert, braucht es eine lange Vorlaufzeit. Hinzu sei natürlich die Pandemie gekommen, sagt Anne Berndt, die als Künstlerin weiß, wie sehr die Kulturbranche unter den Lockdowns gelitten hat.

„Volver a vivir, das heißt so viel wie ,Ich will mein Leben zurück‘“, sagt sie. So passe der Song zum Lebensgefühl vieler Menschen in einer Zeit, in der viele auf ein Ende der Pandemie hoffen. Als Schauspielerin habe sie natürlich gereizt, in diese Figur der „Princesa Ann“ zu schlüpfen und auch in dem Video in sehr unterschiedlichen Verkörperungen aufzutreten.

Die Aufnahmen der Gesangsspuren fanden im Juli 2021 im Remscheider Studio statt. Es war die erste Zusammenarbeit zwischen dem Team Donner-Habarth und den Produzenten um Dietmar Stark. „Bei so einer Zusammenarbeit muss auch die persönliche Chemie stimmen“, sagt Matthias Donner. Man habe festgestellt, dass man auf einer Wellenlänge liege. Übrigens: Wer sich beim Anschauen des Video-Clips fragt, wer der Sänger mit der Gitarre in den Schwarz-Weiß-Sequenzen ist, dem kann geholfen werden: Es ist der aus Mexiko stammende Luis Gonzales, der die Aufmerksamkeit von Dietmar Stark bei einem Auftritt im Museum für Asiatische Kunst geweckt hatte.