Radevormwald: SPD drängt auf bezahlbaren Wohnraum in Rade

Stadtentwicklung für Radevormwald : SPD fordert bezahlbaren Wohnraum

100 Sozialwohnungen fallen in den nächsten Jahren weg, warnt SPD-Fraktionschef Dietmar Stark. Die Stadt müsse deshalb neue Wege gehen. Das bedeute aber auch, bei der Entwicklung des Baugebietes Karthausen umzuplanen.

Bezahlbarer Wohnraum ist ein viel diskutiertes Thema. Besonders in Großstädten beklagen Einwohner die teuren Mieten und einen Mangel an erschwinglichen Wohnungen. Für Dietmar Stark, den Fraktionsvorsitzenden der Radevormwalder SPD, ist dieses Thema nicht nur auf Metropolen wie Köln und Düsseldorf beschränkt. „Wir werden in einigen Jahren auch in unserer Stadt Probleme bekommen“, prophezeit er. Ein Großteil der Wohnungen, die jetzt für Menschen mit kleinem Budget bereitstehen, verlören in absehbarer Zeit ihre Bindung als Sozialwohnung, die in der Regel 20 Jahre Geltung habe. „Das sind etwa 100 Wohnungen, bei denen diese Bindung in den Jahren 2020 bis 2022 wegfallen wird“, fasst er die Lage zusammen.

Vor diesem Hintergrund wolle sich die SPD vor Ort verstärkt dem Thema Wohnen widmen, erklärte Stark am Dienstag bei einem Pressegespräch. Ganz zu schweigen davon, dass es sich bei dem preiswerten Wohnraum oft um Wohnungen handle, die im Besitz umstrittener Immobilienfirmen wie „Altro Mondo“ seien.

Was die Schaffung von neuem Wohnraum betrifft, hat die Stadt ein großes Vorhaben am Start – das Baugebiet Karthausen. „Aber nach den jetzigen Planungen sollen dort vor allem Grundstücke für Besserverdienende entstehen“, sagt der SPD-Fraktionschef. Diese Form der Vermarktung sei jedoch nicht mehr zeitgemäß. Das klassische Familienheim sei nicht mehr die einzige Antwort für eine Gesellschaft, in der der Anteil von Alleinstehenden oder Alleinerziehenden wachse. Auch bei älteren Menschen gebe es den Bedarf, aus einem großen Haus in eine kleine Wohnung zu ziehen, die den Ansprüchen besser entspreche.

Letztlich gehe es auch darum, dass Radevormwald sich nicht in Sektoren nach dem Motto „Hier arm, dort reich“ teile. „Es kann nicht sein, dass manche Stadtviertel verkommen, während anderswo vor allem an die Häuslebauer gedacht wird“, erklärt der SPD-Politiker. Auch in den Wupperorten gebe es Straßenzüge, die auf lange Sicht zu vergammeln drohten. Deshalb fordert die SPD, dass die Planungen für Karthausen neu gedacht werden. „Und zwar nachhaltig“, sagt Stark. „Es stellt sich auch die Frage, ob wir diese ganze Fläche versiegeln müssen, wir sollten das auch unter einer ökologischen Perspektive betrachten.

Das Ziel müsse sein, einen Stadtteil zu schaffen, in dem gut Verdienende und weniger gut Verdienende Seite an Seite leben könnten. „Aus diesem Grund sind wir von dem ersten Entwurf für die Bebauung dort nicht überzeugt.“

Neben neuen Überlegungen zu dem Baugebiet bringt die SPD auch den Gedanken einer neuen Wohnungsgesellschaft ins Spiel. „Es muss keine Genossenschaft sein, wie wir sie schon einmal hatten“, meint Stark. Er spricht von einer „Entwicklungsgesellschaft“. Bürgermeister Johannes Mans hatte vor einigen Monaten bereits signalisiert, dass er sich mit diesem Gedanken anfreunden könnte.

Heißt das, die Sozialdemokraten werden nach den Ferien vor allem mit dem Thema Wohnen in den Kommunalwahlkampf gehen? Dietmar Stark verweist darauf, dass die Rader SPD diesen Punkt nicht erst jetzt aufgreift. Vor einigen Monaten, am 8. April, lud die Fraktion zu einem Werkstattgespräch ins Bürgerhaus ein, mit dabei waren der SPD-Landespolitiker Volkan Baran, Bürgermeister Johannes Mans und Dieter Jeschke, Pfarrer der reformierten Gemeinde.

Dietmar Stark, Fraktionsvorsitzender der SPD in Rade. Foto: Nico Hertgen/Hertgen, Nico (hn-)

Dieses Thema habe man in der Fraktion nun weiter vertieft. „Wir haben uns nun zu einer Klausurtagung zusammengefunden“, sagt der Fraktionschef der Sozialdemokraten. Dabei sei intensiv das Thema Wohnraum besprochen worden. „Dabei haben wir uns auch von Experten informieren lassen.“ Im Gespräch mit Projektentwicklern habe sich gezeigt, dass sich auf dem Gebiet der Wohnraumgestaltung in den vergangenen Jahren einiges getan habe – dies wollen die Sozialdemokraten nun auch in Radevormwald mit in die Debatte einbringen.

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